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Wenn Allergiker reisen

Damit die schönste Zeit des Jahres nicht zur Qual wird, müssen Menschen mit Pollen- oder Hausstauballergie ihren Urlaub besonders gut planen. Die Stiftung ECARF orientiert über allergikerfreundliche Unterkünfte und Regionen. Ein besonders reizvolles Reiseziel stellen wir vor.

Sommerzeit ist Urlaubszeit: Endlich den stressenden Alltag hinter sich lassen, in reizvoller Umgebung etwas für die Gesundheit tun, endlich durchatmen. Für rund 12 Millionen Deutsche bedeutet die warme Jahreszeit allerdings auch Leidenszeit – und allzu oft das Gegenteil von Durchatmen. Eine Untersuchung der Kommis-sion Umweltmedizin am Robert Koch-Institut ergab 2016, dass mittlerweile knapp 15 Prozent der Deutschen von einer Pollenallergie betroffen sind.

Damit der Urlaub nicht zur gesundheitlichen Belastungsprobe wird, müssen Heuschnupfen-Geplagte bei der Auswahl ihres Reiseziels Obacht geben. Für sie empfiehlt sich der Urlaub in besonders pollenarmen Gegenden. Zu einer besonders großen Herausforderung kann der Ur-laub auch für Hausstauballer-giker werden. Dem Deutschen Allergie- und Asthmabund e. V. zufolge leiden immerhin zehn Prozent der deutschen Bevölkerung unter dieser zweithäufigsten Allergieform. Hausstauballergiker haben es auf Reisen doppelt schwer. Während Hausstaub-allergiker ihr eigenes Zuhause in ein allergiearmes und somit sicheres Areal verwandeln können, stellen öffentliche Räume wie Hotellobbys, aber auch ihre eigenen Hotelzimmer für sie echte Gefahrenzonen dar. Ob Bodenbeläge, Vorhänge, Polstermöbel, Matratzen oder Bettwäsche: all diese Materialien sind für sie mögliche Quellen der Qual. Darin setzt sich nämlich mit Vorliebe der Staub fest.

Genau genommen reagieren Hausstauballergiker nicht auf den Staub selbst überempfindlich, sondern auf eiweißhaltige Kotpartikel von Milben. Da sich die winzigen Spinnentiere bei Wärme und einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 60 Prozent besonders wohlfühlen, ist es für diese Allergiker generell ratsam, in trockene, eher kühle Urlaubsgebiete zu reisen.

Deutschland bietet vor allem eine Region, die dank ihrer klimatischen Bedingungen für beide Allergikertypen sichere Urlaubsziele sind. Die in den Oberallgäuer Alpen gelegene Gemeinde Bad Hindelang überzeugt mit sauberer, allergenarmer Luft.

Endlich durchatme in den Allgäuer Alpen
In Deutschlands höchstgelegenem Bergdorf Oberjoch ist die Luft fast immer kristallklar. Dort droben ist die Luft pollenarm und milbenfrei. Die Wetterlage ist meist „obheiter“, wie die Allgäuer sagen: Während unten im Tal die Wolken hängen, scheint hier auf rund 1150 Metern die Sonne. Die Gäste des Biohotels Mattlihüs atmen beste Luft bei Yoga, Tai Chi oder Qi Gong –mitten im Landschaftsschutzgebiet.

Der im Herzen der Allgäuer Alpen gelegene Teilort der 5000-Einwohner-Gemeinde Bad Hindelang ist unübersehbar ein Gesundheitsdorf. Es ist kein Zu-fall, dass sich hier die Alpenklinik Santa Maria befindet, das deutsche Hochge-birgszentrum für atopische Erkrankungen, zu denen nicht nur Asthma, sondern auch Heuschnupfen, Neurodermitis und Hausstauballergien zählen. Der Klinikchef Professor Dr. Josef Rosenecker hat immer wieder beobachten können, wie nicht wenige seiner Patienten innerhalb kürzester Zeit symptomfrei wurden.

Von Milben keine Spur

Auch im 150 Meter tiefer gelegenen Unterjoch gibt’s keine Milben. „Hier wurden uralte Matratzen vom Dachboden getestet, da war keine einzige Milbe drin“, so Veronika Seidel, Gastgeberin des 3-Sterne-Landhotels Berghof. Die Allgäuer  Gemeinde Bad Hindelang war das Leit- und Bundesmodellprojekt der ECARF-Stiftung. Sie erhielt im Jahr 2011 als erste Alpenregion die ECARF-Auszeichnung als „Allergikerfreundliche Kommune“. Max Hillmeier, der Tourismusdirektor von Bad Hindelang, erklärt, warum für ihn das Gütesiegel von Bedeutung war. „Statistisch gesehen ist in jeder Familie ein Allergiker. Da wir als heilklimatischer Ort auf Familie setzen, war es für uns selbstverständlich, dass wir uns auf Allergiker spezialisieren.“

Im Biohotel Mattlihüs in Oberjoch und im Hotel Prinz-Luitpold-Bad in Bad Hindelang können übrigens auch Lebensmittelallergiker ohne Vorbehalt richtig gut schlemmen. Jahrelange Erfahrung und viele Schulungen machen es den Köchen leicht, sich auf die Gäste und deren jeweilige Allergien einzustellen. Damit auch wirklich nichts den Urlaubsgenuss stört.