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Starke Seele – starker Rücken

In den seltensten Fällen haben Rückenschmerzen eine anatomische Ursache. Fast immer sind sie ein Hilferuf der Seele, ausgelöst durch Ängste, Stress und psychische Belastungen. Wir sagen, wie die Schmerzen entstehen und wie sie Ihrem Rücken und Ihrer Seele selber helfen können.

 Wir hocken stundenlang regungslos auf dem Bürostuhl und starren hochkonzentriert und bewegungslos auf den Monitor. Auch beim Essen, Zeitungslesen oder Fernsehgucken sitzen wir ständig. Dass unsere Lebensweise nicht besonders artgerecht ist, zeigt sich vor allem an der großen Zahl der Menschen, die unter Rückenschmerzen und Wirbelsäulenbeschwerden leiden – der häufigste Grund für Frühinvalidität und vorzeitigen Ruhestand. „Unsere Lebensweise ist rückenzerstörend“, konstatiert der Münchner Orthopäde Dr. Martin Marianowicz in seinem Buch „Den Rücken selbst heilen“. Es besteht kein Zweifel daran, dass Rückenbeschwerden aufgrund einer zu schwachen Muskulatur entstehen. Der Rücken wird getragen und gestützt von einem Korsett, zu dem nicht nur die Muskeln des Rückens zählen, sondern auch die des Bauches. Damit dieses Korsett seine Arbeit machen kann, muss es stark sein. Und deshalb, müssen die Rücken- und Bauchmuskeln regelmäßig gekräftigt und gedehnt werden.

Ein schwaches Korsett ist aber nicht der alleinige Grund für Rückenschmerzen. Neueste medizinische und wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Rückenschmerzen oftmals ein Hilferuf der Seele sind. „Der Schmerz bringt zum Ausdruck, inwiefern eine Lebenssituation und das eigene Verhalten dazu beitragen, den Rücken zu überlasten, und zwar in körperlicher wie auch seelischer Hinsicht“, erklärt Marianowicz. Wer seine Rückenleiden lindern möchte, kommt deshalb kaum daran vorbei, sich auch mit dem Befinden seiner Seele zu befassen. Es gibt vieles, was die Seele belasten kann. Stress im Job oder in der Familie drückt nachweislich aufs Kreuz, wenn man nicht für ausreichende Erholung und Entspannung sorgt. Beständiger Druck, Sorgen oder seelische Überlastung können ebenfalls Stress verursachen und die Schmerzwahrnehmung deutlich verstärken. Stress ist ein evolutionäres Warnsignal für den Körper, bei dem das Nervensystem unseres Körpers förmlich mit Stresshormonen überflutet wird. Die Bindegewebshüllen der Muskeln, die so genannten Faszien, beherbergen Millionen Nervenzellen und leiten die Sinneseindrücke in rasender Schnelligkeit weiter. Deshalb können unsere Muskeln bei Gefahr blitzschnell reagieren und können wir im Bruchteil von Sekunden komplexe Bewegungen ausführen.

„Kopf und Körper, sind über die Wirbelsäule und das Rückenmark miteinander verbunden“.

Unsere Muskeln sind ein großes Wahrnehmungsorgan

Wenn man immer wieder Stress und starke Emotionen erlebt, aber nicht wie in Urzeiten mit Flucht und Angriff reagieren kann, sondern die Situation einfach erträgt und erduldet, verkrampfen die Muskeln und in der Folge kommt es zu Verspannungen und starken Schmerzen im Muskelgewebe. „Beziehungs- und sozialer Stress kriechen unter die Haut, nehmen in den Muskeln Gestalt an und beladen den Rücken, bis er unter den Lasten zusammen bricht“, erklären die Rückenspezialisten Reiner und Kurt Mosetter in ihrem Buch „Wie der Rücken die Seele und die Seele den Rücken heilt“. So gesehen hängen körperliche und seelische Verspannung eng miteinander zusammen. Erst jetzt beginnt die Wissenschaft zu erforschen und besser zu verstehen, welch außerordentlich wichtiges Sinnesorgan unsere Muskulatur ist. Seelische Belastungen hinterlassen in den Nervenzellen unserer Muskeln Spuren und können unsere Körperabläufe schwer stören, sogar nachhaltig. Denn die Erinnerungsspuren des Erlebnisses oder traumatischen Belastung kann man nicht einfach mal eben löschen. Unsere Muskeln haben ein unglaublich gutes und lebhaftes Gedächtnis. Das heißt, die Muskeln bleiben weiterhin angespannt, obwohl der enorme Arbeits-und Leistungsdruck aufgehört hat. Wer sich mit den seelischen Ursachen nicht auseinandersetzt, wird wahrscheinlich weiterhin Rückenschmerzen haben, obwohl er mittlerweile wieder in Lohn und Brot steht und finanziell vielleicht sogar gut abgesichert ist. Die Spannung bleibt und die befeuert wiederum die Angst.

Schlechte Erlebnisse führen zu einer schlechten inneren Haltung.

Der Betroffene bleibt innerlich weiter auf der Hut, ist übervorsichtig und misstrauisch, um sich zu wappnen. Wie ein Boxer, der in Deckung geht, verkleinert er dadurch seine Angriffsfläche. Dabei sind seine inneren Antennen so eingestellt, dass sie vor allem negative Signale aus der Umwelt empfängt. Die Nervenzellen schlagen zu oft oder wiederholt Alarm, es bildet sich eine Schmerzspur auf den Nervenbahnen und somit ein Schmerzgedächtnis aus. Um den Körper vor weiteren Schaden zu schützen, reagiert es über. Ein solches Verhalten kann bereits vorhandene Schmerzen verstärken, weil die Daueranspannung die Schmerzzentren im Gehirn aktiviert. Zudem kann es in der Folge zu Reizungen in der Muskulatur, speziell an den Sehnenansätzen kommen. Wenn die Psyche ständig unter Strom steht, werden im Körper Entzündungsprozesse aktiviert. Die Beschwerden am Rücken können eine Eigendynamik entwickeln und chronisch werden. Bei chronischen Rückenschmerzen spiele das Schmerzgedächtnis immer eine gewisse Rolle, ist Marianovicz überzeugt.

Wie ein Schmerzgedächtnis entsteht

Leidet jemand bereits unter chronischen Rückenschmerzen, weil die Nervenbahnen überreizt sind, können Antidepressiva möglicherweise helfen. Auch dies zeigt die enge Verbindung von seelischen und körperlichen Beschwerden. Umgekehrt leiden übrigens Menschen mit Depressionen sehr häufig auch an Rückenschmerzen. Selbsthypnose ist ein Weg, das Gehirn bei der unbewussten Schmerzverarbeitung zu erreichen. Wenn man sich selbst in einen tranceartigen Zustand versetzt, kann man sein Unterbewusstsein und somit auch die Schmerzwahrnehmung über bestimmte Suggestionstechniken positiv beeinflussen. Heilungsaussichten hängen auch von der Haltung der Betroffenen ab, wie sie mit den Erfahrungen und den Schmerzen umgehen. Ob sie frustriert sind oder aktiv am Heilungsprozess arbeiten, kann den Entzündungsherd befeuern oder löschen, erklärt der Münchner Rückenexperte Marianowicz. Ruhe, Entspannung, eine positive Einstellung, schöne Unternehmungen und Ablenkung verhindern die Wahrnehmung und Weitermeldung von Schmerzen an das Gehirn.

Wer begreift, wie unser Körpergedächtnis funktioniert, kann verstehen, warum Rückenschmerzen entstehen, obwohl es keine anatomische Ursache gibt. Oder warum diese anhalten, obwohl der Bandscheibenvorfall mit Erfolg behandelt wurde. In so einem Fall nutzt eine konservative Physiotherapie allein herzlich wenig. Der Rückenspezialist Dr. med. Marianovicz hat deshalb ein multimodales Programm entwickelt, mit dem er Rückenschmerzen ganzheitlich behandelt. Es hilft dem Patienten zu erkennen, welche störenden Lebensumstände und soziale Faktoren ihn belasten. Neben einem Bewegungsprogramm, mit dem die Muskulatur gestärkt wird (siehe Übungen ab Seite 14 bis 18) geht es somit auch darum, die wahren Ursachen des Rückenschmerzes, also die emotionalen Auslöser oder Verstärker zu erkennen.

 

Was belastet meine Seele und ist nicht geklärt in meinem Leben.

Statt über Rückenprobleme zu grübeln, könnte man sich fragen: was belastet mich oder verursacht Stress in meinem Leben? Das kann ein langer Anfahrtsweg zur Arbeit sein oder ein Chef oder Partner sein, der nicht wertschätzend mit Ihnen umgeht. Bei einer Frau, die drei Mal die Woche ihre Mutter im Pflegeheim besuchte, äußerte sich die zusätzliche Belastung in Rückenbeschwerden. Gibt es ähnliche belastende Situationen in Ihrem Leben? Was können Sie daran ändern? Fragen Sie sich: Welche negativen Erfahrungen habe ich nicht verarbeitet und verkraftet? Eine Antwort auf diese Frage, könnte ein erster Schritt zur Heilung sein

Glücksgefühle erzeugen

Man kann den Schmerzen tatsächlich mehr als Medikamente entgegensetzen. Man kann sie austricksen, indem man Glücksgefühle erzeugt. Damit setzt man dem Leiden etwas entgegen. Ein Rückenkranker, der sich gerade verliebt hat, wird seine Rückenschmerzen kaum noch spüren, da der Organismus seinen Organismus mit einem Cocktail aus Glückshormonen überflutet. Denn wir können Schmerz- und Glücksgefühle nicht gleichzeitig empfinden. Deshalb verordnen übrigens Ärzte bei chronischem Schmerzsyndrom Antidepressiva. Sie regen die Ausschüttung von Glücks- und Wohlfühlhormonen wie Serotonin an. Wir können uns leider nicht auf Befehl verlieben und nicht jeder Rückenkranke möchte Antidepressiva schlucken, doch wir können selbst Glücksgefühle erzeugen. Fragen Sie sich, was Sie glücklich macht. Was können Sie besonders genießen? Gehen Sie ins Theater, schauen Sie sich eine Filmkomödie an, lesen Sie etwas Erheiterndes, Humorvolles. Vielleicht haben Sie Lust zu tanzen. Damit schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie bewegen sich, befreien ihren Körper aus seinem allzu engen Muskelkorsett und beglücken ihren Hörsinn.

Lenken Sie sich von Schmerzen ab

Zwar ist es wichtig, seine Rückenschmerzen zu akzeptieren, dennoch sollte man den Schmerzen nicht allzu viel Beachtung schenken. Denn „Schmerzen werden durch die Wahrnehmung getriggert. Je mehr Aufmerksamkeit wir unseren Schmerzen schenken, desto stärker spüren wir sie“, erklärt Dr. Marianowicz. Besser ist es nach Behandlungsmöglichkeiten und Lösungen zur Schmerzbewältigung zu suchen. Es gibt viele Methoden von Biofeedback über Meditation bis hin zur Selbsthypnose die dabei helfen können, den Schmerz zu kontrollieren und auch zu überwinden. Meditation ist ein sehr guter Weg, um Schmerzen zu lindern. Denn er bringt Entspannung in ein völlig angespanntes System. Dadurch werden Sie achtsamer und lernen dabei, den gesamten Körper besser wahrzunehmen. Beim Meditieren entwickeln Sie Distanz zu den negativen Gedanken und belastenden Gefühlen, die möglicherweise Ursache und Auslöser der starken Schmerzen sind. Durch die Meditationspraxis werden die Gefühle quas verdünnt.

 

 

Entspannungsübung bei Rückenschmerzen

Zählen Sie ganz langsam und bewusst von 1 bis 10 und fühlen Sie dabei in ihren Körper, ob sie irgendwo verspannt sind. Lösen Sie die Verspannung, in dem Sie bei jeder Zahl von 1 bis 10 den dazugehörigen Satz sagen und spüren Sie nach, was in ihrem körper dabei passiert. Atmen Sie vor und nach jeder zahl tief ein und aus.

 

 

 

 

 

 

Eye and branches of tree

Die Seelentaucher

Viele Menschen lehnen die Hypnose als Therapie ab. Sie haben Angst vor dem Kontrollverlust. Zu Unrecht, denn wer hypnotisiert ist, ist nicht bewusstlos. Die moderne klinische Hypnotherapie wendet seriöse Methoden an und erzielt damit durchaus Heilerfolge.

Bis heute wird mit der Fähigkeit der Hypnose viel Scharlatanerie betrieben. So kann man in Fernsehshows sehen, wie Magier Menschen in nur wenigen Minuten von einer Schlangen- oder Spinnenphobie heilen. Dazu wird der Proband nur kurz in Trance versetzt, indem man ein Pendel vor seinen Augen hin und her schwingen lässt. Der Hypnotiseur gibt nun klare Handlungsanweisungen: „Fass die Spinne an“ oder erklärt mit klarer autoritärer Stimme: „Du hast keine Angst mehr vor Spinnen“. „Um ihre scheinbare absolute Macht zu demonstrieren, wecken Bühnenhypnotiseure ihre Opfer in der Regel mit einem Fingerschnipsen blitzschnell wieder auf. Oft mit fatalen Folgen. Denn „Showhypnotiseure können traumatisierende Emotionen in ihren Opfern mobilisieren, wissen aber mit dem, was sie in den Opfern ausgelöst haben, nicht umzugehen“, warnt die Deutsche Gesellschaft für Hypnose- und Hypnotherapie e.V. (DGH). Viele Menschen verbinden Hypnose bis heute mit Macht über willenlose Menschen. Auch aus diesem Grund ist es ein primäres Anliegen der DGH sich von diesen Laienhypnotiseuren abzugrenzen und die Hypnose als Instrument der Forschung und der Therapie respektabel zu machen sowie das Interesse an der „seriösen“ experimentellen und klinischen Hypnose in Deutschland zu fördern.

Was Skeptiker und Kritiker der Hypnose beruhigen mag: Gegen den eigenen Willen kann man nicht hypnotisiert werden. Zufolge großer Vergleichsstudien sind etwa 10 Prozent aller Menschen sehr gut hypnotisierbar. Das sind nicht etwa besonders Leichtgläubige, sondern vor allem Leute, die über eine lebhafte Vorstellungskraft verfügen. Ebenso viele sprechen nur schwer oder gar nicht auf Hypnose an, die meisten aber liegen im Mittelmaß – und das reicht für eine Behandlung aus. Im Prinzip ist jeder hypnotisierbar, der auch schlafen kann. Das Einzige, was einen Menschen daran hindern kann, in Trance zu verfallen, ist der eigene Wille, und die Angst vor dem Zustand der Trance.

Bei vielen körperlichen Erkrankungen, die durch psychische und soziale Faktoren bedingt sind, ist die Hypnotherapie als Behandlungsmethode längst anerkannt. Der von der deutschen Bundesregierung eingerichtete Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie kam zu dem Schluss, dass Erfolge in zwei Bereichen nachgewiesen seien: Zum einen hilft diese Methode beim Drogenentzug und bei Nikotinsucht, zum anderen erleichtert es die Bewältigung von Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Überraschend sind auch die Erfolge bei narkoseresistenten Patienten, bei denen mithilfe der Hypnose kleinere Operationen und Eingriffe, wie Zahnbehandlungen oder Magenspiegelungen durchgeführt werden können.

Was ist Hypnose überhaupt für ein Zustand?

Der Begriff Hypnose leitet sich zwar etymologisch vom Griechischen Wort Hypnos ab, was soviel wie Schlaf bedeutet. Doch man ist während einer Hypnose nicht total bewusstlos. „Vielmehr befindet man sich in einem dritten Zustand, irgendwo zwischen Schlaf und wachen Bewusstsein, kurz vor dem Einschlafen oder dem Aufwachen. Die letzten Bilder vom Traum laufen noch, wir hören aber schon die ersten Geräusche“. Der Körper fühlt sich angenehm schwer und entspannt an, dabei kann man jedoch noch Geräusche aus der Umgebung wahrnehmen. In diesem besonderen Zustand der tiefen Entspannung kann der Körper neue Kraft tanken und Lösungsmöglichkeiten finden“, erklärt Carmen Büge, Heilpraktikerin und Hypnotherapeutin aus Karlsruhe. Die Angst, man würde unter Hypnose alles Mögliche erzählen und ausplaudern, sei deshalb unberechtigt, so Büge. Normalerweise führe der Therapeut mit seiner Stimme durch die Hypnose, der Patient höre entspannt zu. Im Gegensatz zu einem Schlafenden kann das Hirn eines Hypnotisierten auf unbewusste Weise aktiv den Bewegungsbefehlen, Vorschlägen und Anweisungen des Hypnotiseurs folgen. Da das Bewusstsein und seine kognitiven Kontrollmechanismen in dieser Zeit jedoch reduziert sind, kann der Hypnosetherapeut problemlos mit dem Unterbewusstsein des Patienten kommunizieren. Dort sind all unsere Erinnerungen, Konflikte, Gewohnheiten, Schmerzen, Wünsche, Ängste und vieles mehr verborgen.

Im Zustand der Trance ist der Patient besonders offen für Suggestionen und positive Vorstellungen. Ob es sich nun um Bilder oder Klänge handelt, unter Hypnose erleben die meisten Menschen diese nicht als bloße Vorstellung sondern als reales Geschehen. Somit kann eine alternative Wirklichkeit konstruiert werden, ohne dass das Bewusstsein ständig dazwischen „funkt“.

„Das Unterbewusstsein irrt und lügt nicht“

Die moderne Hypnotherapie betont in der Regel die Individualität jedes einzelnen Patienten. Sie strebt ein Patientenverhältnis auf Augenhöhe an. Das bedeutet, dass eine Hypnose nicht nach Schema F durchgeführt werden kann, sondern für jeden einzelnen Patienten der richtige Zugang und die passende Techniken gefunden werden müssen. Diesen neuen Ansatz entwickelte Milton Erickson (1901 bis 1980), der als Vater der modernen Hypnose gilt. Letztlich ist es ihm zu verdanken, dass Hypnose in der Psychotherapie wieder mehr zum Einsatz kam und sich die Einstellung gegenüber der Hypnose wandelte. Im Gegensatz zu dem früheren autoritären oder direktiven Stil, der bis in die 50er und 60er Jahre vorherrschend war, wollte der amerikanische Psychiater Erickson mit seinen Methoden, die begrenzte Fähigkeit des Bewusstseins erweitern, in dem er seine starren Denk-Strukturen lockerte: Zugleich wollte er das Unterbewusstsein anregen, selbst neue Lösungen zu finden. Letztlich ging es ihm darum, neue Ressourcen zur Selbstheilung zu erschließen, aber auch bereits vorhandene Ressourcen verstärkt zu nutzen. Ein kluger moderner Hypnotiseur überlässt dem Patienten die Interpretation der Geschichte und welche Bedeutung er der Suggestion gibt. Schließlich soll dieser selber das Problem der Geschichte, die er erzählt bekommt, erkennen und eine eigene Lösung finden. Auch Carmen Büge ist von der Methodik Ericksons überzeugt und meint „Nur wenn der Mensch die Lösung selbst findet, wird er auch danach handeln“.

 

Autorin: Inge Behrens

Homopathie

Homöopathische Heilmittel für die Seele

 Angst- und Schlafstörungen oder Depressionen: die Homöopathie hilft nicht nur bei körperlichen, sondern vor allem  bei vielen seelischen Beschwerden. Imge Behrens hat die Hamburger Heilpraktikerin Jenny Hertz befragt.

Die Samen der Ignatiusbohne enthalten die bekannte Substanz Strychnin. Jeder weiß, dass sie hochgiftig ist. Wer zu viel davon zu sich nimmt, erstickt qualvoll. Doch das darin enthaltene starke Nervengift ist auch ein Heilmittel, das verdünnt und homöopathisch aufbereitet bei Magen- und Darmschmerzen, Krämpfen, Leberbeschwerden und Vergiftung eine positive lindernde Wirkung zeigt. Die homöopathische Arznei wirkt aber nicht nur körperlich, sondern ganzheitlich. „Ignatia“ zeigt seine besten Eigenschaften bei seelischen Beschwerden wie nervöser Gereiztheit, Weinerlichkeit und depressiver Verstimmung. „Es ist ein gutes Kummermittel und hilft bei Verlust und Trennungsschmerz“, weiß Heilpraktikerin Jenny Hertz, die auf Homöopathie spezialisiert ist, aus praktischer Erfahrung…..

 

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Chinesische Medizin als begleitende Krebstherapie

Immer mehr Patienten wünschen sich eine ganzheitliche Behandlung parallel zur Standardtherapie. Vor allem von der Chinesischen Medizin erhoffen sich viele eine Linderung der Nebenwirkungen. Die Schulmedizin öffnet sich ganz langsam.

Für jeden Menschen ist die Diagnose „Krebs“ ein Schock und löst enorme Ängste aus. Kaskadenartig erscheinen Leidensbilder von unglaublicher Wucht und Intensität vor ihrem inneren Auge. Dabei ruft nicht allein die Krankheit und die möglichen Schmerzen Panik hervor. Vor allem die Nebenwirkungen einer Strahlen- oder Chemotherapie und der damit einhergehende Verlust der Lebensqualität versetzen die meisten in Angst und Schrecken. Häufig geraten Menschen vor und während der Therapie deshalb in eine tiefe seelische Krise. Genau das kann zu einer zusätzlichen Belastung werden und der Genesung im Wege stehen. Denn es ist wichtig, dass der Patient zuversichtlich bleibt und von seiner Heilung überzeugt ist. Angst und Depression können die Erfolgsaussichten einer Chemotherapie ganz enorm mindern.

Die Schulmedizin kann dem Patienten nur wenig Beistand leisten und verweist meist auf Angehörige. Hinzukommt: Oft genug fühlt sich ein Krebspatient einem System, dessen Behandlungsstandards sich starr an den Leitlinien der Krankenkassen orientieren, hilflos ausgeliefert. Viele Patienten werden vom Arzt stark unter Druck gesetzt und glauben sofort dem vorgeschlagenen Behandlungsplan zustimmen zu müssen. Um die Nebenwirkungen zu lindern, versuchen viele Krebskranke deshalb in aller Eile parallel zur schulmedizinischen Behandlung  im riesigen Angebot an Naturheilkundlern und Heilpraktikern einen zusätzlichen Therapieansatz zu finden. 60 Prozent aller Patienten nehmen aus Angst vor den massiven Nebenwirkungen Naturheilmittel ein. Ob nun Mistel- oder Thymusextrakte, Vitamine oder auch homöopathische Präparate – jedes Mittel scheint als rettender Strohhalm recht. Oftmals informieren die Patienten den Onkologe darüber nicht, meist aus Furcht, der Arzt werde ihnen möglicherweise von der Einnahme der Naturstoffe abraten….

Schulmediziner öffnen sich der ganzheitlichen Therapie

Besser ist es, sich in Ruhe nach einer naturheilkundlich orientierten Komplementärtherapie in seiner Region zu erkundigen. Rat findet man beispielsweise bei der Deutschen Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr. Im optimalen Fall entwickelt der Onkologe gemeinsam mit den Therapeuten der alternativen Heilkunde einen Behandlungsplan, der nicht nur die Tumorbeseitigung zum Ziel hat, sondern auch die Nebenwirkungen lindert und wenn möglich auch die Erfolgsaussichten auf Heilung verbessert. Laut einer Umfrage….

Couple holding hands in a wheat field. walking together in the nature

Das Geheimnis echter Intimität

Deutschland ist auf dem besten Weg in eine Singlegesellschaft zu werden. Rund 20 Millionen Männer und Frauen zwischen 21 und 60 Jahren sind in Deutschland aktuell partnerlos. Geht die individuelle Freiheit und Autonomie den Deutschen über alles? So ganz stimmt das nicht. Zwar genießen viele nach der Trennung erst einmal ihre Freiheit und verspüren naturgemäß eine große Erleichterung. Nach einer gewissen Phase des Alleinseins entsteht bei vielen jedoch wieder der Wunsch nach einer Partnerschaft. Nach wie vor glauben die meisten, dass das Leben gemeinsam viel schöner sei als allein und glauben auch, dass sich Probleme gemeinsam oftmals leichter lösen lassen. Manche ahnen und andere haben es auch schon erfahren, dass eben nur zwischen zwei Liebenden „intensive Momente der Begegnung dauerhaft und reproduzierbar entstehen können“….

Sad woman or teenager girl looking through a steamy car window

Raus aus dem Tief: Depression überwinden

Ein depressiver Mensch ist nicht nur hin und wieder traurig oder ab und zu verzweifelt. Das sind Gefühle, die sind normal und gehören zum Menschsein. Es ist ganz normal, wenn man sich schlecht und verzweifelt fühlt und die Stimmung schwankt. „Wer unglücklich in der Liebe ist oder unzufrieden im Beruf und wer vor schwierigen Entscheidungen steht, dreht sich häufig im Kreis, ist gefangen, bedrückt und mag sich an nichts freuen, deswegen ist er aber noch nicht depressiv“, meint Giger-Bütler Diese Zustände seien emotionale Verstimmungen und es gäbe viele Bezeichnungen, um die verschiedenen negativen Gefühlszustände zu benennen. Wenn jemand traurig, niedergeschlagen oder bedrückt, heißt das noch lange nicht, dass jemand depressiv ist. Man sollte deshalb den Überbegriff und das Etikett „Depressiv“ mit Vorsicht verwenden.

Aufgrund seiner langjährigen therapeutischen Erfahrung hat J. Giger-Bütler seine Auffassung von Depression gebildet. „Menschen sind depressiv, die ihr Leben lang geleitet sind, das zu machen, was andere von ihnen erwarten, die immer auf die anderen ausgerichtet sind, die sich zurückstellen, sich übergehen, sich nicht spüren und ernst nehmen, die ständig im Gefühl leben, etwas machen zu müssen (…) Entscheidend für die Depression sind daher Gefühle sich immer nur verpflichtet zu fühlen, nie frei zu sein, immer fremdgesteuert und nie selber entscheiden zu können. Es fehlt diesen Menschen das Grundvertrauen in sich und das Leben, ebenso der feste Boden und der sichere Halt in dieser Welt. Sie fühlen sich heimatlos, überfordert und permanent erschöpft…

 

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Ich, ich immer nur ich

Narzissten beuten andere schamlos aus, sind rücksichtslos und kennen weder Skrupel noch zeigen sie Reue. Wird unsere Gesellschaft tatsächlich immer narzisstischer? Und falls ja, wie kann man sich wappnen?

Jeder Mensch benimmt sich mal daneben, verhält sich egoistisch oder nicht gerade mitfühlend. Man kann nun mal nicht immer sittsam, bescheiden und rein wie das Veilchen im Moose sein. Solange man bestimmte Regeln und Werte beachtet, zeugt es von gesundem Selbstbewusstsein, wenn man seine eigenen Interessen vertreten kann. In unserer Gesellschaft scheint es jedoch immer mehr Menschen zu geben, die sich rücksichtslos und ausbeuterisch verhalten. Immer öfter hört man Menschen sagen; „Der ist ein totaler Narzisst“. Sind wir tatsächlich auf dem Weg in eine narzisstische Gesellschaft?, wie es einige Soziologen und Psychologen befürchten. Eine amerikanische Studie der Staatlichen Universität Ohio hatte schon im Jahr 2006 ergeben, dass mehr Studenten narzisstische Verhaltensweisen zeigten als früher. Die Psychologin Jean Twenge hatte regelmäßig zehntausende Studenten getestet, um deren Grad der Selbstverliebtheit zu ermitteln. 1985 hatte jeder Siebte erhöhte Werte, 2006 war es schon jeder Vierte. Ein Phänomen, das Psychologen nicht nur in den USA, sondern überall in der westlichen marktwirtschaftlich geprägten Hemisphäre beobachten. Der Psychotherapeut Fritz Wandel ist ebenfalls davon überzeugt, dass immer mehr Deutsche an der Ich-Sucht litten und dass Narzissmus durch unser wirtschaftliches und soziales politisches System gefördert werde. „Da sich immer weniger Menschen an die alten christlichen und sozialen Werte gebunden fühlen, prägt sich der Sozialcharakter des Narzissten stärker aus“, so Wandel. Narzissmus sei ein Erfolgsrezept, so Wandel. Wer ohne Rücksicht auf Verluste seine Interessen durchzusetzen versteht, wird in unserer Ellbogengesellschaft oftmals noch belohnt (…)

veröffentlicht auf: www.psychologiebuch.de

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„Lebe mutig und neugierig“

Die Münchner Philosophin Rebekka gibt in ihrem neuen Buch „Würde Platon Prada tragen?“ Einblicke in die alltäglichen seelischen Nöte der modernen Überfrau

Wer ein oder gar mehrere Probleme mit anderen, mit der Welt und mit sich hat, dreht sich oftmals grübelnd und ratlos im Kreise. Er weiß oder erkennt „Guter Rat ist teuer“, zumindest, wenn er irgendwann reu- oder demütig den Gang zum Psychotherapeuten antritt. Doch dem muss nicht immer so sein. Denn auch Philosophen, wie Epikur (über das Glück), Marc Aurel oder Nietzsche haben sich seit jeher mit den Ängsten, menschlichen Unvollkommenheiten und Schwächen auseinandergesetzt und ungefragt und kostenfrei sich zu Fragen der Lebenskunst geäußert. Auch die Philosophin Rebekka Reinhard folgt dieser Tradition und gibt zum dritten Mal in Folge in Buchform ihre Lebenseinsichten und -erkenntnisse preis, die sie als philosophische Beraterin in eigener Praxis in München gewinnt. Nach ihren ersten zwei Büchern die „Sinn-Diät“ sowie „Odysseus oder die Kunst des Irrens“ erscheint nun das hübsche 130 Seiten umfassende Bändchen „Würde Platon Prada tragen?“ –  ein vergnügliches Wortmachwerk, das man am besten als zuverlässige Ratgeberquelle stets in der Tasche bei sich trägt oder zuhause an einer häufig heimgesuchten Stelle platziert. Mit seinen über 50 ein- bis zweiseitigen Kolumnen bietet die 38 Jahre junge moderne Münchner Philosophin Unterhaltung auf hohem Niveau. Auf leichtfüßige Weise lässt sich die Autorin Reinhard sowohl über Tugenden als auch über allerlei alltägliche Frauen- oder Gesellschaftsthemen aus. Kurz und bündig, ja oft einsilbig sind sie tituliert. „Stil“,  „Neid“,  „Schuhe“ „Schönheit“ und „Mode“ „Eitelkeit“ oder „Staunen“ lauten etwa die Überschriften. Als Auftakt ist den Titeln ein locker und heiter klingendes „Apropos“ vorangestellt. Denn lässig lebt´s sich viel besser. Und mit Selbstdistanz eben auch! Augenzwinkernd und versöhnlich, eher mit- als besserwisserisch hält Reinhard der wohlstandsverwöhnten und -geplagten Frau einen Spiegel vor, indem sie ihren übertriebenen Perfektionismus und  ihre verdrehte Denkweise und Einstellung am Beispiel alltäglicher Szenen aufzeigt. Das zentrale Motiv, so Reinhard, sei die moderne Überfrau: ihr Kontrollbedürfnis, ihr Hang zum Vergleichen, ihr ewiges Ringen um Selbstwertgefühl – all dies sind Themen dieser fein geschliffenen schriftstellerischen Texte. Doch auch wenn jede Kolumne elegant und leicht verpackt daher kommt, ihr Inhalt wiegt schwerer als es auf den ersten Blick scheint. Sie wirken langsam, nach und nach. Grund dafür ist der jeweilige Aphorismus eines großen Philosophen, in denen die Beobachtungen und Betrachtungen der Münchner Philosophin stets gipfeln. bewusster leben traf die quirlige Lebenskünstlerin und philosophische Beraterin standesgemäß im Literaturhaus Oskar Maria in München und führte mit der klugen Schönen ein spannendes und nachhaltig bewegendes Gespräch über Narzissmus und Selbstverliebtheit und wie man dennoch auch heute Ethik entwickeln kann.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, philosophische Kolumnen zu schreiben?

Rebekka Reinhard Ich finde es interessant, im Alltag Beobachtungen anzustellen und die kleinen psychologischen Dynamiken darin zu erkennen und darüber zu schreiben. Neben der Arbeit in meiner eigenen Praxis bin ich auch noch im klinischen Bereich tätig, wo ich regelmäßig mit Depressions- und Krebspatienten spreche – das schärft natürlich die Wahrnehmung. Den Lesern meiner Texte möchte ich helfen, eine liebvolle kritische Distanz zur Familie, den Kindern, der Mutter, dem Partner, den Freundinnen – und vor allem auch zu sich selbst herzustellen.

Und warum haben Sie als Textform die Kolumne gewählt? Das ist ja nicht unbedingt eine adäquate philosophische Form.

Rebekka Reinhard: Ich bin eine Freundin der kurzen angelsächsischen Form, die tiefschürfendes Gedankengut und Unterhaltung kombiniert. Bei uns in Deutschland hingegen wird Literatur oder Wissenschaft entweder als high oder low bewertet. Doch das ist Unsinn. Eines meiner weiteren literarischen Vorbilder ist der französische Schriftsteller La Rochefoucauld, der in Frankreich für seine kleinen aphoristischen Texte bekannt ist und die feine Gesellschaft des 17ten Jahrhunderts karikiert hat.

Und Sie karikieren die moderne Überfrau unserer Gesellschaft? Ist sie denn so lächerlich?

Rebekka Reinhard: Durchaus nicht. Sie ist nur allzu menschlich! Fast jede Frau, die heute mitten im Leben steht, die den Erwartungen ihres Umfelds und ihren eigenen Ansprüchen zu gleichen Teilen gerecht zu werden versucht, stellt ja irgendwie eine solche Überfrau dar. Problematisch wird es dann, wenn das ‚Überfrau-Syndrom‘ ein Zuviel an Eitelkeit und Selbstverliebtheit mit sich bringt – typische Erscheinungen und Folgen der metaphysischen Obdachlosigkeit unserer Zeit.

Was verstehen Sie denn unter metaphysischer Obdachlosigkeit?

Rebekka Reinhard:  An Gott glauben wir nicht mehr, also suchen wir den Sinn in der Vergötterung unseres Selbst. Diese Form der Ego-Zentrierung ist aber leider ein sicherer Weg, um völlig beziehungslos zu werden.

Was würden Sie einem spirituell orientierungslosen selbstverliebten Menschen raten?

Rebekka Reinhard: „Lebe mutig und neugierig“, ist eine meiner Botschaften. Auch ist es erstrebenswert, nicht den Konventionen zu folgen, sondern vom Urteil anderer wegzukommen und Souveränität anzustreben, ohne seine Mitmenschlichkeit zu verlieren. Dafür ist es wichtig, einen Ethos zu entwickeln, eine gleichmäßige innere Haltung, die von äußeren Umständen relativ unabhängig ist. Für die alten Griechen war ein solcher Ethos der sicherste Weg zu einem erfüllten, sinnvollen Leben. Mich fasziniert auch die griechische Idee, das ganze Leben als Kunstwerk zu sehen, das man selbst gestaltet.

Was ist für Sie ein gelungenes Leben?

Rebekka Reinhard: Ein Leben, das Liebe gibt, weil man Liebe schenkt! Und wenn es einem gelingt, das Leben ein wenig weiser zu verlassen, als man es betreten hat…

Das weibliche Herz tickt anders. Bei schwerer emotionaler Belastung kann es sich verformen.

Wenn Frauenherzen brechen

Herzerkrankungen werden bei Frauen oft nicht erkannt. Denn das weibliche Herz stellt die Medizin vor viele Rätsel. Es tickt und leidet anders als das Männerherz – und kann bei seelischem Schmerz tatsächlich brechen.

Viele Frauen meinen auch heute noch, dass Herzinfarkt reine Männersache sei. Ein Irrglaube. Wie die aktuellen Zahlen der deutschen Herzstiftung belegen, sterben Frauen inzwischen sogar häufiger an Herzerkrankungen als Männer. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Frauen haben bedauerlicherweise die schlechten, sprich gesundheitsschädigenden Gewohnheiten der Männer übernommen. Sie rauchen, ernähren sich ungesund, und bewegen sich viel zu wenig. Die Folge sind Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte, die in der Folge zu Kalkablagerungen und somit zu einer Verengung der Herzkranzgefäße führen. Aufgrund der chronischen Doppelbelastung in Beruf und Familie sind sie häufig besonders gestresst; diese psychosozialen Faktoren treiben wiederum den Blutdruck in die Höhe und führen zu einem ungesunden Lebensstil. All diese Risikofaktoren wirken sich auf das Frauenherz weitaus fataler als bei Männern aus. Vor allem Nikotin ist pures Gift für das weibliche Herz. Wenn Raucherinnen auch noch die Antibabypille nehmen, erleiden sie immer öfter schon im mittleren Alter zwischen 40 und 50 Jahren einen Infarkt, obwohl sie eigentlich bis zu den Wechseljahren durch das Hormon „Östrogen“ gut vor einer Verengung der Herzkranzgefäße, sprich vor einer koronaren Herzkrankheit (KHK) geschützt sind. Nach den Wechseljahren nimmt das Herzinfarktrisiko bei Frauen rasant zu. Deshalb ist es wichtig, dass Frauen ab Mitte Fünfzig auf ihren Blutdruck achten, weil dieser nach der Menopause sehr schnell ansteigen kann.

Frauen spielen Beschwerden herunter

Obwohl in den letzten 30 Jahren die Zahl der Frauen, die an einem Herzleiden erkranken, angestiegen ist, wiegen sich die meisten Frauen in trügerischer Sicherheit. Tatsächlich scheinen die meisten schlichtweg nicht damit zu rechnen. Weitaus mehr fürchten sie sich davor, Krebs, insbesondere Brustkrebs zu bekommen. Dabei sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht aber Krebs bei deutschen Frauen die führende Todesursache ….

Das gebrochene Herz gibt es wirklich, aber fast nur bei Frauen

Großer seelischer Stress und Kummer können den Frauenherzen stärker zusetzen als Männern. Japanische Mediziner beobachteten schon vor rund zwanzig Jahren ein Leiden, das vorwiegend bei Frauen im Alter von 65 bis 75 Jahren auftritt. In der westlichen Medizin ist es als „Broken-Heart-Syndrom“ bekannt. Die Symptome ähneln einem Herzinfarkt und treten meist nach sehr einschneidenden emotionalen Belastungen auf, etwa nach einer Trennung, Kontaktabbruch oder dem Tod eines geliebten Menschen. Auch die Mitteilung, selber an einer schweren unheilbaren Erkrankung zu leiden, kann Symptome hervorrufen, die einem Scheininfarkt gleichen, aber nicht weniger dramatisch wie ein echter verläuft. Nach dem Schock werden Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt und lösen eine Herzmuskelversteifung aus. Der gelähmte Muskel pumpt kaum noch und bläht sich an der Spitze wie ein Ballon auf. Das Herz verformt sich regelrecht. Die gute Nachricht: Im Unterschied zum Herzinfarkt funktioniert die Herzdurchblutung, so dass in den meisten Fällen die Erkrankung nicht tödlich ist. Sie muss aber sofort intensivmedizinisch behandelt werden. „Derzeit gibt es keine klassischen Diagnostikkriterien, die das sogenannte „Broken Heart Syndrom“ klinisch beweisen“, erklärt der Internist Radjai. An der Medizinischen Hochschule Hannover arbeitet man jedoch an der Erstellung eines Bioparameters. Sofern es den Wissenschaftlern gelingt in ihren Versuchsreihen, den Biomarker „Mikro RNA“ nachzuweisen, muss als nächstes überprüft werden, wie valide und sensitiv dieser Marker ist. „Und das kann noch dauern, so Radjai.

Wie Frauen Ihr Herz schützen können

Mit einem gesunden Lebensstil kann man viel für seine Herzgesundheit tun. Optimal ist es, drei Mal in der Woche 30 Minuten Ausdauersport zu treiben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt sogar fünf Mal wöchentlich ein Herz-Kreislauftraining von jeweils einer halben Stunde. Puls und Atmung dürfen dabei soweit beschleunigt sein, dass man noch gerade sprechen kann. Sinnvoll ist es auch, den Salzkonsum zu reduzieren und nicht mehr als fünf Gramm täglich zu sich zu nehmen. Es empfiehlt sich, sein Geld frühzeitig in hochwertige frische Lebensmittel zu investieren anstatt in teure Nahrungsergänzungsmittel, so Radjai. Ein isoliert eingenommenes Vitamin oder Mineral kann niemals im Organismus dieselben komplexen Reaktionen im Körper auslösen wie der in einer frischen Paprika oder einem Apfel enthaltene Nährstoff-Cocktail. Zusätzlich kann man einer Arteriosklerose und hohen Cholesterinwerten mit dem Verzehr von Seefisch vorbeugen. Radjai empfiehlt zwei Mal wöchentlich Seefisch zu essen, da sich der Verzehr positiv auf den Fettstoffwechsel und somit auf die Blutfettwerte auswirkt. Auch kaltgepresstes Pflanzenöl, allen voran Olivenöl, wie überhaupt eine traditionell mediterrane Kost, wirken sich nachweislich positiv aufs Herz aus.

Kaliummangel kann Ursache von Herzrhythmusstörung sein

Sofern Frauen an einer Herzerkrankung leiden, rät die Deutsche Herzstiftung Betroffenen regelmäßig ihren Kalium- und Magnesiumspiegel kontrollieren zu lassen. „Denn zu niedrige Werte im Blut können Herzrhythmusstörungen auslösen, die den Herzmuskel je nach Vorerkrankung teilweise deutlich schwächen“, heißt es in einer Pressemitteilung der deutschen Herzstiftung. Allerdings rät der Verein auch davon ab, präventiv regelmäßig Kalium und Magnesium einzunehmen, wenn kein Mangel nachgewiesen wurde. Grundsätzlich sollten Kalium- und Magnesiumpräparate nur zum Einsatz kommen, wenn die Blutwerte auch tatsächlich Anlass dafür geben. Man kann also nicht mit der Einnahme von Kalium einer Herzerkrankung einfach vorbeugen. „Zu viel Kalium kann sogar schädlich sein“, so Radjai „deren Einnahme kann bei vorgeschädigten Nieren sogar zu Herzrhythmusstörungen führen“.

Deutsche Herzstiftung e.V. www.herzstiftung.de

Worauf Frauen für einen besseren Schutz vor Herzinfarkt besonders achten sollten, erläutert der neue Experten-Ratgeber der Deutschen Herzstiftung „Herz in Gefahr“. Sie können ihn unter www.herzstiftung.de/KHK-sonderband.html oder telefonisch unter 069 955128-400 anfordern.

 

Enders im Labor

Darm ohne Scham

Fast jeder vierte Deutsche leidet regelmäßig an Verdauungs- und Darmproblemen. Sanieren, reinigen oder die Darmflora aufbauen, raten viele. Doch was tut dem endlos langen Rohr wirklich gut?

Über den Darm, seine seltsamen Bekundungen und sonderbaren Ausscheidungen zu reden, ist den meisten Menschen einfach nur peinlich. Doch der Verdauungstrakt scheint viele Menschen insgeheim zu faszinieren. 700.000 Mal wanderte die Buchneuheit „Darm mit Charme“ über den Ladentisch. Für Giulia Enders, die junge Autorin des erfolgreichen Frühjahrstitels, ist der Darm ein völliges Ausnahme-Organ.

Geradezu mitreißend berichtet die 24-jährige von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in einer Sprache, die Medizin endlich mal greifbar macht. Unser „Verdauungsrohr“, wie sie den Darm salopp bezeichnet, bilde zum Beispiel nicht nur zwei Drittel des Immunsystems, sondern produziere auch mehr als 20 Hormone. Bis heute ist der Darm ein weitgehend unerforschtes Terrain und werde von der Forschung geradezu stiefmütterlich behandelt, beklagt Enders.

 

 

Der Darm gibt den Menschen bis heute Rätsel auf

Das ist in der Tat schwer zu verstehen, entscheidet doch kaum eine Organfunktion so spürbar über unser alltägliches

Wohlbefinden wie der Darm, sprich unsere Verdauung. Und um die ist es des Öfteren nicht gut bestellt. Jeder vierte Deutsche leidet regelmäßig

unter Verdauungsbeschwerden. „Häufig kann man keine organische Ursache finden, 20 bis 30 Prozent meiner Patienten, die wegen Darmbeschwerden kommen, haben nur funktionelle Beschwerden“, erklärt der Gastroenterologe Professor Dr. med. Roman Huber, Leiter des Unizentrums für Naturheilkunde der Universität Freiburg. In all diesen ungeklärten Fällen spricht die Medizin von Reizdarm-Syndrom, Colon irritable genannt.

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