Neueste Artikel

Chronische Schmerzen überwinden

Beim chronischen Schmerzsyndrom ist es für Patienten schwer, ärztlichen Rat zu finden. Dr. Dominik Irnich blickt bei der Behandlung dieser komplexen Krankheit auf den ganzen Menschen.

Zwei bis drei Millionen Menschen leiden hierzulande am chronischen Schmerzsyndrom, einer eigenständigen Erkrankung, die sich vom ursprünglichen Schmerzereignis abgekoppelt und verselbstständigt hat. Für das Gesundheitsmagazin natürlich gesund und munter sprach die Gesundheits-Journalistin Inge Behrens mit dem erfahrenen Schmerztherapeuten, der sich für ein humanistisches und ganzheitliches Verständnis chronischer Schmerzen einsetzt.

Wann sprechen Sie und Ihre Kollegen von einem chronischen Schmerzsyndrom?

Dr. Irnich: Wenn der Schmerz auf körperlicher Ebene nicht beseitigt werden kann und zu massiven Einschränkungen führt, sodass er Eingang in Beruf, Freizeit und Beziehungen gehalten hat; wenn also die Schmerzen überhand gegenüber dem täglichen Leben nehmen. Menschen, die ihre Schmerzen ohne Alltagseinschränkung im Griff haben, etwa Rheumatiker,
zählen nicht zu den chronischen Schmerzpatienten.

Viele Patienten mit chronischen Schmerzen finden keine adäquate ärztliche Unterstützung. Woran liegt das?                                                                                                                                             

Dr. Irnich: Viele Ärzte betrachten Schmerz monokausal als ein rein biologisches Problem, das man auch nur biologisch behandeln kann. Es erfordert jedoch ein komplexes Denken und Verständnis, das wiederum viel Zeit und Arbeit beansprucht. Und dafür sind die gesundheits- und sozioökonomischen Rahmenbedingungen nicht gegeben.

In Ihrem Buch „Den Rücken heilen“ (Irisiana Verlag) berichten Sie von einem Schmerz-patienten, der erfolglos zahlreiche Ärzte konsultierte und sich fünf Kernspintomografien und einer OP unterzog. Was hätten die Ärzte tun müssen, um der Chronifizierung des Schmerzes vorzubeugen?                                                                          

Dr. Irnich: Bei akuten Schmerzen muss der Arzt gemäß der nationalen Versorgungsleitlinie klären, ob es eine eindeutige körperliche Ursache gibt, die beseitigt werden kann. Er muss ausschließen, ob ein Wirbelbruch, Rückenmarkmetastasen oder etwa ein echter Bandscheibenvorfall mit Lähmung vorliegt. Um das festzustellen, ist eine Befragung und körperliche Untersuchung meist völlig ausreichend. Dazu gehört auch, sich als Arzt ein umfassendes Bild über die psychosoziale Belastungssituation zu machen. Ein Patient mit akuten Schmerzen, der Angst um seinen Arbeitsplatz hat, eine starke Wut in sich trägt oder erschöpft ist, kann leichter an einem chronischen Schmerzsyndrom erkranken. In dem von Ihnen genannten Fall hat sich kein Arzt Zeit für den Menschen genommen, stattdessen wurde radiologische Diagnostik betrieben. Die braucht man jedoch nur, wenn man einen konkreten
Verdacht hat. In 95 Prozent der Fälle sind Rückenschmerzen aber unspezifisch und können nicht auf eindeutige Ursachen zurückgeführt werden. Das heißt, es sind Funktionen gestört, was auch sehr weh tun kann. Aber die Gerätemedizin hilft da bei der Diagnostik nicht.

Welche Bedeutung bei der Chronifizierung von Schmerzen haben Emotionen und seelische Probleme?

Dr. Irnich: Seelische Probleme spielen eine Rolle. Doch ist es wichtig zu verstehen, dass chronischer Schmerz nicht rein psychisch ist. Selbst ein heftiger Seelenschmerz kann zu Funktionsstörungen des Körpers führen und irgendwann sogar seine Struktur verändern. Am Schluss setzt sich der Schmerz immer dorthin, wo der geringste Widerstand ist. Daher kann sich ein chronisches Schmerzsyndrom auch überall im Körper entwickeln. Eine meiner Patientinnen beispielsweise leidet an einem chronischen Gesichtsschmerz. Angefangen hat das, als sie vor zehn Jahren eiskaltes Wasser getrunken hat, was kurz stärkste Zahnschmerzen verursacht hat. Als emotionale Belastungen und Verspannungen hinzukamen, hat sich der Körper beim Zähnepressen an diesen Schmerz erinnert und sich so einen Weg gebahnt, hin zum chronischen
Schmerz. Hat sich der Schmerz einmal den schnellen Zugang ins Gehirn und damit ins Bewusstsein gebahnt, werden über diesen Schmerzweg eben auch persönliche Konflikte,
Emotionen, Belastungen und Überlastungen ausgedrückt.

Gibt es bestimmte Risikofaktoren, die eine Chronifizierung von Schmerzen begünstigen?

Dr. Irnich:Einstellungen und Emotionen wie rigides Durchhalten oder Katastrophisieren und belastende oder unverarbeitete Gefühle wie Ärger, Zorn, Groll können die Muskelspannung erhöhen und das Nervensystem sensibilisieren, was Schmerzen verstärkt. Doch erst das individuelle Zusammenspiel somatischer und psychosozialer Faktoren im biografischen Kontext führt zu einer chronischen Schmerzerkrankung. Innerhalb des Multimodalen Schmerzprogramms arbeiten verschiedene Berufsgruppen fachübergreifend zusammen.

Ist es wichtig zu wissen, welches akute Schmerzereignis dem Schmerzsyndrom vorausging?

Dr. Irnich: Für den Therapieverlauf ist es nicht mehr relevant, ob ein Patient an Ganzkörperschmerzen, Rücken- oder Hüftschmerzen leidet. In der multimodalen Schmerztherapie geht es darum, Lösungen zu finden. So können die Patienten die Selbstregulation und das körpereigene Schmerzhemmsystem trainieren und Strategien entwickeln, um den Schmerz zu überwinden. Dazu werden sie vier Wochen lang
naturheilkundlich, mit Akupunktur, physiotherapeutisch, psychosomatisch, aber auch konventionell, also medikamentös behandelt. Wichtig ist dabei, dass die Patienten motiviert
sind und dass alle Ärzte und Therapeuten gemeinsam an

Füße in Not

Die Füße verdienen bei Menschen mit Diabetes besonderes Augenmerk. Bei Komplikationen zählt eine gute und schnelle Versorgung. Worauf es ankommt, hat unsere Autorin Inge Behrens beim Besuch einer Fußambulanz erfahren.

„Ab dem Moment, in dem der Verdacht auf eine Wunde besteht, gehört der Patient unbedingt in eine spezialisierte Wund- und Fußambulanz. Der Besuch beim Podologen genügt dann nicht mehr“, betont Nils Burow, Wund-Assistent im Diabetes Zentrum Hamburg West. Es verfügt neben zwei Fachärzten für Inneres und Diabetologie auch über eine solche Ambulanz. Denn Menschen mit Diabetischem Fußsyndrom laufen im wahrsten Sinn des Wortes ständig Gefahr, dass sich selbst allerkleinste Verletzungen infizieren. Jeder Tag, den man dann verliert, kann die Behandlungszeit um Wochen, ja Monate verlängern. Von den rund 3000 Patienten, die jährlich die Facheinrichtung in Hamburg konsultieren, werden 350 Patienten von den beiden Wund-Assistenten Nils Burow und Selina Stein fachkundig behandelt. Sie sorgen nicht nur für eine optimale und schnelle Versorgung von chronischen Wunden,  sondern sind auch bei akuten Wunden wie Druckstellen, offenen Blasen und anderen kleinsten Verletzungen die erste Anlaufstelle.

Optimale Wundversorgung
Die Wundspezialisten schaffen optimale Bedingungen, damit sich das offene Hautareal möglichst schnell schließt. „Fußwunden sind dank moderner Wundauflagen wie beispielsweise Schaum-verbänden heute sehr gut behandelbar. Dieses Material nimmt überschüssige Feuchtigkeit auf, trocknet die Wunde aber nicht aus“, erklärt der gelernte Krankenpfleger Burow. Wöchentlich gehen 30 bis 60 Fußpatienten durch seine versierten Hände. Routiniert prüft er mit Stimmgabel und Monofilament Empfindungsvermögen und Durchblutung. Das Ergebnis liefert einen Hinweis darauf, wie gut eine Wunde heilen kann. Bei schlechter Durch-blutung ist der medizinische Rat des Diabetologen Dr. Dominik Dahl gefordert. „Um die Durchblutung zu verbessern, arbeiten wir außerdem eng mit Gefäßspezialisten zusammen,“ erklärt der Mediziner. Auch wenn sich eine Wunde infiziert, wird Dahl hinzugezogen, denn nur er kann und darf als Mediziner Antibiotika verordnen. Patienten, die als Spätfolge des Diabetes Sensibilitätsstörungen oder gar Taubheitsgefühle in den Füßen entwickeln, bemerken häufig Verletzungen gar nicht oder viel zu spät. Denn ihr Schmerzempfinden ist stark eingeschränkt. „Da der Fuß nicht mehr mit dem Gehirn spricht, wird er quasi zum Anhängsel und oftmals nicht mehr ausreichend geschont“, berichtet Burow aus der Praxis. „Es passiert daher leider in jeder Woche, dass bei zwei oder drei Patienten die Wunde so tief ist, dass der Knochen bereits freiliegt“. In so einem Fall steigt das Risiko, dass sich der Knochen mit Bakterien infiziert. Im Extremfall droht eine Amputation. Wundspezialist Burow und Diabetologe Dahl entscheiden dann gemeinsam, ob Gefahr droht und sie den Patienten direkt ins Krankenhaus überweisen.

Jeder Tag zählt
Patient Ralf Stamm kam zwei Tage zu spät in die Hamburger Wundambulanz. Er hatte zwar bemerkt, dass sein linker Fuß stark geschwollen und gerötet war, jedoch die winzige Wunde an der Fußsohle weder gespürt noch gesehen. Er meinte, an einer Wundrose erkrankt zu sein, und verordnete sich selbst ein Medikament. „Am nächsten Tag war nicht nur mein Fuß dick, sondern die Rötung bis zum Knie weitergegangen. Alles war vereitert“, erinnert sich der 54-Jährige. Da der Knochen bereits entzündet war, zögerten Dahl und Burow keinen Moment und überwiesen ihn ins Krankenhaus. Der gelernte Schreiner hatte Glück im Unglück, denn das tote Gewebe konnte entfernt und sein Fuß gerettet werden. Seit drei Monaten kommt er nun zwei Mal wöchentlich in den wohnlich wirkenden Behandlungsraum. Mit viel Feingefühl säubert Burow jedes Mal die Wunde an der Fußsohle und freut sich gemeinsam mit seinem Patienten über Heilungsfortschritte. Stamm achtet jetzt mehr auf seine Füße. Alle vier Wochen geht er zum Podologen. Denn diese medizinisch ausgebildeten Fußexperten sorgen für eine verletzungsfreie Haut- und Nagelpflege. Burow hat noch einen wichtigen Rat: „Je weniger ein Diabetiker seine Füße spürt, desto wichtiger ist passendes Schuhwerk. „Denn zu enge Schuhe verursachen aufgrund des lang anhaltenden Drucks schnell Blasen und andere Läsionen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sieht am besten täglich mit einem Handspiegel nach kleinen Verletzungen“, so der Wundassistent. Noch besser sei es, wenn ein Verwandter oder Partner
die Füße täglich inspiziert.

Gut zu wissen:
Bei Sensibilitätsstörungen der Füße empfiehlt sich alle vier Wochen ein Besuch beim Podologen. Jeder Patient mit Polyneuropathie, arterieller Verschlusskrankheit und Diabetischem Fußsyndrom hat Anspruch auf eine podologische Komplexbehandlung. Treten Wunden auf, heißt es, sofort den Hausarzt oder Diabetologen aufzusuchen.

 

 

 

Die Lust an freier Bewegung

 

Möchten Sie aus Ihrem alten Leben auch ab und zu ausbrechen und mal etwas ganz Anderes machen und Neues erleben? Der Kurs „Movement unknown“ bietet genau das. Man lernt dabei, sich zu guter Musik, wieder frei zu bewegen. Eine spannende Selbsterfahrung, die zufrieden macht und Selbstvertrauen schenkt.

Ein merkwürdiger Tanz ist das! Die Bewegungen, die die fünf Frauen zu rhythmischer Musik machen, sehen irgendwie skurril aus. Weder gibt es eine Schrittfolge noch sind ihre Bewegungen synchron. Jede Frau scheint ihren eigen inneren Impulsen zu folgen. Die Bewegungen wirken exzentrisch, ausdrucksstark, manche Gesten sind poetisch andere martialisch. Vielleicht handelt es sich ja um eine Art Tanztheater, denke ich. Eine Frau im türkisfarbenen Outfit schleicht sich wie ein Panther auf leisen Sohlen heran. Die Schultern leicht nach vorn gebeugt, die Finger gespreizt, scheint sie bereit zum Sprung zu sein. Auch wenn nicht alle Bewegungen ästhetisch sind, eines ist klar: diese nicht alltäglichen Bewegungen erfordern Koordinationsvermögen, Konzentration und Selbstgefühl. Das, was die fünf Frauen dort oben auf dem Tanzboden zeigen und betreiben, ist ein Training nach der Grinberg-Methode. „Movement unknown“ oder „Stopping Movement“ heißen die Kurse, zu Deutsch „Unbekannte oder gestoppte Bewegungen“. Angebote gibt es bislang in Berlin, Hamburg, Köln und Essen.

Das Hamburger Stadtfest Altonale ist für Trainerin Christine Gundlach eine gute Gelegenheit, einigen Menschen dieses sehr spezielle Körpertraining nahe zu bringen. Am Ende der Aufführung fordert die 41-Jährige die Zuschauer zum Mitmachen auf. Doch viele zögern und wissen nicht, was sie tun sollen. Offenbar ist es ist gar nicht so einfach, sich anders als wie gewohnt zu bewegen.

Raus aus dem alten Storyboard

Der Israeli Avi Grinberg, der Erfinder des Körpertrainings „Movement unknown“ hatte sich früh für den menschlichen Bewegungsapparat interessiert. Seit seinem 16ten Lebensjahr hatte er sich intensiv mit Zen-Meditation, östlicher Kampfkunst und den verschiedensten Massagetechniken beschäftigt. Nachdem er als Sanitäter in der israelischen Armee tätig war, arbeitete er als Heiler weiter. Offenbar hatte er ein intuitives Gespür, wie man Schmerzen und Beschwerden lindern konnte. Doch er machte immer dieselbe frustrierende Erfahrung: Nur wenige Monate nach der Behandlung kehrten seine Klienten zu ihm zurück. Meist hatten sich deren Beschwerden und Symptome sogar verschlimmert. Seiner Ansicht nach, konnte es dafür nur einen Grund geben: Sie hatten sich einfach wieder genauso stereotyp wie zuvor bewegt und verhalten: bei Stress immer auf die gleiche ermüdende Art und Weise reagiert, wie fixiert am Schreibtisch gesessen und in derselben eigentlich unentspannten Position geschlafen. „Der Körper hängt wie in einem alten Storyboard drin und kann da nicht raus“, erklärt Trainerin Christine Gundlach. Aufgrund der sich wiederholenden Bewegungs- und Verhaltensmuster kommt es deshalb auch immer wieder zu einem Ungleichgewicht im Körper, das auch chronische Schmerzen verursachen kann. Avi Grinberg wurde klar, dass sich der Gesundheitszustand seiner Klienten nur dauerhaft bessern konnte, wenn sie ihre Bewegungsgewohnheiten veränderten und durchbrachen. (….)

Achtsam bewegen

Rückenprobleme, Gelenkschmerzen und Verspannungen können einem den Spaß an der Bewegung ganz schön verderben. Die Alexander-Technik zeigt, wie man sich optimal bewegt.

„Selbstkorrektur ist wenig zielführend, denn der Betreffende weiß ja gar nicht, wie und mit welchen Mitteln er das machen soll“; erklärt A.-C. Hansen, die sich selbst federleicht durch die Welt zu bewegen scheint. Die Gefahr, dass sich dabei die Fehler sogar verfestigen und sich weitere Fehler einschleichen, ist deshalb groß. Man komme dann ins „doing“, erklärt die quirlige Hansen, aber ihrem Lehrer Alexander, dem Erfinder der gleichnamigen Methode sei es hingegen gerade ums „Non doing“ gegangen. Nichtstun ist jedoch viel schwieriger als man glaubt. Vor allem bei Stress oder bei Prüfungsangst und anderen emotional und psychisch belastenden Situationen reagieren unsere Nerven und damit unsere Muskeln und unser Körper wie ein Automat, reflexartig. Leicht und schnell kann es dabei geschehen, dass dabei unwillkürlich auch falsche Muskeln angespannt werden. Geschieht dies öfter, können dadurch das innere Balancesystem und somit die natürlichen Bewegungsabläufe nachhaltig gestört werden. Die Haltung verändert sich und die Koordination des Körpers läuft nicht mehr reibungslos ab. Ob nun Tennisarm, Nackenverspannungen oder der immer häufiger diagnostizierte Beckenschiefstand, so gesehen sind viele dieser Beschwerden Folge falscher Bewegungsgewohnheiten.

„Das Richtige geschieht von ganz allein, wenn man mit dem Falschen aufhört“

Dagegen kann man weder mit starren Trainings-Programmen noch mit Yoga- oder Pilates-Übungen etwas ausrichten. Frederick Matthias Alexander (1869 – 1955), Erfinder der gleichnamigen Technik, war überzeugt, dass eine Veränderung die bewusste Wahrnehmung unseres Fühlens und Denkens voraussetzt. Wie das funktioniert, zeigt mir Alexander-Lehrerin Hansen. Während ich auf dem Stuhl sitze, fordert sie mich auf, die Hand meines linken herabhängenden Arms zu einer Faust zu ballen. Automatisch folge ich ihrer Direktive. Nach nur wenigen Sekunden darf ich sie wieder öffnen und soll den Auswirkungen der Anspannung nachspüren. Tatsächlich kann ich sogar bis in den Nacken hinauf die Nachwehen der kurzen Verkrampfung fühlen. Es scheint ewig zu dauern, bis die Muskulatur wieder einigermaßen locker ist. Ich begreife, dass es offensichtlich viel schwerer ist, los zu lassen als reflexartig irgendwelche Muskeln anzuspannen. Wem es gelingt, bei bestimmten Signalen nicht immer automatisch zu reagieren, hat schon einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. „Innehalten“ heißt deshalb eines der Zauberworte Alexanders. Und das sollte man immer dann tun, wenn man merkt, dass bestimmte Gewohnheiten und Muster dazwischen funken. Laut Alexander geschieht das Richtige von ganz allein, wenn man mit dem Falschen aufhört.(…)

 

 

 

Zarte Stiche mit großer Wirkung

Längst ist die Akupunktur als wirksame Therapie bei Schmerz-Erkrankungen anerkannt. Doch mit gezielten Nadelstichen rücken Ärzte noch vielen weiteren Beschwerden zu Leibe.

Ablenkung kann helfen. „Bitte kurz einmal husten“, fordert Dr. med. Yimin Li ihre Patientin Anne auf, bevor sie zielsicher eine lange hauchdünne Nadel auf einen Akupunkturpunkt platziert. „Merken Sie etwas?“, fragt sie,  während sie die Nadel dreht. „Ja, ein leichtes Brennen“, bestätigt Anne. Dr. Li nickt zufrieden. Auf deren Feedback ist sie angewiesen. Erst an den jeweiligen Reaktionen ihrer Patientin kann die Ärztin erkennen, ob die Lebensenergie, im Chinesischen Qi genannt, am Akupunkturpunkt ankommt. „Manche spüren auch ein Kribbeln oder einen leichten Schlag“, erklärt Dr. Li, die nach ihrem Medizinstudium an der chinesischen Hannan Universität noch eine einjährige Fortbildung in Chinesischer Medizin absolvierte.

Ihre Patientin Anne leidet an einer funktionellen Bewegungsstörung aufgrund chronischer Muskelverspannungen. Physiotherapeuten und Osteopathen konnten ihr bislang kaum helfen. Von der Akupunktur erhofft sie sich nun echte Besserung. Ursache sei ein Stau im Leber- und Gallenmeridian, wiederum Folge einer Yin Schwäche, so das Ergebnis Dr. Lis  Zungen- und Pulsdiagnose. Innerhalb weniger Minuten hat die Ärztin neun Nadeln eingebracht, viele davon auf dem Gallenmeridian, denn über diese Leitbahn kann man besonders gut auf Störungen des Bewegungsapparates einwirken. 20 bis 30 Minuten lang werden die Nadeln die Akupunktur-punkte nun stimulieren. Die Patientin ist voll entspannt. Sind die Nadeln erst einmal gesetzt, spürt diese nur noch deren Reizimpulse.

Die Lehre der Chinesischen Medizin und ihre Diagnostik

Die Akupunktur ist neben der Chinesischen Kräuterheilkunde, der Tuina Massage und der Bewegungslehre Qi Gong eine wichtige Behandlungsmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz TCM genannt. Diese mehr als 2000 Jahre alte Erfahrungsmedizin geht davon aus, dass die beiden Kräfte Yin und Yang im menschlichen Körper im Gleichgewicht bleiben müssen, damit der Mensch gesund bleibt. Krankheit ist demnach immer eine Folge einer Yin- und Yang-Störung. Um zu erkennen, wo die Störung genau liegt, orientiert sich diese ganzheitliche Lehre an einem System von 14 Leitbahnen im Körper, sogenannten Meridianen, auf denen sich rund 700 Akupunkturpunkte befinden. Rund 400 davon sind für den Akupunkteur mit Nadeln gut erreichbar. „Durch das Setzen der Nadeln entlang dieser Leitbahnen werden bestimmte Punkte auf der Haut und das darunter liegende Gewebe stimuliert. So können das vegetative Nerven-system und damit die Körperregulation positiv beeinflusst werden“, erklärt Dr. med. Sven Schröder, Neurologe und Arzt der Chinesischen Medizin. Ziel des behandelnden Mediziners ist es, dabei die Energie so umzuverteilen, dass sie wieder gleichmäßig fließt. Dafür muss der Therapeut nicht nur genau wissen, wohin er die Nadel setzt, sondern auch wie er sie setzt. „Bei der Nadelung werden viele verschiedene Techniken eingesetzt, sie kann stimulierend oder sedierend, also beruhigend sein“, erläutert Petra Noll, Heilpraktikerin der Chinesischen Medizin. So kann der Akupunkteur beispielsweise durch Drehen der Nadel gegen oder im Uhrzeigersinn den Energiefluss entweder stimulieren oder aber beruhigen. Auch durch das Heben und Senken oder Kratzen am Akupunkturwedel kann er den Akupunkturpunkt unterschiedlich stark stimulieren. Dabei wird die Nadel unterschiedlich tief gesetzt. „Wenn ich beispielsweise den Ischias behandeln will, muss ich längere Nadeln nehmen“, weiß Heil-praktikerin Petra Noll. „An bestimmten Punkten hingegen, beispielsweise am Rücken, darf ich niemals tief nadeln, da ich die Lungen treffen könnte“, so Noll.

Die Akupunktur lindert nachweislich bei Schmerzen

Kaum ein alternatives Verfahren ist hierzulande so anerkannt wie die Akupunktur. Nicht zuletzt, weil seit 2007 die gesetzliche Krankenkasse bei chronischen Knie- und Rückenschmerzen die Kosten für eine Akupunkturbehandlung übernimmt. Das war die Folge der bundesweit durchgeführten GERAC–Studien (German Acupuncture Trials), die weltweit größte Untersuchung zur Wirksamkeit dieses Verfahrens, bei der die Akupunkturtherapie mit der medikamentösen Standardbehandlung verglichen wurde. 500 niedergelassene Ärzte behandelten 3500 Patienten, die an chronischer Migräne oder Spannungskopfschmerz, Kreuzschmerz und Kniegelenksarthrose litten. Das positive Ergebnis der Studie: Bereits zehn bis 15 Akupunktursitzungen reduzierten die Beschwerdesymptomatik bei Migräne ähnlich wirksam wie die medikamentöse Therapie. Bei Knie- und Rückenschmerzen war der Effekt sogar noch stärker. Jedoch konnten die Studienleiter nicht nachweisen, dass das Nadeln an chinesischen Punkten wirksamer war als an falschen Stellen. Zudem warf man den Studienleitern vor, dass die Ergebnisse ungenau seien, da viele Patienten die Einnahme von Medikamenten nach kurzer Zeit bereits verweigert hätten und somit ein ordentlicher Vergleich gar nicht mehr möglich gewesen wäre. Dass Akupunktur durchaus helfen kann, belegte die 2012 veröffentlichte Metastudie vom New Yorker Memorial Sloan-Klettering Cancer Center, für die Wissenschaftler die Daten von 29 klinischen Studien mit rund 18.000 Patienten ausgewertet hatten, die unter chronischen Schmerzen am Rücken, in der Schulter, im Kniegelenk oder unter chronischen Kopfschmerzen litten. „Je nach Art der Schmerzen verringerten sich die Beschwerden bei den Akupunktur-Behandelten um bis zu 23 Prozent gegenüber Patienten, die nur scheinakupunktiert wurden“, so das Ergebnis der Studie. (…)

erschienen in: natürlich gesund und munter, Magazin für ganzheitliche Gesundheit, Naturheilkunde und Bewusstes leben

Frauenherzen schlagen anders

Herzerkrankungen werden bei Frauen oft nicht erkannt. Denn das weibliche Herz stellt die Medizin vor viele Rätsel. Denn es tickt und leidet anders als das Männerherz – auch bei seelischem Schmerz.

Viele Frauen meinen auch heute noch, dass Herzinfarkt reine Männersache sei. Ein Irrglaube. Tatsächlich sterben Frauen inzwischen sogar häufiger an Herzerkrankungen als Männer, wie Zahlen belegen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Frauen haben bedauerlicherweise die schlechten, sprich gesundheitsschädigenden Gewohnheiten der Männer übernommen. Sie rauchen, ernähren sich ungesund, und bewegen sich viel zu wenig. Die Folge sind Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte, die in der Folge zu Kalkablagerungen und somit zu einer Verengung der Herzkranzgefäße führen. Übergewicht und Diabetes tun ihr übriges. Aufgrund der chronischen Doppelbelastung in Beruf und Familie sind sie häufig besonders gestresst; diese psychosozialen Faktoren treiben wiederum den Blutdruck in die Höhe und führen zu einem ungesunden Lebensstil. Das Problem: All diese Risikofaktoren wirken sich auf das Frauenherz noch weitaus fataler aus als bei Männern. Vor allem Nikotin ist pures Gift für das weibliche Herz. Wenn Raucherinnen auch noch die Antibabypille nehmen, erleiden immer öfter schon im mittleren Alter zwischen 40 und 50 Jahren einen Infarkt, obwohl sie eigentlich bis zu den Wechseljahren durch das Hormon Östrogen gut vor einer Verengung der Herzkranzgefäße, sprich vor einer koronaren Herzkrankheit (KHK) geschützt sind. Nach den Wechseljahren nimmt das Herzinfarktrisiko bei Frauen rasant zu. Deshalb ist es wichtig, dass Frauen ab Mitte Fünfzig auf ihren Blutdruck achten, weil dieser bei ihnen nach der Menopause sehr schnell ansteigen kann.

Frauen spielen Beschwerden herunter

Obwohl in den letzten 30 Jahren die Zahl der Frauen, die an einem Herzleiden erkranken, angestiegen ist, wiegen sich die meisten Frauen in trügerischer Sicherheit. Tatsächlich scheinen die meisten schlichtweg nicht damit zu rechnen. Weitaus mehr fürchten sie sich davor, Krebs, insbesondere Brustkrebs zu bekommen. Dabei sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht aber Krebs bei deutschen Frauen die führende Todesursache. Beschwerden, die auf Herzprobleme hinweisen, führen sie regelmäßig auf andere Ursachen zurück. Zudem nehmen sie diese selbst meist nicht besonders ernst. „Frauen suchen zwar in der Regel schneller den Arzt auf, aber zugleich neigen sie dazu, beim Arztbesuch ihre Beschwerden eher herunterzuspielen“, schreibt der Arzt Dr. med. Mohsen Radjai in seinem aktuellen Buch „ Bleiben Sie herzgesund“. Außerdem traurig aber wahr: Aufgrund der diffusen Beschwerden erkennt er aber die Durchblutungsstörung am Herzen nicht. „Zudem finden sich im Herzkatheter regelmäßig keine Verengung und Verkalkung der großen Herzkranzgefäße“, so der Arzt. Denn bei ihnen sind im Gegensatz zum anderen Geschlecht oftmals die kleinen, haarfein verästelten, tief in das Herz hineinreichenden koronaren Gefäße betroffen. „Verengungen sind in diesen Gefäßen mit bildgebenden Verfahren nicht diagnostizierbar. Diese Haargefäße kann man nicht mit einem Katheter, sondern nur medikamentös-symptomatisch behandeln“, erklärt Herzexperte Radjai.

Die Schmerzen sind untypisch und sehr diffus

Auch wenn das Frauenherz aus physiologischer Hinsicht dem Männerherzen gleicht, äußern sich die Symptome einer Erkrankung der Herzkranzgefäße bei Frauen meist ganz anders als bei Männern, weiß der Internist Dr. med. Mohsen Radjai, Experte der Sprechstunde des ARD Morgenmagazins. „Die Symptomatik ist bei Frauen untypischer und viel diffuser“, weiß Radjai. Während sich beim Mann ein Herzinfarkt klassischerweise mit Schmerzen sowie einem Druck- und Engegefühl in der Brust ankündigt, treten bei Frauen hingegen häufig Rücken- oder Nackenschmerzen auf. Auch Beschwerden zwischen den Schulterblättern und im Oberbauch sind keine Seltenheit. Vielfach leiden sie unter Übelkeit und müssen sich erbrechen. Zwar treten auch bei Frauen die typischen Beschwerden im linken Arm oder im Brustbereich auf, sie beachten diese jedoch nicht ausreichend. Vielmehr richten sie ihre Aufmerksamkeit eher auf die untypischen Symptome, sodass bei ihnen und ihren Angehörigen der Verdacht auf Herzinfarkt gar nicht aufkommt.. (…)

 

Vergesslichkeit: Nur etwas schusselig oder schon leicht dement?

Mann ärgert sich über seine mangelnde Merkfähigkeit.

Vergesslichkeit: Ursachen erkennen und behandeln

Jeden lässt mal das Gedächtnis in Stich. Ältere Menschen befürchten meist gleich eine Demenz. Vergesslichkeit kann jedoch viele Ursachen haben. Und die gute Nachricht: man kann Demenzerkrankungen auch vorbeugen.

Wie viel Vergesslichkeit ist eigentlich normal?

„Wo habe ich bloß das Auto geparkt?“ Oder „wo habe ich nur meine Brille hingelegt?“ Solche Gedächtnispannen sind jedem schon passiert. Und wem lag nicht schon mal ein Begriff auf der Zunge, aber das Wort wollte einfach nicht herauskommen. Fast jeder leidet mal unter Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche oder Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Von solchen geistigen Aussetzern lassen sich junge Menschen meist nicht beunruhigen.

Haben Menschen jedoch erst einmal die Lebensmitte überschritten, wird jede Schusseligkeit schnell als ein bedrohliches Anzeichen dafür gewertet, dass es mit dem Gehirn bereits bergab gehe. Viele Ältere sehen dann schon das Damoklesschwert „Demenz“ über ihrem Kopf schweben.

Arthrose natürlich lindern

Glaubt man der Schulmedizin, so sind Gelenkerkrankungen nicht heilbar. Dass es durchaus Grund zur Hoffnung gibt, davon sind hingegen viele Naturheilkundler überzeugt.

Mit der Diagnose „Arthrose“ kann eigentlich mehr oder minder jeder rechnen, der
über Fünfzig ist. Schließlich handelt es sich dabei um eine altersbedingte Abnutzungs-erscheinung, also eine degenerative Erkrankung. Dabei verringert sich nach und nach die Knorpelschicht im Gelenk, bis irgendwann Knochen auf Knochen reibt. Wenn der Knorpel nicht mehr ausreichend als Stoßdämpfer fungieren kann, gleiten die Gelenkflächen spürbar schlechter aufeinander. Bewegungen laufen im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr reibungslos ab. Steifheit und akute aber auch Dauerschmerzen bei Belastung sind die Folge. Auch Schwellungen im angrenzenden Muskelgewebe treten häufig auf.

Später kann es im Gelenkbereich zu Verformungen und knotigen Veränderungen kommen. Und je weiter die Krankheit fortschreitet, desto größer sind meist auch die Schmerzen.

Im Prinzip kann jedes Gelenk durch Abnutzung spröde werden und damit seine Beweglichkeit verlieren. Am häufigsten sind jedoch die Gelenke betroffen, die am stärksten belastet sind, also vor allem Hüft- oder Kniegelenke. Gelenkerkrankungen können ihre Ursache beispielsweise in einer Überbelastung oder mechanischen Fehlstellung, wie dies bei O- oder X-Beinen der Fall ist, haben. Aber auch Verletzungen können dafür verantwortlich sein. So kann sich beispielsweise
nach einer Meniskusoperation der Knorpel im Kniegelenk schneller abnutzen, wenn das Kniegelenk danach deutlich mehr beansprucht wird.

Doch weitaus häufiger spielen andere Faktoren bei der Entstehung einer Arthrose
eine Rolle. So erhöhen Bewegungsmangel, Übergewicht, schlechte Ernährung und Stress, eine angeborene Bindegewebsschwäche und eine genetische Veranlagung die Wahrscheinlichkeit, an Arthrose zu erkranken. Wissenschaftler konnten eine Reihe von Erbfaktoren identifizieren, welche den Stoffwechsel im Knorpelgewebe steuern und es anfällig für eine Arthrose machen.

Wie wirkungsvoll sind Injektionen?
Was kann man aber tun, um die Krankheit aufzuhalten oder gar zu heilen? Eigentlich nichts, meinen die meisten Schulmediziner. Fast alle sind überzeugt, dass eine Arthrose nicht heilbar ist, da man sie nicht rückgängig machen kann. Schmerzen behandelt man mit Kortison und sogenannten „Nichtsteroidale Antirheumatika“. Sie unterdrücken zwar die Produktion von körpereigenen Schmerz- und Entzündungsstoffen, sind aber wegen ihrer Nebenwirkungen recht umstritten. Patienten mit Herz- oder Nierenproblemen dürfen sie nicht einnehmen.

Um die Beweglichkeit zu erhalten und somit eine Versteifung der Gelenke zu verhindern, sind passive Therapien wie Massage, Wärme- oder Kältebehandlung sowie Elektro- und Ergotherapie können helfen. Aber zu oft machen Betroffene die Erfahrung, dass sie um solche Verschreibungen regelrecht kämpfen müssen. Im späteren Verlauf der Erkrankung gibt es dann meist nur eine Lösung: Ein künstliches Gelenk muss implantiert werden. Bis dahin versuchen einige Orthopäden mit Injektionen aus Hyaluron oder Kortikoiden, die Knorpelschicht künstlich aufzufüllen. Mit geringem Erfolg. Spritzen sind auf längere Sicht meist wirkungslos, wie eine Untersuchung zeigt (…)

Tango hilft bei Parkinson


Muskelsteifheit und Bewegungsstörungen sind typische Folgen der Parkinson-Erkrankung. Studien haben ergeben, dass das Tangotanzen die körperlichen Symptome lindert. Und es hat noch viele andere positive Effekte.

Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann“, sagte schon einst der argentinische Komponist Enrique Santos Discépolo. Wie traurig muss es erst sein, wenn Parkinsonkranke Tango tanzen? Ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie jemand, dessen Körper sich mehr und mehr seiner eigenen Kontrolle entzieht, fließende Bewegungen ausführt und über das Parkett dahingleitet. Doch in der Körber-Stiftung in Hamburg-Bergedorf findet ein beinahe normaler Tangokurs statt. Ich bin überrascht, mit welcher natürlichen Begeisterung und Freude die Teilnehmer Tango tanzen. Thomas, der bereits unter den klassischen Symptomen wie Muskelsteifheit und Tremor leidet, führt seine Tanzpartnerin gelassen und sicher über das Parkett. Die Wendungen und Richtungswechsel, die manchen Parkinsonkranken eigentlich so große Probleme bereiten, bewältigt er elegant.

Das Tangotanzen hat einen hohen therapeutischen Wert

Etwas ungewöhnlich ist auch, dass der 90-minütige Kurs mit Aufwärm- und Koordinations-übungen im Sitzen beginnt. Wenn es mit einer Übung zu Anfang nicht so richtig klappt, ist das nicht weiter schlimm. Jeder scheint seine eigenen körperlichen Grenzen und die der anderen zu akzeptieren. Die Atmosphäre unter den acht Kursteilnehmern ist dementsprechend locker, heiter und entspannt. „Jeder versucht, jeden mitzunehmen“, erklärt Kursleiterin und Tangolehrerin Ingrid Saalfeld. Niemals wird beim Tanzen eine überzählige Person ausge-schlossen, notfalls tanzt man den Tango zu dritt.

Das Tangotanzen hat einen hohen therapeutischen Wert. „Das Tangotanzen macht nicht nur Spaß, sondern hat auch einen hohen therapeutischen Wert. Durch das regelmäßige Training konnte bei vielen Parkinson-Erkrankten die Medikamentendosis reduziert werden. Das wurde gerade durch eine amerikanische Studie bestätigt“, weiß Saalfeld. Tatsächlich berichtet der amerikanische Medizinjournalist Jon Palfreman in seinem Buch „Stürme im Gehirn“, dass eine neue Studie gezeigt habe, dass Parkinson-Patienten nach zwölf Monaten Tangotanzen ihr Gleichgewicht besser halten konnten, einen besseren und sicheren Gang aufwiesen und über verbesserte Multitasking-Fähigkeiten verfügten. Thomas, der seit einem Jahr regelmäßig an Saalfelds Kurs „Tango Argentino – für Menschen mit Parkinson“ teilnimmt, kann das nur bestätigen. Zu Beginn des Tanzkurses leide er meist sehr unter seiner Muskelsteifheit – nach….

Vorsicht Schütteltrauma

Nicht schütteln! von Libellefilm auf Vimeo.

Schütteltrauma verstehen und vermeiden

Das Schütteltrauma-Syndrom gehört zu den schwersten misshandlungsbedingten Verletzungen bei Säuglingen und Kleinkindern. Und es weist die höchste Sterberate auf.

Schon drei Mal ist der junge Vater aufgestanden, um sein schreiendes Kind zu beruhigen. ‚Was hat es denn bloß?‘, fragt er sich. Hungrig kann es nicht sein. Die Windel hat er auch gewechselt. Und krank ist es auch nicht. Er möchte endlich seine Ruhe haben und fühlt sich enorm gestört. Von Minute zu Minute nimmt seine innere Anspannung zu, er fühlt sich völlig überfordert. Irgendwann liegen seine Nerven blank.

Er verliert die Beherrschung, packt das Baby am Brustkorb und schüttelt es einige Male voller Wut hin und her. In diesem Moment weiß er noch nicht, was er damit gerade seinem Baby antut. Denn wenige Sekunden Schütteln genügen, um sein Schicksal zu besiegeln. Schütteln endet häufig sogar tödlich.

Bei den Opfern handelt es sich nahezu ausschließlich um Säuglinge. Damit ist das Schütteltrauma die häufigste nicht-natürliche Todesursache im ersten Lebensjahr.

Ein hoher Anteil der Babys, die das Schütteltrauma überleben, erleiden so schwere Hirnschädigungen, dass sie lebenslang schwerbehindert bleiben. Meist sind sie taub, blind oder gelähmt. Das bedeutet, dass sich die betroffenen Kinder niemals mehr wie andere Gleichaltrige entwickeln werden.

Was ist ein Schütteltrauma?

Die wenigsten sind sich den verhängnisvollen Auswirkungen des Schüttelns bewusst. Wer jedoch einen Säugling am Rumpf packt und auch nur wenige Male kräftig hin und her schüttelt, verursacht mit großer Wahrscheinlichkeit ein Schütteltrauma-Syndrom. Denn dabei wird der Kopf in eine heftige unkontrollierte rotierende Bewegung versetzt. Die dabei entstehenden Scher- und Rotationskräfte wirken besonders stark und verheerend, da das Gehirn des Säuglings und die umgebenden Strukturen noch besonders zart und verletzlich sind.

„Außerdem hat ein Säugling aufgrund seiner noch schwachen Nackenmuskulatur kaum Kontrolle über seinen Kopf. Daher fliegt der Kopf eines Säuglings ungebremst hin und her“, erklärt der Neuropathologe und Privatdozent Dr. med. Jakob Matschke vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Erschwerend kommt hinzu, dass der Kopf bei Babys im Vergleich zum Körper noch überproportional groß und schwer ist.

Warum Schütteln so gefährlich ist

„Beides zusammen verstärkt die Kräfte noch, die beim Schütteln auf das Kind einwirken“, erklärt Dr. Matschke weiter. „Außerdem ist bei kleinen Babys die sogenannte Markscheide, die die Nerven schützend umhüllt, noch nicht vollständig ausgebildet. Das Gewebe in ihrem Gehirn ist dadurch viel weicher und verletzbarer als bei Erwachsenen“, so der Neuropathologe.

Durch Scher- und Zugkräfte können Blutgefäße einreißen, was zu Blutungen im Schädelinneren und Netzhautblutungen führt. Auch Nervenfasern können in seltenen Fällen geschädigt werden. Überlebenden Kindern drohen nicht nur lebenslang Seh- und Sprachstörungen, sondern auch motorische Störungen.

„Schütteltrauma gibt es in vielen Ausprägungen“, erklärt Privatdozentin Dr. med. Dragana Seifert, Fachärztin für Rechtsmedizin am UKE. ….

Wenn Sie mehr über das Thema lesen möchten, klicken Sie hier: https://www.schuettelntoetet.de/vorsicht-schuetteltrauma/schuetteltrauma-verstehen-und-vermeiden/

Text: Inge Behrens

Konzept: Loerke Kommunikation GmbH, Hamburg im Auftrag der API Kinder- und Jugendstiftung e.V.