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Arthrose natürlich lindern

Glaubt man der Schulmedizin, so sind Gelenkerkrankungen nicht heilbar. Dass es durchaus Grund zur Hoffnung gibt, davon sind hingegen viele Naturheilkundler überzeugt.

Mit der Diagnose „Arthrose“ kann eigentlich mehr oder minder jeder rechnen, der
über Fünfzig ist. Schließlich handelt es sich dabei um eine altersbedingte Abnutzungs-erscheinung, also eine degenerative Erkrankung. Dabei verringert sich nach und nach die Knorpelschicht im Gelenk, bis irgendwann Knochen auf Knochen reibt. Wenn der Knorpel nicht mehr ausreichend als Stoßdämpfer fungieren kann, gleiten die Gelenkflächen spürbar schlechter aufeinander. Der Bewegungsablauf läuft im wahrsten Sinne nicht mehr reibungslos ab. Steifheit und akute aber auch Dauerschmerzen bei Belastung sind die Folge. Auch Schwellungen im angrenzenden Muskelgewebe treten häufig auf.

Später kann es im Gelenkbereich zu Verformungen und knotigen Veränderungen kommen. Und je weiter die Krankheit fortschreitet, desto größer sind meist auch die Schmerzen.

Im Prinzip kann jedes Gelenk durch Abnutzung spröde werden und damit seine Beweglichkeit verlieren. Am häufigsten sind jedoch die Gelenke betroffen, die am stärksten belastet sind, also vor allem Hüft- oder Kniegelenke. Gelenkerkrankungen können ihre Ursache beispielsweise in einer Überbelastung oder mechanischen Fehlstellung, wie dies bei O- oder X-Beinen der Fall ist, haben. Aber auch Verletzungen können dafür verantwortlich sein. So kann sich beispielsweise
nach einer Meniskusoperation der Knorpel im Kniegelenk schneller abnutzen, wenn das Kniegelenk danach deutlich mehr beansprucht wird.

Doch weitaus häufiger spielen andere Faktoren bei der Entstehung einer Arthrose
eine Rolle. So erhöhen Bewegungsmangel, Übergewicht, schlechte Ernährung und Stress, eine angeborene Bindegewebsschwäche und eine genetische Veranlagung die Wahrscheinlichkeit, an Arthrose zu erkranken. Wissenschaftler konnten eine Reihe von Erbfaktoren identifizieren, welche den Stoffwechsel im Knorpelgewebe steuern und es anfällig für eine Arthrose machen.

Wie wirkungsvoll sind Injektionen?
Was kann man aber tun, um die Krankheit aufzuhalten oder gar zu heilen? Eigentlich nichts, meinen die meisten Schulmediziner. Fast alle sind überzeugt, dass eine Arthrose nicht heilbar ist, da man sie nicht rückgängig machen kann. Schmerzen behandelt man mit Kortison und sogenannten „Nichtsteroidale Antirheumatika“. Sie unterdrücken zwar die Produktion von körpereigenen Schmerz- und Entzündungsstoffen, sind aber wegen ihrer Nebenwirkungen recht umstritten. Patienten mit Herz- oder Nierenproblemen dürfen sie nicht einnehmen.

Um die Beweglichkeit zu erhalten und somit eine Versteifung der Gelenke zu verhindern, sind passive Therapien wie Massage, Wärme- oder Kältebehandlung sowie Elektro- und Ergotherapie können helfen. Aber zu oft machen Betroffene die Erfahrung, dass sie um solche Verschreibungen regelrecht kämpfen müssen. Im späteren Verlauf der Erkrankung gibt es dann meist nur eine Lösung: Ein künstliches Gelenk muss implantiert werden. Bis dahin versuchen einige Orthopäden mit Injektionen aus Hyaluron oder Kortikoiden, die Knorpelschicht künstlich aufzufüllen. Mit geringem Erfolg. Spritzen sind auf längere Sicht meist wirkungslos, wie eine Untersuchung zeigt (…)

Grüne Detoxwoche

Grüne Smoothies sind derzeit in aller Munde. Und das vollkommen zu recht. Die giftgrünen Drinks sind auch zum Entgiften, sprich Ausleiten schlechter Stoffe ideal.

In Kalifornien ist es längst zum beliebtesten Powergetränk der Schönen, Reichen und Körperbewussten avanciert: Grüne Smoothies. Sie lassen die Haut strahlen, die Augen leuchten und sind aufgrund der vielen Vitalstoffe extrem gesund. Auch Detox- und Fasten-Experten entdecken jetzt die Vorteile dieser grünen veganen Mahlzeit. „Ich rate immer dazu während des Fastens ausschließlich Nahrung in flüssiger Form zu sich zu nehmen“, erklärt Ökotrophologin Stephanie Mehring. Die flüssigen Mahlzeiten aus Obst und Gemüse enthalten viele Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, Enzyme, Ballaststoffe, viele Mineralien wie Kalium und Spurenelemente. Die Ballaststoffe putzen den Darm schön sauber und transportieren Schlacken aus dem Bindegewebe ab, die sich in der Regel durch ungesundes und zu viel Essen bilden. Und natürlich gibt es Smoothie-Zutaten, die geradezu zum Detoxen gewachsen sind und unsere Ausscheidungsorgane auf ganz besondere Weise unterstützen. Allen voran ist hier das Chlorophyll zu nennen. Es bindet Giftstoffe und leitet diese aus und entlastet die Leber und Niere und sorgt für eine straffere Haut. Es wird übrigens erst durch die Zubereitung im Hochleistungsmixer aufgeschlossen. (…)

 

 

 

Homöopathie für die Seele

Angst- und Schlafstörungen oder Depressionen: die Homöopathie hilft nicht nur bei körperlichen, sondern auch bei vielen seelischen Beschwerden.

Die Samen der Ignatiusbohne enthalten die bekannte Substanz Strychnin. Jeder weiß, dass sie hochgiftig ist. Doch das darin enthaltene starke Nervengift ist auch ein Heilmittel, das verdünnt und homöopathisch aufbereitet bei Magen- und Darmschmerzen, Krämpfen, Leberbeschwerden und Vergiftungen eine lindernde Wirkung zeigt. Die homöopathische Arznei wirkt aber nicht nur körperlich, sondern ganzheitlich. Ignatia zeigt seine besten Eigenschaften bei seelischen Beschwerden wie nervöser Gereiztheit, Weinerlichkeit und depressiver Verstimmung. „Es ist ein gutes Kummermittel und hilft bei Verlust und Trennungsschmerz“, weiß die auf Homöopathie spezialisierte Heilpraktikerin Jenny Hertz aus praktischer Erfahrung.

Homöopathie – Gleiches mit Gleichem heilen

Über tausend verschiedene homöopathische Arzneien gibt es heute – hergestellt aus Mineralien, Pflanzen, Tieren und Tierprodukten. Jeder dieser Stoffe ruft bei einem gesunden Menschen eine ganz bestimmte Kombination von Symptomen hervor. Und für genau dieses Beschwerdebild eignet sich die Substanz auch als Arzneimittel. Davon war der Arzt Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie überzeugt. Er stellte Ende des 18. Jahrhunderts den medizinischen Grundsatz auf, dass man Gleiches sehr gut mit Gleichem heilen kann. Dabei geht die Heilkunst von folgender These aus: Je stärker der Ausgangsstoff verdünnt und desto öfter er verarbeitet wurde, umso stärker sind dessen Impulse und somit dessen Wirkungen. Deshalb sollen die kleinen weißen Globuli, wirken, obwohl sie praktisch nur aus Milchzucker bestehen. „Das Mittel ist sehr energiereich, da es bei jedem Verarbeitungsschritt energetisch immer mehr geladen wird“, erklärt die Hamburger Heilpraktikerin Jenny Hertz. Vor allem in der Behandlung psychischer Probleme und Beschwerden sieht sie eine große Stärke dieser alternativen Heilkunst. „Im Gegensatz zur Therapie mit Heilpflanzen ist das Einsatzgebiet der Homöopathie besonders bei psychischen Leiden viel breiter“, so Jenny Hertz. Selbst bei Ängsten und Zwängen haben Homöopathen gute Erfahrungen mit den verdünnten hochpotenten Substanzen gemacht. Der indische Psychiater Mahesh Ghandi weist darauf hin, dass das richtige homöopathische Mittel nicht nur bei einfachen psychischen Störungen, sondern sogar bei schweren psychotischen Krisen helfen kann. „Es stärkt das Ich und hilft zwischen den strengen moralischen Forderungen des Über-Ichs und den eigenen Wünschen zu vermitteln“.

Wie finde ich die richtige homöopathische Arznei für mich?

In der klassischen Homöopathie geht man davon aus, dass jeder Patient auf ganz spezifische und einzigartige Weise erkrankt und dieses Leiden auch auf ganz unterschiedliche Weise durchlebt. Die große Aufgabe, die es für den Homöopathen zu meistern gilt, ist die zum jeweiligen Patienten und seinen Beschwerden passende Arznei zu finden. Der homöopathische Behandler muss deshalb einen guten Zugang zur Persönlichkeit des jeweiligen Patienten finden. Daher ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt oder Heilpraktiker in der Anamnese, dem Erstgespräch, viel über die Lebensumstände des Patienten, seine Einstellungen und sein inneres Erleben erfährt. Die Anamnese erinnert  in mancher Hinsicht an ein psychotherapeutisches Gespräch. „Die ganzheitliche Heilung erreicht man am ehesten mit einem Mittel, das die Psyche in ihrer Komplexität voll erfasst“, erklärt Hertz. Die Entscheidung für ein Mittel trifft die Stuttgarter Ärztin Claudia de Laporte beispielsweise auch danach „wie die Patienten gestrickt sind und sich im seelischen Gleichgewicht zu halten versuchen. Ziehen sie sich zurück, werden sie wütend, sind sie überaktiv oder weichen sie auf körperliche Beschwerden aus“. Durch gezieltes Fragen kann der Behandelnde nacheinander viele der möglichen Mittel ausschließen. Die Patienten geben dem Behandler aber auch unbewusst viele Hinweise. Der argentinische Arzt Carlos N. Campora achtet sehr darauf, wie sich der Patient in seiner Praxis verhält, wie seine Gesten sind und seine Haltung, all dies ist sehr hilfreich bei der Suche nach dem richtigen Mittel. Hat er dieses gefunden, verabreicht er die Arznei meist in einer Hochpotenz, beispielsweise in der Dosierung C 200. Das Mittel muss der Patient ein- oder gelegentlich zweimal im Abstand von vier bis sechs Wochen einnehmen. Wichtig zu wissen: „Die Wirkung einer hochpotenten homöopathischen Arznei stellt sich nicht sofort ein, sondern erst nach längerer Zeit. Nach vier Wochen sollte eine spürbare Wirkung und Besserung der Symptome eintreten“, so die Homöopathie-Expertin Jenny Hertz. Doch nicht immer kann man so lange warten. Um die Psyche des Patienten schneller zu stabilisieren, verordnen homöopathische Ärzte begleitend zu den Globuli auch konventionelle Medikamente. Bei schweren Depressionen und Suizidgedanken ist es in jedem Fall notwendig, dass der Betroffene einen ausgebildeten Mediziner konsultiert.

Homöopathie für die Seele: Welche Heilmittel tatsächlich helfen

Da es selbst für Ärzte nicht so einfach ist das richtige Mittel zu finden, raten die meisten Vertreter der klassischen Homöopathie von einer Selbstbehandlung ab. Doch diese Sicht scheint der Heilpraktikerin Jenny Hertz zu dogmatisch. „Es gibt auch einige Mittel, die unabhängig von der jeweiligen Konstitution und Verfassung, bei den meisten Menschen ihre Wirkung entfalten“, sagt sie. Häufig verordnet sie neben Ignatia bei leichten seelischen Störungen auch die Mittel Natrium muraticum oder Aurum metallicum. Natrium muraticum ist für Menschen geeignet, die allzu lange Probleme unterdrückt und verdrängt haben und bei denen der Kummer chronisch geworden ist. „Schon als Kinder haben Betroffene bereits den Eindruck erhalten, dass sie ihre Gefühle nicht ausdrücken und ihre seelischen Nöte nicht zeigen dürfen. Diese Arznei kann sie darin unterstützen, lang verdrängtes seelisches Leid anzuschauen und besser zu bewältigen“, erklärt Jenny Hertz. Aurum metallicum hingegen wird sehr häufig bei Depressionen eingesetzt (…)

 

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www.bewusster-leben.de/homoeopathie-fuer-die-seele/

Gemmotherapie: Zarte Knospen – große Wirkung

Zarte Knospen – große Wirkung

Sie wirkt schneller als Schmerzmittel und besser als manches Antibiotikum: die Gemmotherapie. Ob bei Entzündungen, Erkältungen oder Immunschwäche – die Extrakte aus Blütenknospen sind verlässliche Krankenhelfer.

Pflanzenextrakte, die besser als Antibiotika helfen? Das konnte die 45-Jährige Marlene Hansen zunächst nicht glauben. Seit Jahren bekam sie immer wieder Blasenentzündungen und musste notgedrungen Antibiotika nehmen. Keine Dauerlösung. Als ihr eine Freundin eines Tages einen Wachholder-Extrakt mitbrachte, war sie zunächst skeptisch und stellte das Mittel erst mal in den Arzneischrank. Aber als sie erneut Blasenbeschwerden bekam, griff sie kurzerhand zur Naturmedizin und sprühte sich den Extrakt in den Mund. Schaden konnte das Naturheilmittel ja nicht! Am Abend hatten sich die Beschwerden ein wenig gebessert. Bevor sie zu Bett ging, nahm sie es erneut. Am nächsten Morgen waren die Beschwerden fast verschwunden. Seither ist die Diplom-Kauffrau von der Gemmotherapie, einer relativ junge Therapieform, überzeugt.

Die Behandlung mit den Extrakten aus Pflanzenknospen, die in Frankreich und Belgien schon seit längerem populär ist, kommt nun auch nach Deutschland. Immer mehr naturheilkundlich arbeitende Ärzte und Heilpraktiker nutzen die sogenannten Gemmoextrakte zur Behandlung von Beschwerden. Und viele auf Naturheilunde spezialisierte Apotheken haben Gemmopräparate in ihr Sortiment aufgenommen.

Was unterscheidet die Phyto- von der Gemmotherapie

Während man in der klassischen Phytotherapie die ganze Pflanze oder verschiedene Pflanzenteile wie Samen, Rinden, Früchte, Blätter, Blüten und Wurzeln verwendet, enthalten Gemmotherapeutika allein die vitale Kraft junger Baumknospen, zarter Triebspitzen oder Wurzeltriebe …

veröffentlicht im Magazin bewusster leben 05/2015

Wie wertvoll bin ich?

 Mangelndes Selbstvertrauen und Selbstliebe beeinflusst unser Verhalten und unser Gefühlsleben negativ. Die Frage, wie man ein schlechtes Selbstwertgefühl steigern kann, beschäftigt deshalb seit langem viele Forscher und Psychologen. Die Antwort darauf ist nicht einfach.

Kaum eine Nachricht hat die Deutschen im Frühjahr 2015 derart erschüttert und zutiefst bewegt, wie der Absturz des Germanwings Airbus´ in Südfrankreich in den Rhone-Alpen. Der Pilot Andreas Lubitz hatte auf den Flug von Barcelona nach Düsseldorf den Absturz der Maschine bewusst herbeigeführt und sich selbst, die Flugbesatzung und 150 Passagiere in den Tod gerissen. Später fand man heraus, dass er an einer schweren Depression litt und er befürchtet hatte, schon in Kürze seinen Beruf als Pilot nicht mehr ausüben zu können. Was bringt einen jungen Mann zu einer derartigen Tat? Ein zu geringes Selbstwertgefühl könnte möglicherweise ein zentrales Motiv und auch eine wesentliche Ursache seiner Depression gewesen sein.

Was ist Selbstwert und Selbstvertrauen?

Für die Psychotherapeutin Friederike Potreck-Rose ist Selbstwert der Wert, den eine Person sich selber zuschreibt. Welchen Wert würden sich wohl die meisten Menschen auf einer Skala von 0 bis 10 geben? Potreck-Rose vermutet, dass die meisten Menschen ihren Selbstwert eher für zu klein als zu groß halten. Und auch Glücksforscherin Bea Engelmann berichtet aus ihrer Praxis: „Leider haben viele die Neigung, sich herabzusetzen und ein recht schlechtes Bild von sich“. Um Selbstvertrauen und auch Mut zum selbstbestimmten Leben zu entwickeln, ist jedoch das genaue Gegenteil richtig und hilfreich. „Grundsätzlich tut eine leichte Selbstüberschätzung gut“, ist die Bremerin überzeugt. Doch ganz so einfach ist es nicht, wie die neuere Forschung zum Thema Selbstvertrauen zeigt. Diese belegt, dass ein allzu hoher Selbstwert durchaus mit Problemen behaftet sein kann und oft negative Auswirkungen zeigt. „Diese Menschen wirken oftmals arrogant, meinen Privilegien zu verdienen und bleiben deshalb hinter ihrem Leistungsvermögen zurück“, erklärt Robert Haringsma; Begründer des Amsterdamer Instituts für Positive Psychologie. Das eigene Umfeld hat dafür meist wenig Verständnis. Es sei deshalb problematisch, wenn ein großes Selbstwertgefühl dazu führt, dass man hinter seinen eigenen Möglichkeiten zurückbleibt, schreibt Haringsma in seinem Buch „Stärken Sie Ihr Selbstvertrauen“. Unter psychologischem Gesichtspunkt gebe es genug Belege für die Ansicht, dass man glücklicher wird, wenn man gefordert wird und sich entwickeln kann. Man werde sich, so schlussfolgert Haringsma, wohler fühlen, wenn man gute Leistung bringt. Es reicht offenbar also nicht aus, von sich ein nur positives Selbstbild zu haben.

Nicht den Selbstwert auf eine Karte setzen!

Genauso problematisch ist es allerdings, seinen Selbstwert ausschließlich von einer Kompetenz abhängig zu machen. Das hat eine neuere Studie der amerikanischen Psychologinnen Jennifer Crocker und Lora Park gezeigt. Sie ergab, dass bessere Leistungen nicht zwangsläufig eine Stärkung des Selbstvertrauens bewirkten. Zuvor hatten sie Menschen untersucht, die ihr Selbstvertrauen hauptsächlich auf ihre Erfolge und ihre Leistung stützten. Sie fanden heraus, dass das Selbstwertgefühl bei den Probanden nur dann so lange hoch war, solange sie genug leisteten. Sobald dies nicht mehr der Fall war und im Leben etwas schiefging, schwand dieses Gefühl rasend schnell dahin. So schnell, dass sich Depressionen und eine Vielzahl anderer Probleme einstellen konnten.

Allem Anschein nach hatte der Beruf für Andreas Lubitz eine herausragende Bedeutung und hohen Stellenwert. Sein Selbstwertgefühl hing stark von seiner Fähigkeit ab, ein Flugzeug fliegen zu können. Als der Pilot befürchtete, dass man ihm die Fluglizenz entziehen könnte, brach für ihn seine Welt zusammen. Er konnte sich nicht vorstellen, jemals einen anderen Beruf zu erlernen und auszuüben. Kompetenz, die Fähigkeit auf einem Gebiet überragend oder sehr gut zu sein, ist somit kein Garant für ein gesundes Selbstwert. „Bei Menschen, die ihre Kompetenzen gut entwickelt haben, wirkt es manchmal so, als hätten sie viel Selbstvertrauen. Sie strahlen Autorität aus und nötigen anderen durch ihr entschiedenes und resolutes Auftreten Respekt ab. Diese Ausstrahlung muss jedoch nicht unbedingt widerspiegeln, was sich in ihrem Inneren abspielt. Denn gerade sie können tief in ihrem Inneren sehr unsicher sein“ erklärt Haringsma. Häufig haben sie zwar großes Vertrauen in ihre Kompetenz, aber es mangelt ihnen an Selbstwertgefühl. Besonders Menschen, die zu Perfektionismus neigen, sind einerseits sehr leistungsstark andererseits fehlt es ihnen häufig an Eigenliebe und Selbstachtung.

Dasein ist köstlich, wenn wir selbstbestimmt leben können. Voraussetzung ist optimales Selbstvertrauen.

Für die Selbst-Bewertung sollten daher bestenfalls viele verschiedene Lebensbereiche eine Rolle spielen. Neben der Leistung im Beruf können soziale Kompetenz, gute Beziehungen zur Familie, zum Partner und Freundschaften, aber auch das Aussehen den Selbstwert positiv beeinflussen. Moralische und spirituelle Werte, für die man sich in Politik, in einem Verein oder in seinem Umfeld einsetzt, geben dem Leben oftmals nicht nur einen tieferen Sinn, sondern steigern auch den Selbstwert. Klar ist, dass das Selbstwertgefühl weniger gefährdet und somit stabiler ist, wenn es aus mehreren Quellen gespeist wird. Wer beispielsweise eine glückliche Partnerschaft führt oder gute Beziehungen zu seinen Mitmenschen unterhält, wird eine Kündigung leichter verkraften als der ehrgeizige Karrierist, der engen Beziehungen wenig Bedeutung beimisst. Umgekehrt wird eine Frau eine Trennung vom Partner vermutlich leichter verkraften, wenn sie in ihrem Beruf weiterhin Bestätigung erfährt und von ihren Kollegen geschätzt wird. Robert Haringsma schlussfolgert daher: „Selbstvertrauen kann nur stabil und stark sein, wenn sich Selbstwert und Kompetenzen im Gleichgewicht befinden“. Diesen Zustand bezeichnet der Vertreter der Positiven Psychologie als das optimale Selbstvertrauen. Ein solcher Mensch verkraftet sowohl Niederlagen und Rückschläge als auch Kritik besser. Denn eine Kritik an seinen eigenen Fähigkeiten wird er nicht mehr als Kritik an der eigenen Person empfinden, sondern als wertvolles Feedback wertschätzen. Auch den Mut, mal neue Wege zu beschreiten, bringt ein Mensch, der über optimales Selbstvertrauen verfügt, leichter auf. Wer danach strebt, hat tatsächlich alle Chancen ein besseres und selbstbestimmteres Leben zu führen.

erschienen in: www.psychologiebuch.de/main/blog/adventskalender2/

Starke Seele – starker Rücken

In den seltensten Fällen haben Rückenschmerzen eine anatomische Ursache. Fast immer sind sie ein Hilferuf der Seele, ausgelöst durch Ängste, Stress und psychische Belastungen. Wir sagen, wie die Schmerzen entstehen und wie sie Ihrem Rücken und Ihrer Seele selber helfen können.

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 Wir hocken stundenlang regungslos auf dem Bürostuhl und starren hochkonzentriert und bewegungslos auf den Monitor. Auch beim Essen, Zeitungslesen oder Fernsehgucken sitzen wir ständig. Dass unsere Lebensweise nicht besonders artgerecht ist, zeigt sich vor allem an der großen Zahl der Menschen, die unter Rückenschmerzen und Wirbelsäulenbeschwerden leiden – der häufigste Grund für Frühinvalidität und vorzeitigen Ruhestand. „Unsere Lebensweise ist rückenzerstörend“, konstatiert der Münchner Orthopäde Dr. Martin Marianowicz in seinem Buch „Den Rücken selbst heilen“. Es besteht kein Zweifel daran, dass Rückenbeschwerden aufgrund einer zu schwachen Muskulatur entstehen. Der Rücken wird getragen und gestützt von einem Korsett, zu dem nicht nur die Muskeln des Rückens zählen, sondern auch die des Bauches. Damit dieses Korsett seine Arbeit machen kann, muss es stark sein. Und deshalb, müssen die Rücken- und Bauchmuskeln regelmäßig gekräftigt und gedehnt werden.

Ein schwaches Korsett ist aber nicht der alleinige Grund für Rückenschmerzen. Neueste medizinische und wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Rückenschmerzen oftmals ein Hilferuf der Seele sind. „Der Schmerz bringt zum Ausdruck, inwiefern eine Lebenssituation und das eigene Verhalten dazu beitragen, den Rücken zu überlasten, und zwar in körperlicher wie auch seelischer Hinsicht“, erklärt Marianowicz. Wer seine Rückenleiden lindern möchte, kommt deshalb kaum daran vorbei, sich auch mit dem Befinden seiner Seele zu befassen. Es gibt vieles, was die Seele belasten kann. Stress im Job oder in der Familie drückt nachweislich aufs Kreuz, wenn man nicht für ausreichende Erholung und Entspannung sorgt. Beständiger Druck, Sorgen oder seelische Überlastung können ebenfalls Stress verursachen und die Schmerzwahrnehmung deutlich verstärken. Stress ist ein evolutionäres Warnsignal für den Körper, bei dem das Nervensystem unseres Körpers förmlich mit Stresshormonen überflutet wird. Die Bindegewebshüllen der Muskeln, die so genannten Faszien, beherbergen Millionen Nervenzellen und leiten die Sinneseindrücke in rasender Schnelligkeit weiter. Deshalb können unsere Muskeln bei Gefahr blitzschnell reagieren und können wir im Bruchteil von Sekunden komplexe Bewegungen ausführen.

„Kopf und Körper, sind über die Wirbelsäule und das Rückenmark miteinander verbunden“.

Unsere Muskeln sind ein großes Wahrnehmungsorgan

Wenn man immer wieder Stress und starke Emotionen erlebt, aber nicht wie in Urzeiten mit Flucht und Angriff reagieren kann, sondern die Situation einfach erträgt und erduldet, verkrampfen die Muskeln und in der Folge kommt es zu Verspannungen und starken Schmerzen im Muskelgewebe. „Beziehungs- und sozialer Stress kriechen unter die Haut, nehmen in den Muskeln Gestalt an und beladen den Rücken, bis er unter den Lasten zusammen bricht“, erklären die Rückenspezialisten Reiner und Kurt Mosetter in ihrem Buch „Wie der Rücken die Seele und die Seele den Rücken heilt“. So gesehen hängen körperliche und seelische Verspannung eng miteinander zusammen. Erst jetzt beginnt die Wissenschaft zu erforschen und besser zu verstehen, welch außerordentlich wichtiges Sinnesorgan unsere Muskulatur ist. Seelische Belastungen hinterlassen in den Nervenzellen unserer Muskeln Spuren und können unsere Körperabläufe schwer stören, sogar nachhaltig. Denn die Erinnerungsspuren des Erlebnisses oder traumatischen Belastung kann man nicht einfach mal eben löschen. Unsere Muskeln haben ein unglaublich gutes und lebhaftes Gedächtnis. Das heißt, die Muskeln bleiben weiterhin angespannt, obwohl der enorme Arbeits-und Leistungsdruck aufgehört hat. Wer sich mit den seelischen Ursachen nicht auseinandersetzt, wird wahrscheinlich weiterhin Rückenschmerzen haben, obwohl er mittlerweile wieder in Lohn und Brot steht und finanziell vielleicht sogar gut abgesichert ist. Die Spannung bleibt und die befeuert wiederum die Angst.

Schlechte Erlebnisse führen zu einer schlechten inneren Haltung.

Der Betroffene bleibt innerlich weiter auf der Hut, ist übervorsichtig und misstrauisch, um sich zu wappnen. Wie ein Boxer, der in Deckung geht, verkleinert er dadurch seine Angriffsfläche. Dabei sind seine inneren Antennen so eingestellt, dass sie vor allem negative Signale aus der Umwelt empfängt. Die Nervenzellen schlagen zu oft oder wiederholt Alarm, es bildet sich eine Schmerzspur auf den Nervenbahnen und somit ein Schmerzgedächtnis aus. Um den Körper vor weiteren Schaden zu schützen, reagiert es über. Ein solches Verhalten kann bereits vorhandene Schmerzen verstärken, weil die Daueranspannung die Schmerzzentren im Gehirn aktiviert. Zudem kann es in der Folge zu Reizungen in der Muskulatur, speziell an den Sehnenansätzen kommen. Wenn die Psyche ständig unter Strom steht, werden im Körper Entzündungsprozesse aktiviert. Die Beschwerden am Rücken können eine Eigendynamik entwickeln und chronisch werden. Bei chronischen Rückenschmerzen spiele das Schmerzgedächtnis immer eine gewisse Rolle, ist Marianovicz überzeugt.

Wie ein Schmerzgedächtnis entsteht

Leidet jemand bereits unter chronischen Rückenschmerzen, weil die Nervenbahnen überreizt sind, können Antidepressiva möglicherweise helfen. Auch dies zeigt die enge Verbindung von seelischen und körperlichen Beschwerden. Umgekehrt leiden übrigens Menschen mit Depressionen sehr häufig auch an Rückenschmerzen. Selbsthypnose ist ein Weg, das Gehirn bei der unbewussten Schmerzverarbeitung zu erreichen. Wenn man sich selbst in einen tranceartigen Zustand versetzt, kann man sein Unterbewusstsein und somit auch die Schmerzwahrnehmung über bestimmte Suggestionstechniken positiv beeinflussen. Heilungsaussichten hängen auch von der Haltung der Betroffenen ab, wie sie mit den Erfahrungen und den Schmerzen umgehen. Ob sie frustriert sind oder aktiv am Heilungsprozess arbeiten, kann den Entzündungsherd befeuern oder löschen, erklärt der Münchner Rückenexperte Marianowicz. Ruhe, Entspannung, eine positive Einstellung, schöne Unternehmungen und Ablenkung verhindern die Wahrnehmung und Weitermeldung von Schmerzen an das Gehirn.

Wer begreift, wie unser Körpergedächtnis funktioniert, kann verstehen, warum Rückenschmerzen entstehen, obwohl es keine anatomische Ursache gibt. Oder warum diese anhalten, obwohl der Bandscheibenvorfall mit Erfolg behandelt wurde. In so einem Fall nutzt eine konservative Physiotherapie allein herzlich wenig. Der Rückenspezialist Dr. med. Marianovicz hat deshalb ein multimodales Programm entwickelt, mit dem er Rückenschmerzen ganzheitlich behandelt. Es hilft dem Patienten zu erkennen, welche störenden Lebensumstände und soziale Faktoren ihn belasten. Neben einem Bewegungsprogramm, mit dem die Muskulatur gestärkt wird (siehe Übungen ab Seite 14 bis 18) geht es somit auch darum, die wahren Ursachen des Rückenschmerzes, also die emotionalen Auslöser oder Verstärker zu erkennen.

Was belastet meine Seele und ist nicht geklärt in meinem Leben.

Statt über Rückenprobleme zu grübeln, könnte man sich fragen: was belastet mich oder verursacht Stress in meinem Leben? Das kann ein langer Anfahrtsweg zur Arbeit sein oder ein Chef oder Partner sein, der nicht wertschätzend mit Ihnen umgeht. Bei einer Frau, die drei Mal die Woche ihre Mutter im Pflegeheim besuchte, äußerte sich die zusätzliche Belastung in Rückenbeschwerden. Gibt es ähnliche belastende Situationen in Ihrem Leben? Was können Sie daran ändern? Fragen Sie sich: Welche negativen Erfahrungen habe ich nicht verarbeitet und verkraftet? Eine Antwort auf diese Frage, könnte ein erster Schritt zur Heilung sein

Glücksgefühle erzeugen

Man kann den Schmerzen tatsächlich mehr als Medikamente entgegensetzen. Man kann sie austricksen, indem man Glücksgefühle erzeugt. Damit setzt man dem Leiden etwas entgegen. Ein Rückenkranker, der sich gerade verliebt hat, wird seine Rückenschmerzen kaum noch spüren, da der Organismus seinen Organismus mit einem Cocktail aus Glückshormonen überflutet. Denn wir können Schmerz- und Glücksgefühle nicht gleichzeitig empfinden. Deshalb verordnen übrigens Ärzte bei chronischem Schmerzsyndrom Antidepressiva. Sie regen die Ausschüttung von Glücks- und Wohlfühlhormonen wie Serotonin an. Wir können uns leider nicht auf Befehl verlieben und nicht jeder Rückenkranke möchte Antidepressiva schlucken, doch wir können selbst Glücksgefühle erzeugen. Fragen Sie sich, was Sie glücklich macht. Was können Sie besonders genießen? Gehen Sie ins Theater, schauen Sie sich eine Filmkomödie an, lesen Sie etwas Erheiterndes, Humorvolles. Vielleicht haben Sie Lust zu tanzen. Damit schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie bewegen sich, befreien ihren Körper aus seinem allzu engen Muskelkorsett und beglücken ihren Hörsinn.

Lenken Sie sich von Schmerzen ab

Zwar ist es wichtig, seine Rückenschmerzen zu akzeptieren, dennoch sollte man den Schmerzen nicht allzu viel Beachtung schenken. Denn „Schmerzen werden durch die Wahrnehmung getriggert. Je mehr Aufmerksamkeit wir unseren Schmerzen schenken, desto stärker spüren wir sie“, erklärt Dr. Marianowicz. Besser ist es nach Behandlungsmöglichkeiten und Lösungen zur Schmerzbewältigung zu suchen. Es gibt viele Methoden von Biofeedback über Meditation bis hin zur Selbsthypnose die dabei helfen können, den Schmerz zu kontrollieren und auch zu überwinden. Meditation ist ein sehr guter Weg, um Schmerzen zu lindern. Denn er bringt Entspannung in ein völlig angespanntes System. Dadurch werden Sie achtsamer und lernen dabei, den gesamten Körper besser wahrzunehmen. Beim Meditieren entwickeln Sie Distanz zu den negativen Gedanken und belastenden Gefühlen, die möglicherweise Ursache und Auslöser der starken Schmerzen sind. Durch die Meditationspraxis werden die Gefühle quas verdünnt.

Entspannungsübung bei Rückenschmerzen

Zählen Sie ganz langsam und bewusst von 1 bis 10 und fühlen Sie dabei in ihren Körper, ob sie irgendwo verspannt sind. Lösen Sie die Verspannung, in dem Sie bei jeder Zahl von 1 bis 10 den dazugehörigen Satz sagen und spüren Sie nach, was in ihrem körper dabei passiert. Atmen Sie vor und nach jeder zahl tief ein und aus.

erschienen in bewusster leben; Ausgabe 05/15

Die Seelentaucher

Viele Menschen lehnen die Hypnose als Therapie ab. Sie haben Angst vor dem Kontrollverlust. Zu Unrecht, denn wer hypnotisiert ist, ist nicht bewusstlos. Die moderne klinische Hypnotherapie wendet seriöse Methoden an und erzielt damit durchaus Heilerfolge.

Bis heute wird mit der Fähigkeit der Hypnose viel Scharlatanerie betrieben. So kann man in Fernsehshows sehen, wie Magier Menschen in nur wenigen Minuten von einer Schlangen- oder Spinnenphobie heilen. Dazu wird der Proband nur kurz in Trance versetzt, indem man ein Pendel vor seinen Augen hin und her schwingen lässt. Der Hypnotiseur gibt nun klare Handlungsanweisungen: „Fass die Spinne an“ oder erklärt mit klarer autoritärer Stimme: „Du hast keine Angst mehr vor Spinnen“. „Um ihre scheinbare absolute Macht zu demonstrieren, wecken Bühnenhypnotiseure ihre Opfer in der Regel mit einem Fingerschnipsen blitzschnell wieder auf. Oft mit fatalen Folgen. Denn „Showhypnotiseure können traumatisierende Emotionen in ihren Opfern mobilisieren, wissen aber mit dem, was sie in den Opfern ausgelöst haben, nicht umzugehen“, warnt die Deutsche Gesellschaft für Hypnose- und Hypnotherapie e.V. (DGH). Viele Menschen verbinden Hypnose bis heute mit Macht über willenlose Menschen. Auch aus diesem Grund ist es ein primäres Anliegen der DGH sich von diesen Laienhypnotiseuren abzugrenzen und die Hypnose als Instrument der Forschung und der Therapie respektabel zu machen sowie das Interesse an der „seriösen“ experimentellen und klinischen Hypnose in Deutschland zu fördern.

Was Skeptiker und Kritiker der Hypnose beruhigen mag: Gegen den eigenen Willen kann man nicht hypnotisiert werden. Zufolge großer Vergleichsstudien sind etwa 10 Prozent aller Menschen sehr gut hypnotisierbar. Das sind nicht etwa besonders Leichtgläubige, sondern vor allem Leute, die über eine lebhafte Vorstellungskraft verfügen. Ebenso viele sprechen nur schwer oder gar nicht auf Hypnose an, die meisten aber liegen im Mittelmaß – und das reicht für eine Behandlung aus. Im Prinzip ist jeder hypnotisierbar, der auch schlafen kann. Das Einzige, was einen Menschen daran hindern kann, in Trance zu verfallen, ist der eigene Wille, und die Angst vor dem Zustand der Trance.

Bei vielen körperlichen Erkrankungen, die durch psychische und soziale Faktoren bedingt sind, ist die Hypnotherapie als Behandlungsmethode längst anerkannt. Der von der deutschen Bundesregierung eingerichtete Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie kam zu dem Schluss, dass Erfolge in zwei Bereichen nachgewiesen seien: Zum einen hilft diese Methode beim Drogenentzug und bei Nikotinsucht, zum anderen erleichtert es die Bewältigung von Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Überraschend sind auch die Erfolge bei narkoseresistenten Patienten, bei denen mithilfe der Hypnose kleinere Operationen und Eingriffe, wie Zahnbehandlungen oder Magenspiegelungen durchgeführt werden können.

Was ist Hypnose überhaupt für ein Zustand?

Der Begriff Hypnose leitet sich zwar etymologisch vom Griechischen Wort Hypnos ab, was soviel wie Schlaf bedeutet. Doch man ist während einer Hypnose nicht total bewusstlos. „Vielmehr befindet man sich in einem dritten Zustand, irgendwo zwischen Schlaf und wachen Bewusstsein, kurz vor dem Einschlafen oder dem Aufwachen. Die letzten Bilder vom Traum laufen noch, wir hören aber schon die ersten Geräusche“. Der Körper fühlt sich angenehm schwer und entspannt an, dabei kann man jedoch noch Geräusche aus der Umgebung wahrnehmen. In diesem besonderen Zustand der tiefen Entspannung kann der Körper neue Kraft tanken und Lösungsmöglichkeiten finden“, erklärt Carmen Büge, Heilpraktikerin und Hypnotherapeutin aus Karlsruhe. Die Angst, man würde unter Hypnose alles Mögliche erzählen und ausplaudern, sei deshalb unberechtigt, so Büge. Normalerweise führe der Therapeut mit seiner Stimme durch die Hypnose, der Patient höre entspannt zu. Im Gegensatz zu einem Schlafenden kann das Hirn eines Hypnotisierten auf unbewusste Weise aktiv den Bewegungsbefehlen, Vorschlägen und Anweisungen des Hypnotiseurs folgen. Da das Bewusstsein und seine kognitiven Kontrollmechanismen in dieser Zeit jedoch reduziert sind, kann der Hypnosetherapeut problemlos mit dem Unterbewusstsein des Patienten kommunizieren. Dort sind all unsere Erinnerungen, Konflikte, Gewohnheiten, Schmerzen, Wünsche, Ängste und vieles mehr verborgen.

Im Zustand der Trance ist der Patient besonders offen für Suggestionen und positive Vorstellungen. Ob es sich nun um Bilder oder Klänge handelt, unter Hypnose erleben die meisten Menschen diese nicht als bloße Vorstellung sondern als reales Geschehen. Somit kann eine alternative Wirklichkeit konstruiert werden, ohne dass das Bewusstsein ständig dazwischen „funkt“.

„Das Unterbewusstsein irrt und lügt nicht“

Die moderne Hypnotherapie betont in der Regel die Individualität jedes einzelnen Patienten. Sie strebt ein Patientenverhältnis auf Augenhöhe an. Das bedeutet, dass eine Hypnose nicht nach Schema F durchgeführt werden kann, sondern für jeden einzelnen Patienten der richtige Zugang und die passende Techniken gefunden werden müssen. Diesen neuen Ansatz entwickelte Milton Erickson (1901 bis 1980), der als Vater der modernen Hypnose gilt. Letztlich ist es ihm zu verdanken, dass Hypnose in der Psychotherapie wieder mehr zum Einsatz kam und sich die Einstellung gegenüber der Hypnose wandelte. Im Gegensatz zu dem früheren autoritären oder direktiven Stil, der bis in die 50er und 60er Jahre vorherrschend war, wollte der amerikanische Psychiater Erickson mit seinen Methoden, die begrenzte Fähigkeit des Bewusstseins erweitern, in dem er seine starren Denk-Strukturen lockerte: Zugleich wollte er das Unterbewusstsein anregen, selbst neue Lösungen zu finden. Letztlich ging es ihm darum, neue Ressourcen zur Selbstheilung zu erschließen, aber auch bereits vorhandene Ressourcen verstärkt zu nutzen. Ein kluger moderner Hypnotiseur überlässt dem Patienten die Interpretation der Geschichte und welche Bedeutung er der Suggestion gibt. Schließlich soll dieser selber das Problem der Geschichte, die er erzählt bekommt, erkennen und eine eigene Lösung finden. Auch Carmen Büge ist von der Methodik Ericksons überzeugt und meint „Nur wenn der Mensch die Lösung selbst findet, wird er auch danach handeln“.

 

Autorin: Inge Behrens