Neueste Artikel

Homopathie-Mix II

Homöopathische Heilmittel für die Seele

 Angst- und Schlafstörungen oder Depressionen: die Homöopathie hilft nicht nur bei körperlichen, sondern vor allem  bei vielen seelischen Beschwerden. Imge Behrens hat die Hamburger Heilpraktikerin Jenny Hertz befragt.

Die Samen der Ignatiusbohne enthalten die bekannte Substanz Strychnin. Jeder weiß, dass sie hochgiftig ist. Wer zu viel davon zu sich nimmt, erstickt qualvoll. Doch das darin enthaltene starke Nervengift ist auch ein Heilmittel, das verdünnt und homöopathisch aufbereitet bei Magen- und Darmschmerzen, Krämpfen, Leberbeschwerden und Vergiftung eine positive lindernde Wirkung zeigt. Die homöopathische Arznei wirkt aber nicht nur körperlich, sondern ganzheitlich. „Ignatia“ zeigt seine besten Eigenschaften bei seelischen Beschwerden wie nervöser Gereiztheit, Weinerlichkeit und depressiver Verstimmung. „Es ist ein gutes Kummermittel und hilft bei Verlust und Trennungsschmerz“, weiß Heilpraktikerin Jenny Hertz, die auf Homöopathie spezialisiert ist, aus praktischer Erfahrung.

771321

Chinesische Medizin als begleitende Krebstherapie

Immer mehr Patienten wünschen sich eine ganzheitliche Behandlung parallel zur Standardtherapie. Vor allem von der Chinesischen Medizin erhoffen sich viele eine Linderung der Nebenwirkungen. Die Schulmedizin öffnet sich ganz langsam.

Für jeden Menschen ist die Diagnose „Krebs“ ein Schock und löst enorme Ängste aus. Kaskadenartig erscheinen Leidensbilder von unglaublicher Wucht und Intensität vor ihrem inneren Auge. Dabei ruft nicht allein die Krankheit und die möglichen Schmerzen Panik hervor. Vor allem die Nebenwirkungen einer Strahlen- oder Chemotherapie und der damit einhergehende Verlust der Lebensqualität versetzen die meisten in Angst und Schrecken. Häufig geraten Menschen vor und während der Therapie deshalb in eine tiefe seelische Krise. Genau das kann zu einer zusätzlichen Belastung werden und der Genesung im Wege stehen. Denn es ist wichtig, dass der Patient zuversichtlich bleibt und von seiner Heilung überzeugt ist. Angst und Depression können die Erfolgsaussichten einer Chemotherapie ganz enorm mindern.

Die Schulmedizin kann dem Patienten nur wenig Beistand leisten und verweist meist auf Angehörige. Hinzukommt: Oft genug fühlt sich ein Krebspatient einem System, dessen Behandlungsstandards sich starr an den Leitlinien der Krankenkassen orientieren, hilflos ausgeliefert. Viele Patienten werden vom Arzt stark unter Druck gesetzt und glauben sofort dem vorgeschlagenen Behandlungsplan zustimmen zu müssen. Um die Nebenwirkungen zu lindern, versuchen viele Krebskranke deshalb in aller Eile parallel zur schulmedizinischen Behandlung  im riesigen Angebot an Naturheilkundlern und Heilpraktikern einen zusätzlichen Therapieansatz zu finden. 60 Prozent aller Patienten nehmen aus Angst vor den massiven Nebenwirkungen Naturheilmittel ein. Ob nun Mistel- oder Thymusextrakte, Vitamine oder auch homöopathische Präparate – jedes Mittel scheint als rettender Strohhalm recht. Oftmals informieren die Patienten den Onkologe darüber nicht, meist aus Furcht, der Arzt werde ihnen möglicherweise von der Einnahme der Naturstoffe abraten. Tatsächlich lehnen nach wie vor viele Schulmediziner – oft aus purer Unkenntnis – alternative Heilmethoden ab. Auch das Ärzte- und Autorenduo Prof. Dr. Gustav Dobos und Dr. Sherko Kümmel, die sich in ihrem  2012 erschienenen Buch „Gemeinsam gegen Krebs“ für die ergänzende Behandlung der Standardmedizin mit alternativen Verfahren aussprechen und somit Befürworter einer integrativen Medizin sind, warnen vor dem falschen Einsatz von Heilkräutern und Vitaminen während einer Chemotherapie, da dies zu massiven Störungen oder gar Versagen der Krebstherapie führen könne. Schon ein Glas Grapefruitsaft, die tägliche Dosis Johanniskraut oder Vitamine in hohen Dosen könnten Chemo- und Strahlentherapie massiv beeinträchtigen und die Wirkung stören, so die beiden Mediziner. Es fragt sich, ob hierfür denn ein objektiver Beweis vorliegt.

Schulmediziner öffnen sich der ganzheitlichen Therapie

Besser ist es, sich als Patient nicht unter Druck setzen zu lassen und sich in Ruhe nach einer naturheilkundlich orientierten Komplementärtherapie in seiner Region zu erkundigen. Rat findet man beispielsweise bei der Deutschen Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr. Im optimalen Fall entwickelt der Onkologe gemeinsam mit den Therapeuten der alternativen Heilkunde einen Behandlungsplan, der nicht nur die Tumorbeseitigung zum Ziel hat, sondern auch die Nebenwirkungen lindert und wenn möglich auch die Erfolgsaussichten auf Heilung verbessert. Laut einer Umfrage….

Luetz_Ausschnitt_61642

Unvermeidlich glücklich

 

Jeder Mensch kann glücklich werden. Davon ist der Philosoph und Psychiater Dr. med. Manfred Lütz, der hauptberuflich als Chefarzt am Kölner Alexianer Krankenhaus tätig ist, zutiefst überzeugt. Da es gar nicht so einfach ist, in dem Labyrinth der vielen Glücks-Möglichkeiten den eigenen rechten Pfad zu finden, hat der Erfolgsautor nun ein neues unterhaltsames Werk verfasst. In dem Buch „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden – Eine Psychologie des Gelingens“ bietet er Glückssuchern eine Orientierungshilfe, indem er in Kurzform die gesamte Geschichte der Glücks-Philosophen präsentiert. Die Journalistin Inge Behrens hat ihn über sein neues Buch befragt:

IB: Ist es heute leichter, ein glückliches Leben zu führen als früher?

Lütz: Das kommt ganz darauf an, wie Sie Glück definieren. Aber ich halte von Glücksdefinitionen ohnehin nichts, damit fängt nämlich meistens das Unglück an, denn da definiert dann irgendein Autor, was für ihn das Glück ist und lässt den Leser unglücklich zurück, weil der nun mal nicht der Autor ist. Ich habe dagegen einen Antiratgeber geschrieben, der von den ganz unterschiedlichen Ideen erzählt, die die gescheitesten Menschen der Welt zum Glück gehabt haben, und dann kann jeder selbst entscheiden, was zu ihm passt. Kein Mensch kann wirklich sagen, ob wir heute glücklicher sind als früher, wir sind anders glücklich.

IB: Warum sind die Menschen in der westlichen Gesellschaft so glückshungrig und warum führt die maßlose Sehnsucht nach machbarem Glück ihrer Meinung nach in die Sackgasse?

Lütz: Ich glaube, dass die Glücksindustrie ein tolles Marketing veranstaltet. Auch die Casting-Mentalität, die dazu nötigt, sich dauernd mit anderen Menschen zu vergleichen, die nun mal anders sind und anders bleiben, macht unglücklich.

IB: Glück sei immer etwas Höchstpersönliches, schreiben Sie. Jeder müsse seine eigene Glücksrezeptur finden und entwickeln. Was macht Sie denn persönlich glücklich oder in welchen Momenten haben Sie reines Glück erlebt?

Lütz: Wenn man glücklich ist, ist Glück kein Thema. Wer dauernd über Gesundheit redet, ist meistens krank und wer dauernd über das Glück nachdenkt ist nicht selten unglücklich. Und Momente, in denen ich persönlich glücklich war, kann niemand sonst genauso erleben.

IB: Sie unterscheiden ein erfolgreiches von einem gelingenden Leben. Erfolg ist für Sie keineswegs ein Garant für das Glück. Sie glauben sogar, dass ein Mensch der nur auf Erfolg setzt, unvermeidlich unglücklich wird.

Lütz: Genau. Meinen Töchtern habe ich neulich viel Glück gewünscht, aber keinen Erfolg. Sie sollten ihre Fähigkeiten fleißig einsetzen und ob man damit dann Erfolg hat, das hänge von so vielen Zufällen ab, das sei nicht wichtig. Vincent van Gogh war der erfolgloseste Maler aller Zeiten. Seine Bilder waren unverkäuflich, aber diese Genie hat natürlich ein gelungenes Künstlerleben geführt. Josef Stalin war der erfolgreichste russische Herrscher, aber wer wird das Leben dieses Massenmörders ein gelungenes Leben nennen?

IB: Sie zitieren in Ihrem Buch den Heidelberger Philosophen Karl Jaspers, der meinte, dass die Glückssuche das eigentliche Sein des Menschen bedrohe. Dennoch müsse man es“ wagen“ glücklich zu sein. Können Sie diesen widersprüchlichen Gedanken erklären.

Lütz: Jaspers sagt, dass die Grenzsituationen des menschlichen Lebens, also Leid, Schuld, Kampf und Tod unvermeidlich sind. Und wenn man zeigen könnte, wie man in diesen unvermeidlichen Situationen glücklich sein kann, dann kann man natürlich unvermeidlich glücklich werden.

IB: Die meisten Menschen vermeiden es tunlichst zu leiden. Da gibt es den Mann, der seine krebskranke Frau verlässt oder nicht ein einziges Mal im Krankenhaus besucht, weil er mit Leiden nicht konfrontiert werden möchte. Können solche Leidensvermeider glücklich werden?

Lütz: Als ich mein Buch schrieb, konnte ich nicht ahnen, wie aktuell der Gedanke von Jaspers jetzt plötzlich ist, dass man nur im Bewusstsein der unvermeidlichen Krisen eines Lebens, und dazu gehört auch das Leiden, ernsthaft glücklich werden könne. Für wen Glück bloß aus irgendwelchen herstellbaren Glücksgefühlen besteht, die man mit Riechstäbchen erzeugt oder dadurch, dass man die Füße in Champagner badet, wird in unseren Zeiten nicht glücklich, sondern ängstlich.

IB: Kann ein Mensch, der den Gedanken an die eigene Sterblichkeit und der Endlichkeit seines Daseins verdrängt, glücklich sein?

Lütz: Man kann nicht dauernd an seinen Tod denken. Ein bisschen Verdrängen ist ganz normal. Aber wer das tatsächlich systematisch macht, der kann wohl nicht wirklich glücklich werden. Im pompejianischen Bordell waren Totenschädel an die Wände freskiert als Aufforderung: Mensch denke daran, dass du stirbst und lebe jeden Tag lustvoll, carpe diem, pflücke den Tag.

 

Couple holding hands in a wheat field. walking together in the nature

Das Geheimnis wahrer Intimität

Deutschland ist auf dem besten Weg in eine Singlegesellschaft zu werden. Rund 20 Millionen Männer und Frauen zwischen 21 und 60 Jahren sind in Deutschland aktuell partnerlos. Geht die individuelle Freiheit und Autonomie den Deutschen über alles? Das stimmt nicht ganz. Zwar genießen viele nach der Trennung erst einmal ihre Freiheit und verspüren naturgemäß eine große Erleichterung, nach einer gewissen Phase des Alleinseins entsteht bei vielen jedoch wieder der Wunsch nach einer Partnerschaft. Nach wie vor glauben die meisten, dass das Leben gemeinsam viel schöner sei als allein und hoffen darauf, dass sich Probleme oftmals leichter lösen lassen. Manche ahnen und andere haben es auch schon erfahren, dass eben nur zwischen zwei Liebenden „intensive Momente der Begegnung dauerhaft und reproduzierbar entstehen können“.

Sad woman or teenager girl looking through a steamy car window

Raus aus dem Tief: Depression überwinden

Ein depressiver Mensch ist nicht nur hin und wieder traurig oder ab und zu verzweifelt. Das sind Gefühle, die sind normal und gehören zum Menschsein. Es ist ganz normal, wenn man sich schlecht und verzweifelt fühlt und die Stimmung schwankt. „Wer unglücklich in der Liebe ist oder unzufrieden im Beruf und wer vor schwierigen Entscheidungen steht, dreht sich häufig im Kreis, ist gefangen, bedrückt und mag sich an nichts freuen, deswegen ist er aber noch nicht depressiv“, meint Giger-Bütler Diese Zustände seien emotionale Verstimmungen und es gäbe viele Bezeichnungen, um die verschiedenen negativen Gefühlszustände zu benennen. Wenn jemand traurig, niedergeschlagen oder bedrückt, heißt das noch lange nicht, dass jemand depressiv ist. Man sollte deshalb den Überbegriff und das Etikett „Depressiv“ mit Vorsicht verwenden.

Aufgrund seiner langjährigen therapeutischen Erfahrung hat J. Giger-Bütler seine Auffassung von Depression gebildet. „Menschen sind depressiv, die ihr Leben lang geleitet sind, das zu machen, was andere von ihnen erwarten, die immer auf die anderen ausgerichtet sind, die sich zurückstellen, sich übergehen, sich nicht spüren und ernst nehmen, die ständig im Gefühl leben, etwas machen zu müssen (…) Entscheidend für die Depression sind daher Gefühle sich immer nur verpflichtet zu fühlen, nie frei zu sein, immer fremdgesteuert und nie selber entscheiden zu können. Es fehlt diesen Menschen das Grundvertrauen in sich und das Leben, ebenso der feste Boden und der sichere Halt in dieser Welt. Sie fühlen sich heimatlos, überfordert und permanent erschöpft.

 

Das weibliche Herz tickt anders. Bei schwerer emotionaler Belastung kann es sich verformen.

Frauenherzen können brechen

Herzerkrankungen werden bei Frauen oft nicht erkannt. Denn das weibliche Herz stellt die Medizin vor viele Rätsel. Es tickt und leidet anders als das Männerherz – und kann bei seelischem Schmerz tatsächlich brechen.

Viele Frauen meinen auch heute noch, dass Herzinfarkt reine Männersache sei. Ein Irrglaube. Wie die aktuellen Zahlen der deutschen Herzstiftung belegen, sterben Frauen inzwischen sogar häufiger an Herzerkrankungen als Männer. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Frauen haben bedauerlicherweise die schlechten, sprich gesundheitsschädigenden Gewohnheiten der Männer übernommen. Sie rauchen, ernähren sich ungesund, und bewegen sich viel zu wenig. Die Folge sind Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte, die in der Folge zu Kalkablagerungen und somit zu einer Verengung der Herzkranzgefäße führen. Übergewicht und Diabetes tun ihr übriges. Aufgrund der chronischen Doppelbelastung in Beruf und Familie sind sie häufig besonders gestresst; diese psychosozialen Faktoren treiben wiederum den Blutdruck in die Höhe und führen zu einem ungesunden Lebensstil. All diese Risikofaktoren wirken sich auf das Frauenherz weitaus fataler als bei Männern aus. Vor allem Nikotin ist pures Gift für das weibliche Herz. Wenn Raucherinnen auch noch die Antibabypille nehmen, erleiden sie immer öfter schon im mittleren Alter zwischen 40 und 50 Jahren einen Infarkt, obwohl sie eigentlich bis zu den Wechseljahren durch das Hormon „Östrogen“ gut vor einer Verengung der Herzkranzgefäße, sprich vor einer koronaren Herzkrankheit (KHK) geschützt sind. Nach den Wechseljahren nimmt das Herzinfarktrisiko bei Frauen rasant zu. Deshalb ist es wichtig, dass Frauen ab Mitte Fünfzig auf ihren Blutdruck achten, weil dieser nach der Menopause sehr schnell ansteigen kann.

Frauen spielen Beschwerden herunter

Obwohl in den letzten 30 Jahren die Zahl der Frauen, die an einem Herzleiden erkranken, angestiegen ist, wiegen sich die meisten Frauen in trügerischer Sicherheit. Tatsächlich scheinen die meisten schlichtweg nicht damit zu rechnen. Weitaus mehr fürchten sie sich davor, Krebs, insbesondere Brustkrebs zu bekommen. Dabei sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht aber Krebs bei deutschen Frauen die führende Todesursache. Beschwerden, die auf Herzprobleme hinweisen, führen sie regelmäßig auf andere Ursachen zurück. Zudem nehmen sie diese selbst meist nicht besonders ernst. „Frauen suchen zwar in der Regel schneller den Arzt auf, aber zugleich neigen sie dazu, beim Arztbesuch ihre Beschwerden eher herunterzuspielen“, schreibt der Arzt Dr. med. Mohsen Radjai in seinem aktuellen Buch „ Bleiben Sie herzgesund“. Außerdem traurig aber wahr: Aufgrund der diffusen Beschwerden erkennt er aber die Durchblutungsstörung am Herzen nicht. „Zudem finden sich im Herzkatheter regelmäßig keine Verengung und Verkalkung der großen Herzkranzgefäße“, so der Arzt. Denn bei ihnen sind im Gegensatz zum anderen Geschlecht oftmals die kleinen, haarfein verästelten, tief in das Herz hineinreichenden koronaren Gefäße betroffen. „Verengungen sind in diesen Gefäßen mit bildgebenden Verfahren nicht diagnostizierbar. Diese Haargefäße kann man nicht mit einem Katheter, sondern nur medikamentös-symptomatisch behandeln“, erklärt Herzexperte Radjai.

Das gebrochene Herz gibt es wirklich, aber fast nur bei Frauen

Großer seelischer Stress und Kummer können den Frauenherzen stärker zusetzen als Männern. Japanische Mediziner beobachteten schon vor rund zwanzig Jahren ein Leiden, das vorwiegend bei Frauen im Alter von 65 bis 75 Jahren auftritt. In der westlichen Medizin ist es als „Broken-Heart-Syndrom“ bekannt. Die Symptome ähneln einem Herzinfarkt und treten meist nach sehr einschneidenden emotionalen Belastungen auf, etwa nach einer Trennung, Kontaktabbruch oder dem Tod eines geliebten Menschen. Auch die Mitteilung, selber an einer schweren unheilbaren Erkrankung zu leiden, kann Symptome hervorrufen, die einem Scheininfarkt gleichen, aber nicht weniger dramatisch wie ein echter verläuft. Nach dem Schock werden Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt und lösen eine Herzmuskelversteifung aus. Der gelähmte Muskel pumpt kaum noch und bläht sich an der Spitze wie ein Ballon auf. Das Herz verformt sich regelrecht. Die gute Nachricht: Im Unterschied zum Herzinfarkt funktioniert die Herzdurchblutung, so dass in den meisten Fällen die Erkrankung nicht tödlich ist. Sie muss aber sofort intensimedizinisch behandelt werden. „Derzeit gibt es keine klassischen Diagnostikkriterien, die das sogenannte „Broken Heart Syndrom“ klinisch beweisen“, erklärt der Internist Radjai. An der Medizinischen Hochschule Hannover arbeitet man jedoch an der Erstellung eines Bioparameters. Sofern es den Wissenschaftlern gelingt in ihren Versuchsreihen, den Biomarker „Mikro RNA“ nachzuweisen, muss als nächstes überprüft werden, wie valide und sensitiv dieser Marker ist. „Und das kann noch dauern, so Radjai.

Frauen vertragen Medikamente nicht so gut

Wenn eine koronare Herzerkrankung oder auch Herzinsuffizienz zu spät erkannt wird, kommt man dennoch meist nicht mehr an einer schulmedizinischen medikamentösen Behandlung vorbei. In der Regel werden Beta Blocker verordnet, die das Herz vor überstarker Belastung schützen. Sie verlangsamen den Puls und verringern den Sauerstoffverbrauch. Dabei erhält eine zierliche Frau zur Behandlung nach einem Herzinfarkt dieselbe Dosis eines Medikaments wie ein 100 Kilo schwerer Mann. Der Grund: Frauen nehmen an Zulassungsstudien selten teil. Dabei ist längst bekannt, dass Frauen auf Medikamente anders und stärker reagieren. So wirken bei Frauen die Inhaltsstoffe der Beta-Blocker länger und intensiver, weil ihre Leber sie nur langsam abbaut. Häufig treten bei ihnen Nebenwirkungen auf.

Wie Frauen Ihr Herz schützen können

Mit einem gesunden Lebensstil kann man viel für seine Herzgesundheit tun. Optimal ist es, drei Mal in der Woche 30 Minuten Ausdauersport zu treiben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt sogar fünf Mal wöchentlich ein Herz-Kreislauftraining von jeweils einer halben Stunde. Puls und Atmung dürfen dabei soweit beschleunigt sein, dass man noch gerade sprechen kann. Sinnvoll ist es auch, den Salzkonsum zu reduzieren und nicht mehr als fünf Gramm täglich zu sich zu nehmen. Es empfiehlt sich, sein Geld frühzeitig in hochwertige frische Lebensmittel zu investieren anstatt in teure Nahrungsergänzungsmittel, so Radjai. Ein isoliert eingenommenes Vitamin oder Mineral kann niemals im Organismus dieselben komplexen Reaktionen im Körper auslösen wie der in einer frischen Paprika oder einem Apfel enthaltene Nährstoff-Cocktail. Zusätzlich kann man einer Arteriosklerose und hohen Cholesterinwerten mit dem Verzehr von Seefisch vorbeugen. Radjai empfiehlt zwei Mal wöchentlich Seefisch zu essen, da sich der Verzehr positiv auf den Fettstoffwechsel und somit auf die Blutfettwerte auswirkt. Auch kaltgepresstes Pflanzenöl, allen voran Olivenöl, wie überhaupt eine traditionell mediterrane Kost, wirken sich nachweislich positiv aufs Herz aus.

Kaliummangel kann Ursache von Herzrhythmusstörung sein

Sofern Frauen an einer Herzerkrankung leiden, rät die Deutsche Herzstiftung Betroffenen regelmäßig ihren Kalium- und Magnesiumspiegel kontrollieren zu lassen. „Denn zu niedrige Werte im Blut können Herzrhythmusstörungen auslösen, die den Herzmuskel je nach Vorerkrankung teilweise deutlich schwächen“, heißt es in einer Pressemitteilung der deutschen Herzstiftung. Allerdings rät der Verein auch davon ab, präventiv regelmäßig Kalium und Magnesium einzunehmen, wenn kein Mangel nachgewiesen wurde. Grundsätzlich sollten Kalium- und Magnesiumpräparate nur zum Einsatz kommen, wenn die Blutwerte auch tatsächlich Anlass dafür geben. Man kann also nicht mit der Einnahme von Kalium einer Herzerkrankung einfach vorbeugen. „Zu viel Kalium kann sogar schädlich sein“, so Radjai „deren Einnahme kann bei vorgeschädigten Nieren sogar zu Herzrhythmusstörungen führen“.

Deutsche Herzstiftung e.V. www.herzstiftung.de

Worauf Frauen für einen besseren Schutz vor Herzinfarkt besonders achten sollten, erläutert der neue Experten-Ratgeber der Deutschen Herzstiftung „Herz in Gefahr“. Sie können ihn unter www.herzstiftung.de/KHK-sonderband.html oder telefonisch unter 069 955128-400 anfordern.

 

Enders im Labor

Darm ohne Scham

Fast jeder vierte Deutsche leidet regelmäßig an Verdauungs- und Darmproblemen. Sanieren, reinigen oder die Darmflora aufbauen, raten viele. Doch was tut dem endlos langen Rohr wirklich gut?

Über den Darm, seine seltsamen Bekundungen und sonderbaren Ausscheidungen zu reden, ist den meisten Menschen einfach nur peinlich. Doch der Verdauungstrakt scheint viele Menschen insgeheim zu faszinieren. 700.000 Mal wanderte die Buchneuheit „Darm mit Charme“ über den Ladentisch. Für Giulia Enders, die junge Autorin des erfolgreichen Frühjahrstitels, ist der Darm ein völliges Ausnahme-Organ.

Geradezu mitreißend berichtet die 24-jährige von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in einer Sprache, die Medizin endlich mal greifbar macht. Unser „Verdauungsrohr“, wie sie den Darm salopp bezeichnet, bilde zum Beispiel nicht nur zwei Drittel des Immunsystems, sondern produziere auch mehr als 20 Hormone. Bis heute ist der Darm ein weitgehend unerforschtes Terrain und werde von der Forschung geradezu stiefmütterlich behandelt, beklagt Enders.

 

 

Der Darm gibt den Menschen bis heute Rätsel auf

Das ist in der Tat schwer zu verstehen, entscheidet doch kaum eine Organfunktion so spürbar über unser alltägliches

Wohlbefinden wie der Darm, sprich unsere Verdauung. Und um die ist es des Öfteren nicht gut bestellt. Jeder vierte Deutsche leidet regelmäßig

unter Verdauungsbeschwerden. „Häufig kann man keine organische Ursache finden, 20 bis 30 Prozent meiner Patienten, die wegen Darmbeschwerden kommen, haben nur funktionelle Beschwerden“, erklärt der Gastroenterologe Professor Dr. med. Roman Huber, Leiter des Unizentrums für Naturheilkunde der Universität Freiburg. In all diesen ungeklärten Fällen spricht die Medizin von Reizdarm-Syndrom, Colon irritable genannt.

Abb.1_ohne R._3mm Abb.3_mit R

Wehner, Alexander-Technik_Seite_31_Bild_0002

Wieder locker auf dem Hocker: Mit der Alexander Technik

Rückenprobleme, Gelenkschmerzen und Verspannungen können einem den Spaß an der Bewegung ganz schön verderben. Die Alexander-Technik zeigt, wie man sich optimal bewegt.

Schon das Geschirr im Oberschrank einzuräumen, fällt Maria Reimers schwer. Ihr Tennisarm macht sich dann sofort bemerkbar. Obwohl sie eigentlich sportlich ist und jahrelang Pilates praktiziert und Badminton gespielt hat, vermeidet sie bestimmte Bewegungen. So wie der gelernten 43-Jährigen Medizintechnischen Assistentin geht es vielen Menschen.

Ob Treppen steigen, laufen oder aufstehen, ganz alltägliche Bewegungen empfinden sie als anstrengend oder belastend. Selbst beim Sitzen sind sie, sprich ihre Muskeln nicht mehr richtig entspannt. Wie kommt es dazu, dass die selbstverständliche Leichtigkeit des Seins auf der Lebensstrecke bleibt? „Schon während der Schulzeit verlernen viele, wie sie ihren Körper und ihre Haltemuskulatur den jeweiligen Bewegungsabläufen entsprechend richtig einsetzen“, sagt Anne-Christin Hansen, Schauspielerin und Expertin der Alexander-Technik. Es ist längst allgemein bekannt, dass Bewegungsmangel, falsches Sitzverhalten bei vielen Schulkindern zu Haltungsfehlern führen. Keiner achtet darauf, ob sie ihren Griffel richtig halten oder ob ihr Kopf während des langen Sitzens oder Schreibens noch richtig auf der Wirbelsäule ruht. Anweisungen wie „Sitz gerade“ oder „mach kein Hohlkreuz“ helfen da wenig. „Selbstkorrektur ist wenig zielführend, denn der Betreffende weiß ja gar nicht, wie und mit welchen Mitteln er das machen soll“; erklärt A.-C. Hansen, die sich selbst federleicht durch die Welt zu bewegen scheint. Die Gefahr, dass sich dabei die Fehler sogar verfestigen und sich weitere Fehler einschleichen, ist deshalb groß. Man komme dann ins „doing“, erklärt die quirlige Hansen, aber ihrem Lehrer Alexander, dem Erfinder der gleichnamigen Methode sei es hingegen gerade ums „Non doing“ gegangen.

Nichtstun ist jedoch viel schwieriger als man glaubt. Vor allem bei Stress oder bei Prüfungsangst und anderen emotional und psychisch belastenden Situationen reagieren unsere Nerven und damit unsere Muskeln und unser Körper wie ein Automat, reflexartig. Leicht und schnell kann es dabei geschehen, dass dabei unwillkürlich auch falsche Muskeln angespannt werden. Geschieht dies öfter, können dadurch das innere Balancesystem und somit die natürlichen Bewegungsabläufe nachhaltig gestört werden. Die Haltung verändert sich und die Koordination des Körpers läuft nicht mehr reibungslos ab. Ob nun Tennisarm, Nackenverspannungen oder der immer häufiger diagnostizierte Beckenschiefstand, so gesehen sind viele dieser Beschwerden Folge falscher Bewegungsgewohnheiten.

„Das Richtige geschieht von ganz allein, wenn man mit dem Falschen aufhört“

Dagegen kann man weder mit starren Trainings-Programmen noch mit Yoga- oder Pilates-Übungen etwas ausrichten. Frederick Matthias Alexander (1869 – 1955), Erfinder der gleichnamigen Technik, war überzeugt, dass eine Veränderung die bewusste Wahrnehmung unseres Fühlens und Denkens voraussetzt. Wie das funktioniert, zeigt mir Alexander-Lehrerin Hansen. Während ich auf dem Stuhl sitze, fordert sie mich auf, die Hand meines linken herabhängenden Arms zu einer Faust zu ballen. Automatisch folge ich ihrer Direktive. Nach nur wenigen Sekunden darf ich sie wieder öffnen und soll den Auswirkungen der Anspannung nachspüren. Tatsächlich kann ich sogar bis in den Nacken hinauf die Nachwehen der kurzen Verkrampfung fühlen. Es scheint ewig zu dauern, bis die Muskulatur wieder einigermaßen locker ist. Ich begreife, dass es offensichtlich viel schwerer ist, los zu lassen als reflexartig irgendwelche Muskeln anzuspannen. Wem es gelingt, bei bestimmten Signalen nicht immer automatisch zu reagieren, hat schon einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. „Innehalten“ heißt deshalb eines der Zauberworte Alexanders. Und das sollte man immer dann tun, wenn man merkt, dass bestimmte Gewohnheiten und Muster dazwischen funken. Laut Alexander geschieht das Richtige von ganz allein, wenn man mit dem Falschen aufhört.

 

Eine andere neue Haltung gewinnen

Vor allem die Beziehung von Kopf, Hals und Rumpf war Alexanders Meinung nach für eine gute Koordination aber auch für eine freie Atmung die wichtigste Voraussetzung. Er selber hatte am eigenen Leib zu spüren bekommen, welch verhängnisvolle Kettenreaktion und wie viele Störungen eine nur minimale Verschiebung der Kopfhaltung nach sich ziehen konnte und wie diese die gesamte Körperorganisation durcheinander brachte. Als junger Mann hatte der Australier sich in der Kunst des Rezitierens ausbilden lassen. Da es im 19. Jahrhundert noch keine Lautsprecher gab, mussten die Vortragenden frei und mit kraftvoller Stimme sprechen. Seine Stimme versagte aber immer wieder beim Rezitieren. So sehr er sich auch bemühte, spätestens zum Ende des Vortrags wurde er heiser. Der Arzt, den er konsultierte, diagnostizierte eine Reizung der Schleimhäute in der Kehle und eine Entzündung der Stimmbänder. Er riet seinem Patienten, seine Stimmbänder zu schonen. Trotz Genesung traten die Symptome jedoch wieder auf. Alexander war sicher, dass er etwas mit seiner Stimme tat, was ihr schadete. Da der Arzt keinen Rat mehr wusste, entschied sich der junge Mann, den Grund selbst herauszufinden und begann deshalb vor einem Spiegel sein Verhalten während es Vortrags zu beobachten und zu studieren. Erstaunt stellte er fest, dass er den Kopf ständig nach hinten zog, während er sprach und dabei die Brust nach vorn reckte. Dabei krümmte sich wiederum die Wirbelsäule und verkürzte den unteren Rücken. Die Beine versteiften sich und die Zehen drückte er gegen den Fußboden. Er fand es merkwürdig, dass ihm diese Fehlstellung überhaupt nicht bewusst war. Der Shakespeare Rezitator war sogar davon überzeugt, sich ganz natürlich zu verhalten und zu bewegen. Offensichtlich konnte er sich auf sein subjektives Körpergefühl nicht verlassen.

Vom richtigen Gebrauch des Selbst

Deshalb entwickelte der Australier Methoden (the means whereby), um die natürlichen Bewegungsabläufe zu reaktivieren und neue Reaktionsmöglichkeiten einzuüben. Mit kleinen Berührungsimpulsen, etwa einem Streicheln oder geführten Bewegungen sowie durch verbale Anweisungen zeigt der Lehrer seinem Schüler, wie er seine Bewegungen und Handlungen so verändern kann, dass er mit gut ausbalancierter Muskelspannung, freien Gelenken, freien Atem seinen täglichen Aufgaben und Aktivitäten nachgehen kann. Die Hamburger Lehrerin der Alexander-Technik (AT), Anne-Christine Hansen, hat mich nochmals auf einen Stuhl Platz nehmen lassen. Ich soll selbst erfahren und begreifen, wie sie dabei zu Werke geht. Mit ihren Händen streicht sie mir über die parallel aufgestellten Füße. Dabei gibt sie pausenlos Anweisungen, fordert mich beispielsweise auf, den Boden unter meinen Füßen wahrzunehmen. Fast augenblicklich spüre ich eine Entlastung. Denn ich merke plötzlich, dass die Schwerkraft mich nicht nur hinabzieht, sondern dass ich vom Boden auch getragen werde. Danach richtet sie meine Knie und auch meinen Schultergürtel aus, streicht und drückt immer wieder sehr sanft über bestimmte Körperpartien. Gelegentlich sagt sie, während sie spricht, ganz verrückte Dinge, wie beispielsweise „Ihre Arme stützen Ihre Schultern“ und fügt munter hinzu, dass es ja nicht stimme, dass unsere Schultern immer alles allein tragen müssten. Als ich nach zehn Minuten aufstehen darf, merke ich, wie mein Kopf mühelos auf dem obersten Wirbel schwebt. Beim Gehen stupst sie meine Unterarme an, damit sie locker mitschwingen. Ich beginne zu ahnen, dass man sich auch ohne besonderen Kraftaufwand, ja spielend leicht bewegen kann – ob nun beim Gehen, beim Laufen oder auch beim Sprechen. Es ist gar nicht so schwer: man muss nur lernen, mit sich und seinen eigenen Kräften ökonomisch, bewusst und somit sinnvoll umzugehen.

„Der Erfolg von Sportlern basiert ja zum Großteil auch auf ihrer außerordentlichen Fähigkeit, ihre Muskeln optimal einzusetzen“, erklärt Hansen, die mit Ende 20 auf die Alexander-Technik stieß. Der jungen Schauspielerin gelang es mithilfe dieser Methode schließlich ihr Lampenfieber zu überwinden, unter dem sie bis dahin furchtbar gelitten hatte. „Ich fand es ganz toll, dass ich dank dieser Technik auch in der Bewegung und beim Sprechen in Verbindung bei mir sein und bleiben konnte“, erklärt sie begeistert. Viele Schauspieler praktizieren diese Körperarbeit. Schließlich ist das Instrument des Schauspielers sein Körper und seine Stimme. Die Alexander-Technik hilft ihnen dabei, es zu stimmen, sich zu öffnen und Resonanz zu bewirken. Auch Musiker, Tänzer und Sportler, im Prinzip all jene, für die berufsbedingt ein reibungsloser und optimaler Bewegungsablauf und gute Körperkoordination außerordentlich wichtig sind, gehören zu der Fangemeinde dieser alt ehrwürdigen Methode. Sie hilft ihnen, sich selbst besser wahr zu nehmen und innerlich gelöster zu sein. Mit Meditation hat das übrigens nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: „es gehe darum, präsent zu sein, und zwar gleichermaßen bei sich im Innenraum als auch im Außenraum“, so Hansen.

Die Ausbildung ist langwierig

Bevor sie vor vielen Jahren AT-Lehrerin wurde, musste sie 1600 Ausbildungs-Stunden absolvieren. Mittlerweile kann sie auf einige Behandlungserfolge zurückblicken. So berichtet sie von einem Golfer, der nach einigen Sitzungen sein Handicap enorm verbessern konnte. Quasi schlagartig saß jeder Schlag. Ein anderer Klient, der fast nur noch krabbeln konnte, sei heute ein begeisterter Bogenschütze und selbst Lehrer der Alexander-Technik. „Das ist dann wie Wunderheilung“, meint die Lehrerin, die im Nebenberuf auch Sprach- und Stimmtrainerin ist. Nicht immer kommt es zu derart spontanen Veränderungen, meist stellen sie sich nur nach und nach ein.

Die Alexander-Technik konnte vor allem bei der Linderung von Rückenschmerzen große Erfolge verzeichnen. Aber auch bei Schulter- und Nackenschmerzen, Verspannungen aller Art und Gelenkschmerzen kann diese Lernmethode nachweislich helfen. Doch man kann sie auch getrost all jenen empfehlen, die ihre Beweglichkeit, ihre Atmung und ihre Koordination im Alltag verbessern möchten. Also endlich wieder spüren wollen, dass Bewegung Spaß machen kann, selbst wenn man Fenster putzen muss. Oder die einfach mal wieder eine Straße entlang hüpfen wollen. Einfach so!

Freude an ungewohnten Bewegungen

Die Lust an freier Bewegung

 

Möchten Sie aus Ihrem alten Leben auch ab und zu ausbrechen und mal etwas ganz Anderes machen und Neues erleben? Der Kurs „Movement unknown“ bietet genau das. Man lernt dabei, sich zu guter Musik, wieder frei zu bewegen. Eine spannende Selbsterfahrung, die zufrieden macht und Selbstvertrauen schenkt.

 

Ein merkwürdiger Tanz ist das! Die Bewegungen, die die fünf Frauen zu rhythmischer Musik machen, sehen irgendwie skurril aus. Weder gibt es eine Schrittfolge noch sind ihre Bewegungen synchron. Jede Frau scheint ihren eigen inneren Impulsen zu folgen. Die Bewegungen wirken exzentrisch, ausdrucksstark, manche Gesten sind poetisch andere martialisch. Vielleicht handelt es sich ja um eine Art Tanztheater, denke ich. Eine Frau im türkisfarbenen Outfit schleicht sich wie ein Panther auf leisen Sohlen heran. Die Schultern leicht nach vorn gebeugt, die Finger gespreizt, scheint sie bereit zum Sprung zu sein. Auch wenn nicht alle Bewegungen ästhetisch sind, eines ist klar: diese nicht alltäglichen Bewegungen erfordern Koordinationsvermögen, Konzentration und Selbstgefühl. Das, was die fünf Frauen dort oben auf dem Tanzboden zeigen und betreiben, ist ein Training nach der Grinberg-Methode. „Movement unknown“ oder „Stopping Movement“ heißen die Kurse, zu Deutsch „Unbekannte oder gestoppte Bewegungen“. Angebote gibt es bislang in Berlin, Hamburg, Köln und Essen.

Das Hamburger Stadtfest Altonale ist für Trainerin Christine Gundlach eine gute Gelegenheit, einigen Menschen dieses sehr spezielle Körpertraining nahe zu bringen. Am Ende der Aufführung fordert die 41-Jährige die Zuschauer zum Mitmachen auf. Doch viele zögern und wissen nicht, was sie tun sollen. Offenbar ist es ist gar nicht so einfach, sich anders als wie gewohnt zu bewegen.Raus aus dem alten Storyboard

Der Israeli Avi Grinberg, der Erfinder des Körpertrainings „Movement unknown“ hatte sich früh für den menschlichen Bewegungsapparat interessiert. Seit seinem 16ten Lebensjahr hatte er sich intensiv mit Zen-Meditation, östlicher Kampfkunst und den verschiedensten Massagetechniken beschäftigt. Nachdem er als Sanitäter in der israelischen Armee tätig war, arbeitete er als Heiler weiter. Offenbar hatte er ein intuitives Gespür, wie man Schmerzen und Beschwerden lindern konnte. Doch er machte immer dieselbe frustrierende Erfahrung: Nur wenige Monate nach der Behandlung kehrten seine Klienten zu ihm zurück. Meist hatten sich deren Beschwerden und Symptome sogar verschlimmert. Seiner Ansicht nach, konnte es dafür nur einen Grund geben: Sie hatten sich einfach wieder genauso stereotyp wie zuvor bewegt und verhalten: bei Stress immer auf die gleiche ermüdende Art und Weise reagiert, wie fixiert am Schreibtisch gesessen und in derselben eigentlich unentspannten Position geschlafen. „Der Körper hängt wie in einem alten Storyboard drin und kann da nicht raus“, erklärt Trainerin Christine Gundlach. Aufgrund der sich wiederholenden Bewegungs- und Verhaltensmuster kommt es deshalb auch immer wieder zu einem Ungleichgewicht im Körper, das auch chronische Schmerzen verursachen kann. Avi Grinberg wurde klar, dass sich der Gesundheitszustand seiner Klienten nur dauerhaft bessern konnte, wenn sie ihre Bewegungsgewohnheiten veränderten und durchbrachen.

Spinnennetz mit Tautropfen auf einem schönen Hintergrund

Faszien: Faszinierendes Netzwerk

Mittlerweile ist klar, dass die Bedeutung der Faszien völlig unterschätzt wurde und das Gewebe mehr ist als eine Art Füllstoff, das den menschlichen Körper als Ganzes zusammen hält und nach außen hin schützt. Auch haben die Fasern nicht allein die Aufgabe, Organe, Muskeln und Sehnen in Position zu halten. Vielmehr sind sie ein hochsensibles Sinnesorgan, ausgestattet mit vielen Rezeptoren und Nervenendigungen, die Informationen schnell vermitteln und weiterleiten. Experten sagen, dass sie sieben Mal so viele Nerven enthalten als Muskeln oder Gelenke. Die Gewebsfasern haben einen großen Einfluss auf unser gesamtes Bewegungssystem und können blitzschnell Kräfte aufnehmen und verteilen. Für den Humanbiologen Dr. Robert Schleip sind die Faszien deshalb das Zentralorgan für die Körperwahrnehmung. Die dicht mit Rezeptoren besiedelten Faszien bilden eine Brücke zwischen Aktivität unserer Muskeln und Emotionen und stehen in ständiger Verbindung zum Gehirn und melden diesem über das Rückenmark ständig alle möglichen Eindrücke.