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Die Philosophin Rebekka Reinhard im Gespräch

Bin ich schön?

Die Philosophin Rebekka Reinhard über das gängige Schönheitsideal, die Übermacht
der schönen Bilder und wie es gelingen kann, sich davon frei zu machen.
Und sie weiß, warum ein Museumsbesuch die beste Typberatung sein kann.

Inge Behrens: Frauen neigen dazu, ihr Aussehen auch gegen ihre innere Überzeugung mit den Photoshop-bearbeiteten Bildern junger Models und Schauspielerinnen zu vergleichen. Viele Frauen empfinden sich deshalb als hässlich. Wie können Frauen sich von dieser Übermacht der Bilder befreien?

Rebekka Reinhard: Wir sollten uns erst mal klar machen: Diese Bilder  transportieren keine wertneutrale Wirklichkeit, sondern basieren auf einer raffinierten Marketingstrategie, die uns dazu verführen soll, verstärkt in Kosmetika und Beauty-Behandlungen zu investieren. Die Schönheit einer Frau besteht nie nur in ihrem Äußeren, sondern in dem subtilen Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist. Wahre Schönheit ist nicht einfach die Summe irgendwelcher wohlproportionierter Einzelteile. Sie basiert entscheidend auf der Persönlichkeit ihrer Trägerin; sie zeigt sich in bestimmten Gesten oder Blicken einer realen Person, und nicht auf irgendwelchen Hochglanzfotos.

IB: Ein Körper oder ein Gesicht werden heute wie ein kostbarer  Besitz gehandelt. Wie sie schreiben, glauben viele Frauen an die Machbarkeit von Schönheit und betrachten sich damit selbst als ein verbesserungswürdiges Objekt. So manche Frau spricht ja nicht von ungefähr vom eigenen Marktwert. Wie wirken sich solche  Gedanken auf das Selbstwert-Gefühl aus?

Rebekka Reinhard: Eindeutig negativ! Heute gilt Schönheit nicht mehr als  Geschenk der Natur, sondern als Leistung. So nach dem Motto: Wer zeigt, was er  hat, zeigt, was er kann. Das ist fatal. Die übertriebene Beschäftigung mit dem eignen Körper führt ja nur dazu, dass man immer neue Makel entdeckt und immer unzufriedener mit sich wird. Man glaubt, man könne nur dann wirklich glücklich sein, wenn man perfekt wäre. Darüber vergisst man allerdings schnell: Ein glückliches, schönes Leben ist eine Frage der Einstellung, und nicht eineFrage  des Idealgewichts.

IB: Sie sagen; wer sich ständig im Spiegel betrachtet, erhält nur ein unvollständiges Bild seiner eigenen Person. Spiegel seien ziemlich blind. Sollten wir alle Spiegel verhängen oder aus den Umkleidekabinen verbannen?

„Ein glückliches, schönes Leben ist eine Frage der
Einstellung, und nicht eine Frage des Idealgewichts.“

Rebekka Reinhard: Eine Welt ohne Spiegel, das ist eine lustige Vorstellung! Das Problem mit Spiegeln ist, dass sie uns nur immer die Makel zeigen, womöglich einen Pickel auf der Nase; aber nie das, was wir sind: Menschen mit ganz besonderen unverwechselbaren inneren Qualitäten. Daher sind Spiegel auch nicht die besten Moderatgeber. Mein Tipp wäre, mal einen Gang durchs Museum zu wagen und sich von den großartigen Frauen der bildenden Kunst inspirieren zu lassen. Das ist eine wirklich lohnende ‚Typberatung‘!

IB: An welche Frauen der bildenden Kunst denken Sie denn da?

Rebekka Reinhard: ….die Rubensfrauen, Frauendarstellungen von Watteau oder Franz von Stuck –  grundsätzlich alle, die nicht in das Klumsche Beuteschema fallen…

IB: Was macht denn nun eine Frau schön?

Rebekka Reinhard: Ihr Innenleben, das im Laufe der Zeit immer mehr durch die  Oberfläche hindurchscheint. Für mich sind Eros und Charisma Schönheitssignale,  die erst bei reiferen Frauen so richtig zur Geltung kommen. Erst wenn man wirklich viel erlebt, geliebt und erlitten hat, wenn man sich selbst und die Wirren des Lebens so richtig kennengelernt hat, kommt diese spezielle weibliche Ausstrahlung zustande. Eine Frau wird nicht dadurch schön, dass sie ihre Falten in Schach hält – sie wird schön, indem sie Mut zum Leben beweist und auch mal ordentlich auf den Putz haut. 

IB: In Ihrem Buch hinterfragen Sie den derzeit geltenden Klummschen Schönheits-Begriff der westlichen Welt und erklären, dass Frauen, die sich ihrer Schönheit allzu sehr bewusst sind, eigentlich nicht schön sein können. Es fehle diesen Frauen die Nonchalance und die Selbstvergessenheit, um anmutig und graziös zu sein.

Rebekka Reinhard: Die leistungsorientierte, kalkulierte Schönheit hat immer etwas Starres, Verbissenes an sich. Sie ist mehr Rüstung als Zauber. Anmut dagegen entsteht aus Selbstvergessenheit. Das hat nichts mit mangelndem  Selbstwertgefühl zu tun – im Gegenteil. Nur eine wirklich selbstbewusste Frau hat die Größe, sich auch mal ab und zu selbst zu vergessen, indem sie sich mit  Dingen beschäftigt, die wesentlich interessanter sind als die Dellen auf ihren Oberschenkeln und die sie innerlich bereichern. Wie Lesen, Musikhören, Meditieren und andere kontemplative Tätigkeiten, die der Schönheit der Seele sehr zuträglich sind.

 

 

Chronische Schmerzen überwinden

Beim chronischen Schmerzsyndrom ist es für Patienten schwer, ärztlichen Rat zu finden. Dr. Dominik Irnich blickt bei der Behandlung dieser komplexen Krankheit auf den ganzen Menschen.

Zwei bis drei Millionen Menschen leiden hierzulande am chronischen Schmerzsyndrom, einer eigenständigen Erkrankung, die sich vom ursprünglichen Schmerzereignis abgekoppelt und verselbstständigt hat. Für das Gesundheitsmagazin natürlich gesund und munter sprach die Gesundheits-Journalistin Inge Behrens mit dem erfahrenen Schmerztherapeuten, der sich für ein humanistisches und ganzheitliches Verständnis chronischer Schmerzen einsetzt.

Wann sprechen Sie und Ihre Kollegen von einem chronischen Schmerzsyndrom?

Dr. Irnich: Wenn der Schmerz auf körperlicher Ebene nicht beseitigt werden kann und zu massiven Einschränkungen führt, sodass er Eingang in Beruf, Freizeit und Beziehungen gehalten hat; wenn also die Schmerzen überhand gegenüber dem täglichen Leben nehmen. Menschen, die ihre Schmerzen ohne Alltagseinschränkung im Griff haben, etwa Rheumatiker,
zählen nicht zu den chronischen Schmerzpatienten.

Viele Patienten mit chronischen Schmerzen finden keine adäquate ärztliche Unterstützung. Woran liegt das?                                                                                                                                             

Dr. Irnich: Viele Ärzte betrachten Schmerz monokausal als ein rein biologisches Problem, das man auch nur biologisch behandeln kann. Es erfordert jedoch ein komplexes Denken und Verständnis, das wiederum viel Zeit und Arbeit beansprucht. Und dafür sind die gesundheits- und sozioökonomischen Rahmenbedingungen nicht gegeben.

In Ihrem Buch „Den Rücken heilen“ (Irisiana Verlag) berichten Sie von einem Schmerz-patienten, der erfolglos zahlreiche Ärzte konsultierte und sich fünf Kernspintomografien und einer OP unterzog. Was hätten die Ärzte tun müssen, um der Chronifizierung des Schmerzes vorzubeugen?                                                                          

Dr. Irnich: Bei akuten Schmerzen muss der Arzt gemäß der nationalen Versorgungsleitlinie klären, ob es eine eindeutige körperliche Ursache gibt, die beseitigt werden kann. Er muss ausschließen, ob ein Wirbelbruch, Rückenmarkmetastasen oder etwa ein echter Bandscheibenvorfall mit Lähmung vorliegt. Um das festzustellen, ist eine Befragung und körperliche Untersuchung meist völlig ausreichend. Dazu gehört auch, sich als Arzt ein umfassendes Bild über die psychosoziale Belastungssituation zu machen. Ein Patient mit akuten Schmerzen, der Angst um seinen Arbeitsplatz hat, eine starke Wut in sich trägt oder erschöpft ist, kann leichter an einem chronischen Schmerzsyndrom erkranken. In dem von Ihnen genannten Fall hat sich kein Arzt Zeit für den Menschen genommen, stattdessen wurde radiologische Diagnostik betrieben. Die braucht man jedoch nur, wenn man einen konkreten
Verdacht hat. In 95 Prozent der Fälle sind Rückenschmerzen aber unspezifisch und können nicht auf eindeutige Ursachen zurückgeführt werden. Das heißt, es sind Funktionen gestört, was auch sehr weh tun kann. Aber die Gerätemedizin hilft da bei der Diagnostik nicht.

Welche Bedeutung bei der Chronifizierung von Schmerzen haben Emotionen und seelische Probleme?

Dr. Irnich: Seelische Probleme spielen eine Rolle. Doch ist es wichtig zu verstehen, dass chronischer Schmerz nicht rein psychisch ist. Selbst ein heftiger Seelenschmerz kann zu Funktionsstörungen des Körpers führen und irgendwann sogar seine Struktur verändern. Am Schluss setzt sich der Schmerz immer dorthin, wo der geringste Widerstand ist. Daher kann sich ein chronisches Schmerzsyndrom auch überall im Körper entwickeln. Eine meiner Patientinnen beispielsweise leidet an einem chronischen Gesichtsschmerz. Angefangen hat das, als sie vor zehn Jahren eiskaltes Wasser getrunken hat, was kurz stärkste Zahnschmerzen verursacht hat. Als emotionale Belastungen und Verspannungen hinzukamen, hat sich der Körper beim Zähnepressen an diesen Schmerz erinnert und sich so einen Weg gebahnt, hin zum chronischen
Schmerz. Hat sich der Schmerz einmal den schnellen Zugang ins Gehirn und damit ins Bewusstsein gebahnt, werden über diesen Schmerzweg eben auch persönliche Konflikte,
Emotionen, Belastungen und Überlastungen ausgedrückt.

Gibt es bestimmte Risikofaktoren, die eine Chronifizierung von Schmerzen begünstigen?

Dr. Irnich:Einstellungen und Emotionen wie rigides Durchhalten oder Katastrophisieren und belastende oder unverarbeitete Gefühle wie Ärger, Zorn, Groll können die Muskelspannung erhöhen und das Nervensystem sensibilisieren, was Schmerzen verstärkt. Doch erst das individuelle Zusammenspiel somatischer und psychosozialer Faktoren im biografischen Kontext führt zu einer chronischen Schmerzerkrankung. Innerhalb des Multimodalen Schmerzprogramms arbeiten verschiedene Berufsgruppen fachübergreifend zusammen.

Ist es wichtig zu wissen, welches akute Schmerzereignis dem Schmerzsyndrom vorausging?

Dr. Irnich: Für den Therapieverlauf ist es nicht mehr relevant, ob ein Patient an Ganzkörperschmerzen, Rücken- oder Hüftschmerzen leidet. In der multimodalen Schmerztherapie geht es darum, Lösungen zu finden. So können die Patienten die Selbstregulation und das körpereigene Schmerzhemmsystem trainieren und Strategien entwickeln, um den Schmerz zu überwinden. Dazu werden sie vier Wochen lang
naturheilkundlich, mit Akupunktur, physiotherapeutisch, psychosomatisch, aber auch konventionell, also medikamentös behandelt. Wichtig ist dabei, dass die Patienten motiviert
sind und dass alle Ärzte und Therapeuten gemeinsam an

Die Lust an freier Bewegung

 

Möchten Sie aus Ihrem alten Leben auch ab und zu ausbrechen und mal etwas ganz Anderes machen und Neues erleben? Der Kurs „Movement unknown“ bietet genau das. Man lernt dabei, sich zu guter Musik, wieder frei zu bewegen. Eine spannende Selbsterfahrung, die zufrieden macht und Selbstvertrauen schenkt.

Ein merkwürdiger Tanz ist das! Die Bewegungen, die die fünf Frauen zu rhythmischer Musik machen, sehen irgendwie skurril aus. Weder gibt es eine Schrittfolge noch sind ihre Bewegungen synchron. Jede Frau scheint ihren eigen inneren Impulsen zu folgen. Die Bewegungen wirken exzentrisch, ausdrucksstark, manche Gesten sind poetisch andere martialisch. Vielleicht handelt es sich ja um eine Art Tanztheater, denke ich. Eine Frau im türkisfarbenen Outfit schleicht sich wie ein Panther auf leisen Sohlen heran. Die Schultern leicht nach vorn gebeugt, die Finger gespreizt, scheint sie bereit zum Sprung zu sein. Auch wenn nicht alle Bewegungen ästhetisch sind, eines ist klar: diese nicht alltäglichen Bewegungen erfordern Koordinationsvermögen, Konzentration und Selbstgefühl. Das, was die fünf Frauen dort oben auf dem Tanzboden zeigen und betreiben, ist ein Training nach der Grinberg-Methode. „Movement unknown“ oder „Stopping Movement“ heißen die Kurse, zu Deutsch „Unbekannte oder gestoppte Bewegungen“. Angebote gibt es bislang in Berlin, Hamburg, Köln und Essen.

Das Hamburger Stadtfest Altonale ist für Trainerin Christine Gundlach eine gute Gelegenheit, einigen Menschen dieses sehr spezielle Körpertraining nahe zu bringen. Am Ende der Aufführung fordert die 41-Jährige die Zuschauer zum Mitmachen auf. Doch viele zögern und wissen nicht, was sie tun sollen. Offenbar ist es ist gar nicht so einfach, sich anders als wie gewohnt zu bewegen.

Raus aus dem alten Storyboard

Der Israeli Avi Grinberg, der Erfinder des Körpertrainings „Movement unknown“ hatte sich früh für den menschlichen Bewegungsapparat interessiert. Seit seinem 16ten Lebensjahr hatte er sich intensiv mit Zen-Meditation, östlicher Kampfkunst und den verschiedensten Massagetechniken beschäftigt. Nachdem er als Sanitäter in der israelischen Armee tätig war, arbeitete er als Heiler weiter. Offenbar hatte er ein intuitives Gespür, wie man Schmerzen und Beschwerden lindern konnte. Doch er machte immer dieselbe frustrierende Erfahrung: Nur wenige Monate nach der Behandlung kehrten seine Klienten zu ihm zurück. Meist hatten sich deren Beschwerden und Symptome sogar verschlimmert. Seiner Ansicht nach, konnte es dafür nur einen Grund geben: Sie hatten sich einfach wieder genauso stereotyp wie zuvor bewegt und verhalten: bei Stress immer auf die gleiche ermüdende Art und Weise reagiert, wie fixiert am Schreibtisch gesessen und in derselben eigentlich unentspannten Position geschlafen. „Der Körper hängt wie in einem alten Storyboard drin und kann da nicht raus“, erklärt Trainerin Christine Gundlach. Aufgrund der sich wiederholenden Bewegungs- und Verhaltensmuster kommt es deshalb auch immer wieder zu einem Ungleichgewicht im Körper, das auch chronische Schmerzen verursachen kann. Avi Grinberg wurde klar, dass sich der Gesundheitszustand seiner Klienten nur dauerhaft bessern konnte, wenn sie ihre Bewegungsgewohnheiten veränderten und durchbrachen. (….)

Zarte Stiche mit großer Wirkung

Längst ist die Akupunktur als wirksame Therapie bei Schmerz-Erkrankungen anerkannt. Doch mit gezielten Nadelstichen rücken Ärzte noch vielen weiteren Beschwerden zu Leibe.

Ablenkung kann helfen. „Bitte kurz einmal husten“, fordert Dr. med. Yimin Li ihre Patientin Anne auf, bevor sie zielsicher eine lange hauchdünne Nadel auf einen Akupunkturpunkt platziert. „Merken Sie etwas?“, fragt sie,  während sie die Nadel dreht. „Ja, ein leichtes Brennen“, bestätigt Anne. Dr. Li nickt zufrieden. Auf deren Feedback ist sie angewiesen. Erst an den jeweiligen Reaktionen ihrer Patientin kann die Ärztin erkennen, ob die Lebensenergie, im Chinesischen Qi genannt, am Akupunkturpunkt ankommt. „Manche spüren auch ein Kribbeln oder einen leichten Schlag“, erklärt Dr. Li, die nach ihrem Medizinstudium an der chinesischen Hannan Universität noch eine einjährige Fortbildung in Chinesischer Medizin absolvierte.

Ihre Patientin Anne leidet an einer funktionellen Bewegungsstörung aufgrund chronischer Muskelverspannungen. Physiotherapeuten und Osteopathen konnten ihr bislang kaum helfen. Von der Akupunktur erhofft sie sich nun echte Besserung. Ursache sei ein Stau im Leber- und Gallenmeridian, wiederum Folge einer Yin Schwäche, so das Ergebnis Dr. Lis  Zungen- und Pulsdiagnose. Innerhalb weniger Minuten hat die Ärztin neun Nadeln eingebracht, viele davon auf dem Gallenmeridian, denn über diese Leitbahn kann man besonders gut auf Störungen des Bewegungsapparates einwirken. 20 bis 30 Minuten lang werden die Nadeln die Akupunktur-punkte nun stimulieren. Die Patientin ist voll entspannt. Sind die Nadeln erst einmal gesetzt, spürt diese nur noch deren Reizimpulse.

Die Lehre der Chinesischen Medizin und ihre Diagnostik

Die Akupunktur ist neben der Chinesischen Kräuterheilkunde, der Tuina Massage und der Bewegungslehre Qi Gong eine wichtige Behandlungsmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz TCM genannt. Diese mehr als 2000 Jahre alte Erfahrungsmedizin geht davon aus, dass die beiden Kräfte Yin und Yang im menschlichen Körper im Gleichgewicht bleiben müssen, damit der Mensch gesund bleibt. Krankheit ist demnach immer eine Folge einer Yin- und Yang-Störung. Um zu erkennen, wo die Störung genau liegt, orientiert sich diese ganzheitliche Lehre an einem System von 14 Leitbahnen im Körper, sogenannten Meridianen, auf denen sich rund 700 Akupunkturpunkte befinden. Rund 400 davon sind für den Akupunkteur mit Nadeln gut erreichbar. „Durch das Setzen der Nadeln entlang dieser Leitbahnen werden bestimmte Punkte auf der Haut und das darunter liegende Gewebe stimuliert. So können das vegetative Nerven-system und damit die Körperregulation positiv beeinflusst werden“, erklärt Dr. med. Sven Schröder, Neurologe und Arzt der Chinesischen Medizin. Ziel des behandelnden Mediziners ist es, dabei die Energie so umzuverteilen, dass sie wieder gleichmäßig fließt. Dafür muss der Therapeut nicht nur genau wissen, wohin er die Nadel setzt, sondern auch wie er sie setzt. „Bei der Nadelung werden viele verschiedene Techniken eingesetzt, sie kann stimulierend oder sedierend, also beruhigend sein“, erläutert Petra Noll, Heilpraktikerin der Chinesischen Medizin. So kann der Akupunkteur beispielsweise durch Drehen der Nadel gegen oder im Uhrzeigersinn den Energiefluss entweder stimulieren oder aber beruhigen. Auch durch das Heben und Senken oder Kratzen am Akupunkturwedel kann er den Akupunkturpunkt unterschiedlich stark stimulieren. Dabei wird die Nadel unterschiedlich tief gesetzt. „Wenn ich beispielsweise den Ischias behandeln will, muss ich längere Nadeln nehmen“, weiß Heil-praktikerin Petra Noll. „An bestimmten Punkten hingegen, beispielsweise am Rücken, darf ich niemals tief nadeln, da ich die Lungen treffen könnte“, so Noll.

Die Akupunktur lindert nachweislich bei Schmerzen

Kaum ein alternatives Verfahren ist hierzulande so anerkannt wie die Akupunktur. Nicht zuletzt, weil seit 2007 die gesetzliche Krankenkasse bei chronischen Knie- und Rückenschmerzen die Kosten für eine Akupunkturbehandlung übernimmt. Das war die Folge der bundesweit durchgeführten GERAC–Studien (German Acupuncture Trials), die weltweit größte Untersuchung zur Wirksamkeit dieses Verfahrens, bei der die Akupunkturtherapie mit der medikamentösen Standardbehandlung verglichen wurde. 500 niedergelassene Ärzte behandelten 3500 Patienten, die an chronischer Migräne oder Spannungskopfschmerz, Kreuzschmerz und Kniegelenksarthrose litten. Das positive Ergebnis der Studie: Bereits zehn bis 15 Akupunktursitzungen reduzierten die Beschwerdesymptomatik bei Migräne ähnlich wirksam wie die medikamentöse Therapie. Bei Knie- und Rückenschmerzen war der Effekt sogar noch stärker. Jedoch konnten die Studienleiter nicht nachweisen, dass das Nadeln an chinesischen Punkten wirksamer war als an falschen Stellen. Zudem warf man den Studienleitern vor, dass die Ergebnisse ungenau seien, da viele Patienten die Einnahme von Medikamenten nach kurzer Zeit bereits verweigert hätten und somit ein ordentlicher Vergleich gar nicht mehr möglich gewesen wäre. Dass Akupunktur durchaus helfen kann, belegte die 2012 veröffentlichte Metastudie vom New Yorker Memorial Sloan-Klettering Cancer Center, für die Wissenschaftler die Daten von 29 klinischen Studien mit rund 18.000 Patienten ausgewertet hatten, die unter chronischen Schmerzen am Rücken, in der Schulter, im Kniegelenk oder unter chronischen Kopfschmerzen litten. „Je nach Art der Schmerzen verringerten sich die Beschwerden bei den Akupunktur-Behandelten um bis zu 23 Prozent gegenüber Patienten, die nur scheinakupunktiert wurden“, so das Ergebnis der Studie. (…)

erschienen in: natürlich gesund und munter, Magazin für ganzheitliche Gesundheit, Naturheilkunde und Bewusstes leben

Vergesslichkeit: Nur etwas schusselig oder schon leicht dement?

Mann ärgert sich über seine mangelnde Merkfähigkeit.

Vergesslichkeit: Ursachen erkennen und behandeln

Jeden lässt mal das Gedächtnis in Stich. Ältere Menschen befürchten meist gleich eine Demenz. Vergesslichkeit kann jedoch viele Ursachen haben. Und die gute Nachricht: man kann Demenzerkrankungen auch vorbeugen.

Wie viel Vergesslichkeit ist eigentlich normal?

„Wo habe ich bloß das Auto geparkt?“ Oder „wo habe ich nur meine Brille hingelegt?“ Solche Gedächtnispannen sind jedem schon passiert. Und wem lag nicht schon mal ein Begriff auf der Zunge, aber das Wort wollte einfach nicht herauskommen. Fast jeder leidet mal unter Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche oder Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Von solchen geistigen Aussetzern lassen sich junge Menschen meist nicht beunruhigen.

Haben Menschen jedoch erst einmal die Lebensmitte überschritten, wird jede Schusseligkeit schnell als ein bedrohliches Anzeichen dafür gewertet, dass es mit dem Gehirn bereits bergab gehe. Viele Ältere sehen dann schon das Damoklesschwert „Demenz“ über ihrem Kopf schweben.

Arthrose natürlich lindern

Glaubt man der Schulmedizin, so sind Gelenkerkrankungen nicht heilbar. Dass es durchaus Grund zur Hoffnung gibt, davon sind hingegen viele Naturheilkundler überzeugt.

Mit der Diagnose „Arthrose“ kann eigentlich mehr oder minder jeder rechnen, der
über Fünfzig ist. Schließlich handelt es sich dabei um eine altersbedingte Abnutzungs-erscheinung, also eine degenerative Erkrankung. Dabei verringert sich nach und nach die Knorpelschicht im Gelenk, bis irgendwann Knochen auf Knochen reibt. Wenn der Knorpel nicht mehr ausreichend als Stoßdämpfer fungieren kann, gleiten die Gelenkflächen spürbar schlechter aufeinander. Bewegungen laufen im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr reibungslos ab. Steifheit und akute aber auch Dauerschmerzen bei Belastung sind die Folge. Auch Schwellungen im angrenzenden Muskelgewebe treten häufig auf.

Später kann es im Gelenkbereich zu Verformungen und knotigen Veränderungen kommen. Und je weiter die Krankheit fortschreitet, desto größer sind meist auch die Schmerzen.

Im Prinzip kann jedes Gelenk durch Abnutzung spröde werden und damit seine Beweglichkeit verlieren. Am häufigsten sind jedoch die Gelenke betroffen, die am stärksten belastet sind, also vor allem Hüft- oder Kniegelenke. Gelenkerkrankungen können ihre Ursache beispielsweise in einer Überbelastung oder mechanischen Fehlstellung, wie dies bei O- oder X-Beinen der Fall ist, haben. Aber auch Verletzungen können dafür verantwortlich sein. So kann sich beispielsweise
nach einer Meniskusoperation der Knorpel im Kniegelenk schneller abnutzen, wenn das Kniegelenk danach deutlich mehr beansprucht wird.

Doch weitaus häufiger spielen andere Faktoren bei der Entstehung einer Arthrose
eine Rolle. So erhöhen Bewegungsmangel, Übergewicht, schlechte Ernährung und Stress, eine angeborene Bindegewebsschwäche und eine genetische Veranlagung die Wahrscheinlichkeit, an Arthrose zu erkranken. Wissenschaftler konnten eine Reihe von Erbfaktoren identifizieren, welche den Stoffwechsel im Knorpelgewebe steuern und es anfällig für eine Arthrose machen.

Wie wirkungsvoll sind Injektionen?
Was kann man aber tun, um die Krankheit aufzuhalten oder gar zu heilen? Eigentlich nichts, meinen die meisten Schulmediziner. Fast alle sind überzeugt, dass eine Arthrose nicht heilbar ist, da man sie nicht rückgängig machen kann. Schmerzen behandelt man mit Kortison und sogenannten „Nichtsteroidale Antirheumatika“. Sie unterdrücken zwar die Produktion von körpereigenen Schmerz- und Entzündungsstoffen, sind aber wegen ihrer Nebenwirkungen recht umstritten. Patienten mit Herz- oder Nierenproblemen dürfen sie nicht einnehmen.

Um die Beweglichkeit zu erhalten und somit eine Versteifung der Gelenke zu verhindern, sind passive Therapien wie Massage, Wärme- oder Kältebehandlung sowie Elektro- und Ergotherapie können helfen. Aber zu oft machen Betroffene die Erfahrung, dass sie um solche Verschreibungen regelrecht kämpfen müssen. Im späteren Verlauf der Erkrankung gibt es dann meist nur eine Lösung: Ein künstliches Gelenk muss implantiert werden. Bis dahin versuchen einige Orthopäden mit Injektionen aus Hyaluron oder Kortikoiden, die Knorpelschicht künstlich aufzufüllen. Mit geringem Erfolg. Spritzen sind auf längere Sicht meist wirkungslos, wie eine Untersuchung zeigt (…)

Vorsicht Schütteltrauma

Nicht schütteln! von Libellefilm auf Vimeo.

Schütteltrauma verstehen und vermeiden

Das Schütteltrauma-Syndrom gehört zu den schwersten misshandlungsbedingten Verletzungen bei Säuglingen und Kleinkindern. Und es weist die höchste Sterberate auf.

Schon drei Mal ist der junge Vater aufgestanden, um sein schreiendes Kind zu beruhigen. ‚Was hat es denn bloß?‘, fragt er sich. Hungrig kann es nicht sein. Die Windel hat er auch gewechselt. Und krank ist es auch nicht. Er möchte endlich seine Ruhe haben und fühlt sich enorm gestört. Von Minute zu Minute nimmt seine innere Anspannung zu, er fühlt sich völlig überfordert. Irgendwann liegen seine Nerven blank.

Er verliert die Beherrschung, packt das Baby am Brustkorb und schüttelt es einige Male voller Wut hin und her. In diesem Moment weiß er noch nicht, was er damit gerade seinem Baby antut. Denn wenige Sekunden Schütteln genügen, um sein Schicksal zu besiegeln. Schütteln endet häufig sogar tödlich.

Bei den Opfern handelt es sich nahezu ausschließlich um Säuglinge. Damit ist das Schütteltrauma die häufigste nicht-natürliche Todesursache im ersten Lebensjahr.

Ein hoher Anteil der Babys, die das Schütteltrauma überleben, erleiden so schwere Hirnschädigungen, dass sie lebenslang schwerbehindert bleiben. Meist sind sie taub, blind oder gelähmt. Das bedeutet, dass sich die betroffenen Kinder niemals mehr wie andere Gleichaltrige entwickeln werden.

Was ist ein Schütteltrauma?

Die wenigsten sind sich den verhängnisvollen Auswirkungen des Schüttelns bewusst. Wer jedoch einen Säugling am Rumpf packt und auch nur wenige Male kräftig hin und her schüttelt, verursacht mit großer Wahrscheinlichkeit ein Schütteltrauma-Syndrom. Denn dabei wird der Kopf in eine heftige unkontrollierte rotierende Bewegung versetzt. Die dabei entstehenden Scher- und Rotationskräfte wirken besonders stark und verheerend, da das Gehirn des Säuglings und die umgebenden Strukturen noch besonders zart und verletzlich sind.

„Außerdem hat ein Säugling aufgrund seiner noch schwachen Nackenmuskulatur kaum Kontrolle über seinen Kopf. Daher fliegt der Kopf eines Säuglings ungebremst hin und her“, erklärt der Neuropathologe und Privatdozent Dr. med. Jakob Matschke vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Erschwerend kommt hinzu, dass der Kopf bei Babys im Vergleich zum Körper noch überproportional groß und schwer ist.

Warum Schütteln so gefährlich ist

„Beides zusammen verstärkt die Kräfte noch, die beim Schütteln auf das Kind einwirken“, erklärt Dr. Matschke weiter. „Außerdem ist bei kleinen Babys die sogenannte Markscheide, die die Nerven schützend umhüllt, noch nicht vollständig ausgebildet. Das Gewebe in ihrem Gehirn ist dadurch viel weicher und verletzbarer als bei Erwachsenen“, so der Neuropathologe.

Durch Scher- und Zugkräfte können Blutgefäße einreißen, was zu Blutungen im Schädelinneren und Netzhautblutungen führt. Auch Nervenfasern können in seltenen Fällen geschädigt werden. Überlebenden Kindern drohen nicht nur lebenslang Seh- und Sprachstörungen, sondern auch motorische Störungen.

„Schütteltrauma gibt es in vielen Ausprägungen“, erklärt Privatdozentin Dr. med. Dragana Seifert, Fachärztin für Rechtsmedizin am UKE. ….

Wenn Sie mehr über das Thema lesen möchten, klicken Sie hier: https://www.schuettelntoetet.de/vorsicht-schuetteltrauma/schuetteltrauma-verstehen-und-vermeiden/

Text: Inge Behrens

Konzept: Loerke Kommunikation GmbH, Hamburg im Auftrag der API Kinder- und Jugendstiftung e.V.

Wandern am letzten Wilden

Einer der schönsten Weitwanderwege Europas führt am Lech entlang – einem der letzten Wildwasserbäche der Alpen. Das Erleben der teils mystischen teils märchenhaften Bergwelt öffnet den Blick für die eigene Seele.

Den Sorgen und Problemen einfach davon laufen, Abstand zu den Nöten und Sorgen des Alltags gewinnen, all das kann man am besten beim Bergwandern. In der Erhabenheit der Berge und aus der Höhenperspektive relativiert sich so vieles, was sonst wie ein unüberwindbarer Berg erscheint. Tanja Kneisel aus Landsberg wollte vor zwei Jahren einfach nur weg vom Alltag und entschied sich deshalb, ganz allein mehrere Etappen auf dem 125 Kilometer langen Lechweg zu pilgern. Auch die Münchnerin Karla Gülde zieht es immer wieder in die stille Vorarlberg-Region, wenn sie wieder mal den „Blues“ hat.

In ganz Europa gibt es zwar zahlreiche Wanderwege, auf denen man ganz entspannt auf horizontalen Pfaden wandern kann. Doch der erst vor fünf Jahren offiziell eröffnete Lechweg sucht seinesgleichen, begleitet der mal sanft plätschernde und mal wild sprudelnde Fluss den Wanderer fast die gesamte Strecke – von der beim Formarinsee gelegenen Quelle bis zum Lechfall in Füssen. Dabei führt er durch drei Länder, vom österreichischen Bundesland Vorarlberg durch das Tiroler Lechtal bis nach Deutschland ins Allgäu und ist somit im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitend.

Mystische Welt am Formarinsee

„Sportlich Geübte können die sieben Etappen mit An- und Abreise in acht Tagen bewältigen. Das ist die klassische Variante“, sagt Ramona Sprenger, Pressereferentin des Lechwegs-Vereins. Viele nehmen sich jedoch auch acht oder gar zehn Tage Zeit, um die Natur und die Aussichten intensiver betrachten und erleben zu können. Und viele wie Tanja K. laufen auch nur zwei oder drei Etappen.

Da die Wildflusslandschaft zum Glück keinem Kraftwerk geopfert wurde, ist der Lech noch eines der letzten fast intakten Flusssysteme der Alpen. Der Weg geht deshalb weitestgehend durch unberührte Natur und bietet viele einzigartige Erlebnisse. So findet man dort Gämse und gelegentlich sichtet ein Wanderer auch ein Murmeltier. Auf der ersten Etappe vom knapp 1900 Meter hoch gelegenen Formarinsee nach Lech kommt er auch an eine der letzten Steinbock-Kolonien Europas vorbei.

“Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer den man nicht weggehen kann“, schrieb schon der Philosoph Sören Kierekgaard

Tanja K. war fasziniert von der kargen Hochgebirgsregion am Formarinsee. Die Stimmung sei dort geradezu unglaublich gewesen, so mystisch wie auf Island, erinnert sich die zweifache Mutter und fügt hinzu „Wenn hinter einem Stein ein Gnom geschaut hätte, wäre ich nicht verwundert gewesen“. Kurz vor Lech, bei Tannberg, kann der Wanderer schon aus der Ferne einen zauberhaften Wald erblicken. Die Münchnerin, Karla G., zieht es immer dann in die stille Vorarlberg-Region, wenn sie wieder mal den „Blues“ hat. Vor allem die zweite Etappe, die von Lech nach Gehren ins Lechtal führt, liebt sie besonders. Der 14 Kilometer lange Pfad verläuft erst oberhalb der Lechschlucht und führt danach hinter dem Dorf Stubenbach stetig durch einen Höhenwald bergauf zum Walserdorf Warth. „Die Steigung ist sanft, man spürt kaum, dass es 700 Meter hinauf geht. Dieser kontinuierliche Aufstieg tut mir gut. Ich merke förmlich, wie mir bei jedem Schritt leichter ums Herz wird“, so die Münchnerin.

Kurz vor Warth gibt es einen kleinen Naturbadesee, an dem sie bei schönem Wetter meist Rast macht. „Dort merke ich schon, dass der gleichmäßige sanfte Anstieg meine Traurigkeit vertrieben hat“, erzählt sie.

Weitwandern beglückt die Seele

Von wissenschaftlicher Seite wird ihr subjektives Erleben durchaus bestätigt. So berichtet der Psychiater Dr. Reinhard Haller, dass neuste Forschungen belegen, dass man beim Bergwandern regelrecht in einen positiven Höhenrausch geraten kann. Beim kontinuierlichen Aufstieg werden mehr Glückshormone, allen voran Serotonin und Endorphine ausgeschüttet. „Wir wandern der Depression davon und überwinden durch Wandern den schweren Berg der Traurigkeit“, erklärt der Mediziner….

 

Chinesische Medizin als begleitende Krebstherapie

Immer mehr Patienten wünschen sich eine ganzheitliche Behandlung parallel zur Standardtherapie. Vor allem von der Chinesischen Medizin erhoffen sich viele eine Linderung der Nebenwirkungen. Die Schulmedizin öffnet sich ganz langsam.

Für jeden Menschen ist die Diagnose „Krebs“ ein Schock und löst enorme Ängste aus. Kaskadenartig erscheinen Leidensbilder von unglaublicher Wucht und Intensität vor ihrem inneren Auge. Dabei ruft nicht allein die Krankheit und die möglichen Schmerzen Panik hervor. Vor allem die Nebenwirkungen einer Strahlen- oder Chemotherapie und der damit einhergehende Verlust der Lebensqualität versetzen die meisten in Angst und Schrecken. Häufig geraten Menschen vor und während der Therapie deshalb in eine tiefe seelische Krise. Genau das kann zu einer zusätzlichen Belastung werden und der Genesung im Wege stehen. Denn es ist wichtig, dass der Patient zuversichtlich bleibt und von seiner Heilung überzeugt ist. Angst und Depression können die Erfolgsaussichten einer Chemotherapie ganz enorm mindern.

Die Schulmedizin kann dem Patienten nur wenig Beistand leisten und verweist meist auf Angehörige. Hinzukommt: Oft genug fühlt sich ein Krebspatient einem System, dessen Behandlungsstandards sich starr an den Leitlinien der Krankenkassen orientieren, hilflos ausgeliefert. Viele Patienten werden vom Arzt stark unter Druck gesetzt und glauben sofort dem vorgeschlagenen Behandlungsplan zustimmen zu müssen. Um die Nebenwirkungen zu lindern, versuchen viele Krebskranke deshalb in aller Eile parallel zur schulmedizinischen Behandlung  im riesigen Angebot an Naturheilkundlern und Heilpraktikern einen zusätzlichen Therapieansatz zu finden. 60 Prozent aller Patienten nehmen aus Angst vor den massiven Nebenwirkungen Naturheilmittel ein. Ob nun Mistel- oder Thymusextrakte, Vitamine oder auch homöopathische Präparate – jedes Mittel scheint als rettender Strohhalm recht. Oftmals informieren die Patienten den Onkologe darüber nicht, meist aus Furcht, der Arzt werde ihnen möglicherweise von der Einnahme der Naturstoffe abraten….

Schulmediziner öffnen sich der ganzheitlichen Therapie

Besser ist es, sich in Ruhe nach einer naturheilkundlich orientierten Komplementärtherapie in seiner Region zu erkundigen. Rat findet man beispielsweise bei der Deutschen Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr. Im optimalen Fall entwickelt der Onkologe gemeinsam mit den Therapeuten der alternativen Heilkunde einen Behandlungsplan, der nicht nur die Tumorbeseitigung zum Ziel hat, sondern auch die Nebenwirkungen lindert und wenn möglich auch die Erfolgsaussichten auf Heilung verbessert. Laut einer Umfrage….

Wenn Allergiker reisen

Damit die schönste Zeit des Jahres nicht zur Qual wird, müssen Menschen mit Pollen- oder Hausstauballergie ihren Urlaub besonders gut planen. Die Stiftung ECARF orientiert über allergikerfreundliche Unterkünfte und Regionen. Ein besonders reizvolles Reiseziel stellen wir vor.

Sommerzeit ist Urlaubszeit: Endlich den stressenden Alltag hinter sich lassen, in reizvoller Umgebung etwas für die Gesundheit tun, endlich durchatmen. Für rund 12 Millionen Deutsche bedeutet die warme Jahreszeit allerdings auch Leidenszeit – und allzu oft das Gegenteil von Durchatmen. Eine Untersuchung der Kommission Umweltmedizin am Robert Koch-Institut ergab 2016, dass mittlerweile knapp 15 Prozent der Deutschen von einer Pollenallergie betroffen sind.

Damit der Urlaub nicht zur gesundheitlichen Belastungsprobe wird, müssen Heuschnupfen-Geplagte bei der Auswahl ihres Reiseziels Obacht geben. Für sie empfiehlt sich der Urlaub in besonders pollenarmen Gegenden. Zu einer besonders großen Herausforderung kann der Ur-laub auch für Hausstauballer-giker werden. Dem Deutschen Allergie- und Asthmabund e. V. zufolge leiden immerhin zehn Prozent der deutschen Bevölkerung unter dieser zweithäufigsten Allergieform. Hausstauballergiker haben es auf Reisen doppelt schwer. Während Hausstaub-allergiker ihr eigenes Zuhause in ein allergiearmes und somit sicheres Areal verwandeln können, stellen öffentliche Räume wie Hotellobbys, aber auch ihre eigenen Hotelzimmer für sie echte Gefahrenzonen dar. Ob Bodenbeläge, Vorhänge, Polstermöbel, Matratzen oder Bettwäsche: all diese Materialien sind für sie mögliche Quellen der Qual. Darin setzt sich nämlich mit Vorliebe der Staub fest.

Genau genommen reagieren Hausstauballergiker nicht auf den Staub selbst überempfindlich, sondern auf eiweißhaltige Kotpartikel von Milben. Da sich die winzigen Spinnentiere bei Wärme und einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 60 Prozent besonders wohlfühlen, ist es für diese Allergiker generell ratsam, in trockene, eher kühle Urlaubsgebiete zu reisen.

Deutschland bietet vor allem eine Region, die dank ihrer klimatischen Bedingungen für beide Allergikertypen sichere Urlaubsziele sin (…)