Herz Kreislauf, therapie, Wissenschaft

Frauenherzen schlagen anders

Herzerkrankungen werden bei Frauen oft nicht erkannt. Denn das weibliche Herz stellt die Medizin vor viele Rätsel. Denn es tickt und leidet anders als das Männerherz – auch bei seelischem Schmerz.

Viele Frauen meinen auch heute noch, dass Herzinfarkt reine Männersache sei. Ein Irrglaube. Tatsächlich sterben Frauen inzwischen sogar häufiger an Herzerkrankungen als Männer, wie Zahlen belegen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Frauen haben bedauerlicherweise die schlechten, sprich gesundheitsschädigenden Gewohnheiten der Männer übernommen. Sie rauchen, ernähren sich ungesund, und bewegen sich viel zu wenig. Die Folge sind Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte, die in der Folge zu Kalkablagerungen und somit zu einer Verengung der Herzkranzgefäße führen. Übergewicht und Diabetes tun ihr übriges. Aufgrund der chronischen Doppelbelastung in Beruf und Familie sind sie häufig besonders gestresst; diese psychosozialen Faktoren treiben wiederum den Blutdruck in die Höhe und führen zu einem ungesunden Lebensstil. Das Problem: All diese Risikofaktoren wirken sich auf das Frauenherz noch weitaus fataler aus als bei Männern. Vor allem Nikotin ist pures Gift für das weibliche Herz. Wenn Raucherinnen auch noch die Antibabypille nehmen, erleiden immer öfter schon im mittleren Alter zwischen 40 und 50 Jahren einen Infarkt, obwohl sie eigentlich bis zu den Wechseljahren durch das Hormon Östrogen gut vor einer Verengung der Herzkranzgefäße, sprich vor einer koronaren Herzkrankheit (KHK) geschützt sind. Nach den Wechseljahren nimmt das Herzinfarktrisiko bei Frauen rasant zu. Deshalb ist es wichtig, dass Frauen ab Mitte Fünfzig auf ihren Blutdruck achten, weil dieser bei ihnen nach der Menopause sehr schnell ansteigen kann.

Frauen spielen Beschwerden herunter

Obwohl in den letzten 30 Jahren die Zahl der Frauen, die an einem Herzleiden erkranken, angestiegen ist, wiegen sich die meisten Frauen in trügerischer Sicherheit. Tatsächlich scheinen die meisten schlichtweg nicht damit zu rechnen. Weitaus mehr fürchten sie sich davor, Krebs, insbesondere Brustkrebs zu bekommen. Dabei sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht aber Krebs bei deutschen Frauen die führende Todesursache. Beschwerden, die auf Herzprobleme hinweisen, führen sie regelmäßig auf andere Ursachen zurück. Zudem nehmen sie diese selbst meist nicht besonders ernst. „Frauen suchen zwar in der Regel schneller den Arzt auf, aber zugleich neigen sie dazu, beim Arztbesuch ihre Beschwerden eher herunterzuspielen“, schreibt der Arzt Dr. med. Mohsen Radjai in seinem aktuellen Buch „ Bleiben Sie herzgesund“. Außerdem traurig aber wahr: Aufgrund der diffusen Beschwerden erkennt er aber die Durchblutungsstörung am Herzen nicht. „Zudem finden sich im Herzkatheter regelmäßig keine Verengung und Verkalkung der großen Herzkranzgefäße“, so der Arzt. Denn bei ihnen sind im Gegensatz zum anderen Geschlecht oftmals die kleinen, haarfein verästelten, tief in das Herz hineinreichenden koronaren Gefäße betroffen. „Verengungen sind in diesen Gefäßen mit bildgebenden Verfahren nicht diagnostizierbar. Diese Haargefäße kann man nicht mit einem Katheter, sondern nur medikamentös-symptomatisch behandeln“, erklärt Herzexperte Radjai.

Die Schmerzen sind untypisch und sehr diffus

Auch wenn das Frauenherz aus physiologischer Hinsicht dem Männerherzen gleicht, äußern sich die Symptome einer Erkrankung der Herzkranzgefäße bei Frauen meist ganz anders als bei Männern, weiß der Internist Dr. med. Mohsen Radjai, Experte der Sprechstunde des ARD Morgenmagazins. „Die Symptomatik ist bei Frauen untypischer und viel diffuser“, weiß Radjai. Während sich beim Mann ein Herzinfarkt klassischerweise mit Schmerzen sowie einem Druck- und Engegefühl in der Brust ankündigt, treten bei Frauen hingegen häufig Rücken- oder Nackenschmerzen auf. Auch Beschwerden zwischen den Schulterblättern und im Oberbauch sind keine Seltenheit. Vielfach leiden sie unter Übelkeit und müssen sich erbrechen. Zwar treten auch bei Frauen die typischen Beschwerden im linken Arm oder im Brustbereich auf, sie beachten diese jedoch nicht ausreichend. Vielmehr richten sie ihre Aufmerksamkeit eher auf die untypischen Symptome, sodass bei ihnen und ihren Angehörigen der Verdacht auf Herzinfarkt gar nicht aufkommt.. (…)